Mit ‘Öko-Strom’ getaggte Artikel

Die Stadt zurück erobern! …von sinnsuchenden Guerilla-Gärtnern und dem Leben ohne Auto.

Montag, 29. März 2010

Schaschlik Magazin Freiburg

Am Wochenende bin ich – in Ermangelung eines Autos, auf das ich bewusst und ohne Entzugserscheinungen verzichte, dank innerstädtischer Wohnung samt Fahrrad :-) – mal wieder Zug gefahren. Mein Fundstück dieses Mal in der DB Mobil eine vielversprechende Überschrift “Neue Lust auf Land-Luft”. Was folgte war ein Artikel rund um das Revival des guten alten Schrebergartens (gerade bei jungen Familien) genauso wie der Begrünung des Stadtgebiets durch “Gartenpiraten“, die mit “Saatbomben” durch die Städte ziehen und diesen dort säen, wo sie finden, dass etwas Grün den grauen Straßenzügen und der Luft gut tun würde.

Die Autorin des Artikels zitiert “Die Zahl der Gärten wächst wie noch nie. In Deutschland gibt es schätzungweise 22 Millionen.”  Und sie liefert auch gleich noch die soziologische Diagnose des Phänomens: “Soziologen sehen die Ursache des Gartenbooms in den Begleiterscheinungen von Globalisierung und Weltwirtschaftskrise: Weil die Welt als unübersichtlich erfahren werde, wachse die Sehnsucht nach vertrauten Werten und das Bewusstsein für Traditionen.” Ich glaube, dass insbesondere der Aspekt der Unmittelbarkeit und der Komplexitätsreduktion auch eine wichtige Rolle spielt. Letztlich geht es auch hier aus meiner Sicht darum, dass ”das Weniger” als “Mehr” empfunden wird. Als eine neue Lebensqualität.

Aber nicht nur diese Bewegung lässt Rückschlüsse zu, dass viel in Bewegung ist. Gleichzeitig findet sich in der Wirtschaftswoche ein Beitrag darüber, dass Daimler, u.a. nach dem erfolgreichen Test mit Smarts (leider noch nicht mit regenerativen Energien angetrieben) im Ulmer Projekt “Car2Go” das Thema Car-Sharing massiv vorantreiben möchte. So formuliert der Artikel:

“Jahrzehntelang war Carsharing etwas für grüne Initiativen und Öko-Vereine. Autobauer betrachteten das Geschäft skeptisch, bei dem sich mehrere Nutzer ein Auto teilen. Doch jetzt müssen die Unternehmen reagieren, denn die meisten Bundesbürger zwischen 14 und 29 Jahren können sich ein Leben ohne Auto durchaus vorstellen, während sie auf Internet und Handy nicht verzichten möchten, so eine Untersuchung des IT-Verbandes Bitkom (WirtschaftsWoche 9/2010). Als Erster der Autobranche prescht nun Daimler vor. Der Konzern will das Geschäft in Metropolen rund um den Globus selbst anbieten. In den nächsten Monaten will er die ersten Städte benennen, in denen er das System einführt. “Wir sprechen mit Stadtverwaltungen Dutzender Millionenstädte”, sagt Projektleiter Robert Henrich. In Europa und Nordamerika will er in den kommenden Jahren Verträge abschließen. Der Manager sieht “einen Milliardenmarkt” und geht davon aus, dass er “eine zweistellige Rendite erwirtschaften” werde.”

Vielleicht brauchen wir irgendwann gar nicht mehr via Car-Sharing in den Schrebergarten rausfahren, sondern wir haben einfach viel weniger Autos und diese an zentralen Verteilstellen in den Städten, betrieben mit sauberer, grüner Energie – und damit mehr Platz für städtische Grünflächen und Bäume. Ansonsten nehmen wir in der “Post Oil City” (so lautete eine Ausstellung dazu im Stuttgarter ifa) genauso unser Fahrrad, das Pedelec oder den öffentlichen Nahverkehr. Unsere Städte und ländlicheren Regionen sind als smart grids intelligent vernetzt  und in den Städten haben wir wieder Platz, um Kinder auf den verkehrsberuhigten, wieder begrünten Straßen spielen zu lassen.  Immer mehr Automobilkonzerne erfinden sich neu und verkaufen in erster Linie  innovative Mobilitätskonzepte,  wie z.B. Car-Sharing (ein gutes Beispiel hierfür ist aus meiner Sicht das Unternehmen Better Place). Gleichzeit verbrauchen wir durch energetisch sanierte Gebäude viel weniger Energie. Und am Wochenende sitzen wir in den Gärten davor, unterhalten uns mit den Nachbarn, genießen die Luft und bepflanzen unsere “community gardens” um die Wette. Das ist ferne Zukunft? Teilweise ja, teilweise nein. Eines ist dabei aber klar, so oder so und das ist die gute Nachricht: WIR machen die Zukunft!

