Mit ‘Otto Scharmer’ getaggte Artikel

1. Global Forum am MIT-Presencing Institute, Boston, 24.-25. Oktober 2011

Freitag, 04. November 2011

Bei klarem, hellem Herbstwetter trafen sich ca. 270 Menschen in Boston zum 1. Global Forum des Presencing Institute am Massachusetts Institut of Technology (MIT).  Daneben waren über 300 weitere Menschen via live stream aus aller Welt zugeschaltet. Worum ging es? Um die Stärkung der gegenseitigen globalen Wahrnehmung und Achtsamkeit und was dies für Veränderungen bewirken kann hinsichtlich der großen Krisen unserer Zeit.

Das Presencing Institute hat inzwischen mehr als 5500 Mitglieder in über 100 Ländern. Es steht für soziale Innovationen und Zusammenarbeit in den Feldern Wirtschaft, Soziales, Politik, Kultur, Forschung und Wissenschaft.

Otto Scharmer, der Leiter des Presencing Institute, präsentierte in seiner Einleitung zu der Veranstaltung drei Zahlen, mit deren Hilfe er auf die heute drängenden Probleme in der Welt aufmerksam machte.

  • Die Zahl „1,5“ steht für unseren ökologischen Fußabdruck, unseren Ressourcenverbrauch, der 1,5 Mal höher ist als die tatsächlich vorhandenen Ressourcen auf der Erde.
  • Die zweite Zahl ist „2,5 Milliarden“. So viele Menschen auf dieser Welt leben heute unter der Armutsgrenze.
  • Die dritte Zahl, die Otto Scharmer nannte, war die „3“. Weltweit nehmen 3 Mal so viele Menschen sich selbst das Leben wie Menschen andere, zum Beispiel in Kriegen oder durch Kriminalität, töten. Dazu kommen 15-20 Selbstmordversuche auf einen Selbstmord.

Diese drei Zahlen machen deutlich, dass wir uns eine Welt geschaffen haben und weiterhin schaffen, die wir nicht wollen.

Auf der anderen Seite gibt es außerordentlich ermutigende Entwicklungen. Otto Scharmer nannte hier ebenfalls drei.

  • Zuerst die weltweiten Aktivitäten der Zivilgesellschaft: den Arabischen Frühling, 99%, Occupy und viele andere. Der Ökologe, Unternehmer, Journalist und Schriftsteller Paul Hawken umschreibt diese in seinem wunderbaren Buch „Blessed Unrest“ (dt: “Wir sind der Wandel”) mit dem Satz “Wie die größte soziale Bewegung in der Menschheitsgeschichte der Welt heute zu neuer Anmut, Gerechtigkeit und Schönheit verhilft”.
  • Als zweites nannte Otto Scharmer die überall neu entstehenden innovativen Unternehmen und Projekte, die Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit liefern. Auf dem Global Forum wurden davon sieben ausgewählte Projekte und Unternehmen beispielhaft vorgestellt. U.a. durfte ich die Triodos Bank vorstellen. Andere Unternehmen und Projekte, die vorgestellt wurden, waren u.a. die Naturkosmetikfirma Natura aus Brasilien und die Stadtentwicklung in dem New Yorker-Stadtteil Bronx. Otto Scharmer zitierte in diesem Kontext den Sozialwissenschaftler Kurt Lewin: „Wir verstehen ein System erst dann, wenn wir es ändern.“
  • Und als dritten hoffnungspendenden Aspekt nannte Otto Scharmer die großen Weisheitslehren der Welt. Stellvertretend nannte er Buddha, Konfuzius und Rudolf Steiner.

Während der zwei Tage des Global Forum wurde viel gearbeitet: im Forum, an Fünfertischen, zu zweit, und in Arbeitsgruppen. So entstanden viele Ideen und Inspirationen. Denn das ist auch das Ziel des Global Forum: Es ist der Versuch, die vielen weltweit bestehenden und neuen Innovationen und Initiativen zusammenzubringen. „Connecting the dots“ – die Punkte miteinander verbinden – ist das Ziel.