Zurück zur Natur im Slow Life?

Montag, 18. Januar 2010

green_fashionparty

Grüne Themen sind unübersehbar in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Erst entdeckten wir “Bio-Food”, dann rückte Öko-Strom ins Bewusstsein und nun etabliert sich auch der “Green-Fashion-Markt” (wen es interessiert, “Pflichtlektüre” dazu ist der Blog von Kirsten Brodde, diese Woche trifft sich die Welt grüner Mode und nachhaltigen Lebensstils auf der “THEKEY.TO”, Stefanie Erhardt und ich werden auch da sein).  Und für die, die auch im Urlaub nicht ohne Bio sein möchten, gibt es zum Beispiel mit den Bio-Hotels entsprechend schöne Destinationen. Wer autolos in die Alpen reisen will, findet bei den Mitgliedsorten der “Alpine Pearls” immer mehr Angebote.

Plötzlich stand also fast überall “Bio” und “nachhaltig” drauf. Wegweiser durch diesen Produktdschungel mussten her und damit begann auch der “Aufstieg” der Zertifizierungen und Siegel – allen voran das neue “Bio-EG Öko-Siegel” bis hin zu deutlich mehr Aufmerksamkeit für die schon jahrzehntealten Verbände, wie Bioland und Demeter, oder das “OK-Power Label” bei Öko-Strom.

Eine Studie des Schweizer Gottlieb Duttweiler Instituts im Auftrag von Pro Natura mit dem Titel “Die Zukunft der Natur” fasst diese Entwicklung und die möglichen Konsequenzen für das Thema Nachhaltigkeit – wie ich finde - sehr treffend zusammen: “Der Erfolg des Nachhaltigkeitskonzeptes birgt die Gefahr, dass Kunden und Unternehmen sich wieder von ihm abwenden: Erstens wegen des drohenden Informationsoverkills der Konsumenten. Zweitens weil das einzelne Unternehmen sich immer weniger durch Nachhaltigkeit von seinen Konkurrenten abheben kann, wenn immer mehr Firmen auf diese Strategie setzen.”

Aus meiner Sicht gibt es hier jedoch zwei ganz zentrale Unterschiede: Verfolge ich als Unternehmen eine “ergrünte Marketingstrategie” für mehr oder weniger konventionell produzierte Ware oder mache ich als Unternehmen wirklich einen Unterschied - mit einem “nachhaltigen Geschäftsmodell”?

Nicole Lüdi, die Autorin der Studie, fasst das zusammen: “Ökologische Nachhaltigkeit wird in den reichen westlichen Gesellschaften bei den Mainstreamkonsumenten zu einem Leitwert. Dieser Wert zielt darauf ab, die Natur für folgenden Generationen zu erhalten, und fordert darum einen schonenden Umgang mit ihr. Was Nachhaltigekeit in der Umsetzung konkret bedeutet, wird in verschiedenen Konzepten unterschiedlich beantwortet.  Beispielsweise propagieren die einen die Reduktion oder gar den Verzicht auf Konsum. Andere setzen auf intelligente Produkte, die ressourcenschonend produziert werden oder vollständig ökologisch abbaubar sind.” (Lesetipp dazu von mir “Die nächste industrielle Revolution” (Braungart) zum Cradle to Cradle Prinzip). Doch was setzt sich durch? Nicole Lüdi merkt auch an, “nachhaltig, ökologisch, biologisch, grün – Konsumenten können diese Begriffe kaum noch voneinander abgrenzen”. Und sie fügt hinzu, dass die Verbreitung des Begriffs der Nachhaltigkeit nicht automatisch mit nachhaltigem Verhalten verbunden sein wird. Das bleibt abzuwarten.

Aus meiner Sicht ist nur eines klar, es wird im gesamten Nachhaltigkeitsbereich eine Entwicklung geben, die am einen Ende “echt nachhaltig” anbietet und am anderen Ende “etwas nachhaltig” . Besagte Studie meint dazu: “Am einen Ende des Spektrums werden dann in Nischenmärkten hochpreisige Produkte angeboten, die konsequent nachhaltig produziert wurden und durch einwandfreie Qualität, gutes Design und einen hohen Wert bestechen. (…) Am anderen Ende des Spektrums werden vermehrt Anbieter auf den grünen Markt drängen, die nach dem Prinzip der Profitopimierung funktionieren und Massenproduktion betreiben. Nachhaltigkeit ist für sie ein Aspekt des Marketings respektive ein Mittel zur Gewinnsteigerung.”

…und dazwischen wird es noch mehr unterschiedliche Angebote in unterschiedlichen “Graustufen” geben als bisher. In welche Richtung sich der Markt entwickelt, liegt am Verbraucher, der mit wachsendem Marktangebot nicht umher kommt, sich zu informieren und zu hinterfragen. Wie sich der Nachhaltigkeitsmarkt insgesamt entwickeln wird, lässt sich z.B. anhand von Kampagnen, wie der zu “Echt bio” oder der spannenden Entwicklung der Slow Food Bewegung erahnen. Aus meiner Sicht wird es in Zukunft weniger um “ob nachhaltig” gehen,  sondern um “wie viel nachhaltig” gehen. Und dahinter steht letztlich der Wunsch “nach dem guten Leben”, was auch immer der Einzelne damit verbinden möge…. Nicht umsonst folgt dem Slow Food gerade Slow Fashion (siehe auch z.B. der österreichische Slow Fashion Award) und es gibt bereits die ersten Konferenzen zu Slow Life….

Noch Ideen?

Dienstag, 22. Dezember 2009

 

Bild: Copenhagen Design Week

Immer Montag morgens treffen sich alle Mitarbeiter von Triodos und diskutieren Fragen der Nachhaltigkeit. Das ist in allen europäischen Filialen so. Diese Woche ging es bei uns in Frankfurt um die gescheiterten Verhandlungen in Kopenhagen. Die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen ging von „enttäuscht“ über „ich habe nichts anderes erwartet“ oder „meine Freunde haben mir gesagt, dass sie jetzt selber mehr tun wollen, wenn die Politiker es nicht schaffen“ bis „die zweiwöchigen Gespräche der vielen engagierten Teilnehmer werden ihre positive Wirkung noch zeigen“.

Mein Eindruck: Viele Menschen sind jetzt wacher geworden für den Erhalt der Erde. Es geht aus meiner Sicht jedoch um die zentrale Frage: Wie komme ich vom Verstehen zum Handeln, von der Einsicht zum Tun? Was kann ich tun, ganz konkret, in meinem Lebensumkreis? Wir leben über unsere Verhältnisse, das wissen wir seit langem, aber wir tun zu wenig.

Simonetta Carbonaro hat auf unserer Eröffnungsveranstaltung den Begriff der “Zuvielisation” gebraucht. Es geht also um “weniger ist mehr”, dass allerdings einfach qualitativ besser. Ökologischer, aber genau so viel, reicht nicht. Wir können jeder etwas an unseren eigenen Verhaltensweisen ändern, z.B. weniger Fleisch essen, Strom sparen und auf Öko-Strom umsteigen, öfter mal die Bahn statt das Auto verwenden, weniger Kaffee trinken und wenn dann fair gehandelten Bio-Kaffee. Dabei geht es einfach um “bewussten Konsum” – letztlich auch eine Idee, die mit Verbänden wie Demeter genauso eng verbunden ist wie mit der ganzen Slow-Food Bewegung.

Aber es geht auch noch um etwas Anderes: nicht warten, bis der Andere was tut oder “die Politiker”, sondern aus Interesse am Anderen ins Tun kommen, aus Engagement gegen die bereits vorhandenen Umweltschäden vorangehen und handeln. Noch Ideen?