Sehr treffend hat dies für mich wiederum Paul Hawken  zusammengefasst in seinem Buch „Wir sind der Wandel“:
Wenn wir davon ausgehen, dass die Menschheit ein einziger Organismus ist, können wir uns eine kollektive Bewegung vorstellen, die diesen Organismus schützt und in die Lage versetzt, mit Bedrohungen fertig zu werden. Diese Fähigkeit zur Reaktion würde wie ein Immunsystem funktionieren, das unabhängig vom Willen des Einzelnen agiert. Die gemeinsame Aktivität von Hunderttausenden gemeinnütziger Organisationen [Anmerkung: ich würde hier auch Unternehmen und allgemein jeden Menschen ergänzen] kann als das Immunsystem der Menschheit betrachtet werden, das uns vor schädlichen Einflüssen wie Korruption, wirtschaftlicher Fehlentwicklung und ökologischem Zerfall schützt.

Internationales Presencing Treffen mit Otto Scharmer in Boston

Montag, 22. November 2010

Ende Oktober war ich in Boston beim Presencing Institute am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das Presencing Institute wird von Otto Scharmer und seinem Team betrieben. Die inhaltliche Grundlage seiner Arbeit hat er in dem vielbeachteten Buch  TheoryU –  Führen von der Zukunft her dargelegt.

TheoryU entstand aus der Frage, ob man von einer im Entstehen begriffenen Zukunft lernen kann? Denn Lernen basiert traditionell auf den Erfahrungen der Vergangenheit. In vielen Fällen jedoch ist klar, dass wir mit unserem Vergangenheitswissen die Gegenwart und Zukunft nicht genügend begreifen, geschweigen denn gestalten können. Die Arbeit an dieser Fragestellung hat bei Otto Scharmer und seinem Team zu der Erkenntnis geführt, dass die wichtigste Führungsaufgabe nicht ist, Ziele zu definieren oder eine Zukunftsvision zu entwickeln. Die wichtigste Führungsaufgabe ist es, den individuellen und gemeinsamen Prozess des Sehens der Realität zu initiieren und dahingehend zu vertiefen, dass wir beginnen, entstehende Möglichkeitsräume wahrzunehmen (siehe Aufsatz Handeln von der Zukunft her).

Aus dieser Fragestellung heraus hat Otto Scharmer die TheoryU entwickelt. Sie basiert im Wesentlichen auf 150 Interviews mit Menschen, die täglich mit Innovationsprozessen zu tun haben. Die Interviews können auf der Website www.dialogonleadership.org gelesen werden. Sie sind teils wirklich sehr spannend zu lesen!

Kurz zusammengefasst stellt TheoryU einen Prozess dar, bei welchem der Grad der Aufmerksamkeit erhöht wird. Das beginnt mit einem offenen Denken, geht über ein offenes Fühlen bis hin zu einem offenen Willen. Damit wird angedeutet, wie sich der Grad der Aufmerksamkeit verstärken und vertiefen kann. TheoryU weist auch auf die Hindernisse hin, mit denen wir diesbezüglich zu tun haben: nämlich mit Vorurteilen, mit Zynismus und mit der Schwierigkeit, wirklich von sich loszukommen.

Ich habe Ende Oktober in Boston am ersten Treffen  von insgesamt fünf Treffen einer Master Class teilgenommen, genannt PI-Lab. Wir werden uns noch 2x pro Jahr bis 2012 in Boston einfinden. Teilnehmende sind 70 in TheoryU erfahrene Berufstätige aus der ganzen Welt: UnternehmerInnen, NGO-VertreterInnen, Landwirte und BeraterInnen. Die Frage, die uns alle bewegt und für die wir die weite Reise gemacht haben, ist die nach dem Grad der Aufmerksamkeit (level of awareness) aus der TheoryU. Die Aufmerksamkeit kann sich auf die eigene individuelle Entwicklung, auf die Zusammenarbeit mit anderen und auf die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen richten. Hierzu bedarf es einer Offenheit auf der intellektuellen, gedanklichen Ebene, eines offenen Herzens sowie eines gerichteten  Willens und einer Willensanstrengung. Ich muss versuchen, den Anderen gedanklich und emotional in mich aufzunehmen, mich für sie oder ihn wirklich zu interessieren, kurz: vom Ich zum Du. Erst diese Umkehrung des Willens, der eigenen Aktivität ermöglicht, dass ich die Welt draußen in mein Herz aufnehmen kann.

Die Motivation für mehr Aufmerksamkeit sind die großen Herausforderungen, vor denen wir, unsere Gesellschaft, unsere Welt stehen: der Klimawandel und die  notwendige Transformation zu 100% Erneuerbare Energien, die große soziale Frage – und dann natürlich die konkrete Umsetzung von Lösungsansätzen.

Es scheint, dass wir Menschen heute so einfache Dinge wie Interesse für den Anderen und Anteilnahme an der Welt erst wieder ganz neu lernen müssen. Es ist, als ob wir durch die industrielle und technologische Entwicklung der letzten 200 Jahre immer mehr in die Vereinzelung und damit in den Egoismus geraten. Die Form von Kapitalismus, die uns die jüngste Finanzkrise beschert hat, bestätigt dies ja in erschreckender Weise. Eine Teilnehmerin berichtete, wie sie eine Zeitlang in einem reichen europäischen Land gelebt hat und dachte, hier müssten doch alle Menschen glücklich sein. Sie erlebte aber das Gegenteil. Wieder zurück in ihrem südamerikanischen Heimatland wurde ihr bewusst, dass Technik und Geld nicht glücklich machen. Eine einfache Erkenntnis, aber nicht immer leicht, sie auch zu leben.

Das PI-Lab fand im Wechsel zwischen Vortrag und Diskussionen an kleinen runden Tischen mit maximal fünf Teilnehmern statt. Das Programm wurde ergänzt durch Gastbeiträge von Ed Schein, Professor für Change Management am MIT (siehe sein neuestes Buch „Helping“), Nicanor Perlas, kürzlich Präsidentschaftskandidat auf den Philippinen (links im Foto zu sehen neben Otto Scharmer), und Jeffrey Hollander, Gründer von Sevens Generations, einem großen Ökounternehmen in den USA .

Nicanor Perlas sprach über neueste wissenschaftliche Ergebnisse auf den Gebieten der Nano-Technik, Gen-Technik, Informationstechnologie und Geo-Engineering. Das Geo-Engineering betrifft die aktive Einflussnahme auf das Wetter und unser Klima zur Eingrenzung weiterer Erderwärmung. Er entwarf daneben ein humanistisches Menschenbild und sprach eindringlich von der Notwendigkeit, das Konzept des Menschen als freies Wesen zu pflegen und zu vertiefen. Sonst drohe die Gefahr, dass immer mehr Roboter und Maschinen unser Leben bestimmen.

Jeder Teilnehmer des PI-Lab ist aufgefordert, sich mit einem für ihn oder sie wichtigen Thema auch in der Zeit zwischen den Kursen zu beschäftigen. Dazu haben wir kulturell diverse 5-er Gruppen gebildet, die sich gegenseitig helfen und unterstützen. In meiner Gruppe sind ein Amerikaner, eine Brasilianerin, zwei Inder, eine Niederländerin und ich. Ich habe für mich das Projekt „die Triodos-Werte leben“ gewählt. Wie geht das? Wo muss ich bei mir beginnen, mich verändern, meine eigene Aufmerksamkeit erhöhen? In den Gesprächen haben wir auf die Bilder geachtet, die vor das innere Auge kommen, wenn die oder der Andere von dem Thema erzählt, mit dem sie/er sich in der Zeit zwischen den Kursen beschäftigen möchte. Hierzu hat Otto Scharmer die Vorgehensweise des sogenannten „case clinic“ vorgeschlagen (case clinic). Es ist hochspannend, mehr auf diese Bilder zu achten und sich zu fragen: welche Zukunft kann sichtbar werden, wenn es gelingt, die Aufmerksamkeit darauf zu erhöhen? Da wir im PI-Lab ja ganz am Anfang des Übens stehen, werde ich hiervon in einem späteren Blog-Beitrag mehr berichten.

Triodos Leadership Programm

Donnerstag, 21. Januar 2010

dob

Ich habe die letzten drei Tage auf einem kleinen Gut der D.O.B. Foundation im Rahmen des Triodos Leadership Programms“ verbracht. Die Stiftung ist Kunde der Triodos  Bank Niederlande und war unser Gastgeber.

In den nächsten 18 Monaten will sich das Team sowohl mit der Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten als auch mit der Entwicklung der Triodos  Bank auseinandersetzen. Die Teilnehmer kommen aus allen fünf Filialen und der Zentrale der Bank. Es sind verschiedene Hierarchieebenen vertreten. Die Präsenzmeetings werden zukünftig  jeweils nacheinander in den Ländern stattfinden, in denen die Triodos Bank vertreten ist. Im Rahmen des ersten Meetings haben wir uns u.a. auch mit der Theory U von Prof. Otto Scharmer befasst. Gegenstand der Auseinandersetzung waren nur die Phasen des „Zuhörens“( Downloading; Factual; Empathic; Generative).

Ich lade jeden, der an einer Methodik, die zu Innovation  führt , interessiert ist, ein, sich mit der Theory U auseinanderzusetzen. Ich sehe, dass gerade das richtige Zuhören wichtig ist, um zu verstehen, welche Fragen zukünftig von Bedeutung sind.

Ein Gast bei der Veranstaltung war Prof. Klas von Egmont von der Universität Utrecht. Er hat seine Überlegungen zur Entwicklung von historischen Phasen vorgestellt. Mir ist hier nochmals deutlich geworden, dass  es keine einfache, radikale Lösung und keine einfachen Antworten auf die Fragen der Zukunft geben kann.  Die Balance verschiedener Aspekten wie z.B. Globalisierung und Regionalisierung  sind das Entscheidende.

9. und letzter Teil des Triodos Bank-Dialog

Freitag, 18. Dezember 2009

Das letzte “Türchen”. Pünktlich zum vierten Adventswochenende schenken wir Euch den neunten und letzten Teil unseres Mitschnitts! Viel Spaß und ein schönes Wochenende.

7. Teil des Triodos Bank-Dialog

Mittwoch, 16. Dezember 2009

In Teil sieben mischen sich auch unsere Eröffnungsgäste in die Diskussion ein. Einer von ihnen erinnert daran, dass Menschen mit den Urinstinkten Flucht und Kampf reagieren, wenn sie Angst haben und fragt nach sinnvollen “Programmen”, mit dieser Angst besser umzugehen. Ein anderer wiederum schlägt vor, diese Angst einfach zu überwinden. Martin Lees fragt sich seinerseits, über was “diese Leute in Kopenhagen” eigentlich reden. Dazu ergänzt Otto Scharmer aus seiner Erfahrung, dass Angst als nachhaltige Motivation nicht funktioniert. Es bleibt spannend…

Otto Scharmer auf der Triodos Bank Eröffnung

Mittwoch, 02. Dezember 2009

Otto Scharmer skizzierte mehrere Phasen des Kapitalismus: 1.0 Free Market (diese Phase ist gekennzeichnet von Wachstum, Privatisierung etc.), 2.0 Social Market Capitalism (“distribution, welfare state, unions, ngo’s, stakeholder negotiation, lobby-based regulation”) .

Nach Otto Scharmer versuchen wir aktuell Probleme des nächsten Kapitalismusstadium 3.0 mit Heransgehensweisen und Lösungsversuchen des Kapitalismus 2.0 zu lösen. Es geht für ihn darum, dass wir uns jetzt von einem Verhalten des “Ego-Bewustssein” hin zu einem “Stakholder-Bewusstsein” bewegen, hin zu einem “partnerschaftlichen Miteinander”. Für alle, die das genauer wissen möchten, hier der Link zu einem seiner paper, wo er die “Seven Acupuncture Points for Shifting Capitalism to Create a Regenerative Ecosystem Economy”.