Mit ‘Nachhaltigkeit’ getaggte Artikel

Ist der Wert eines Tages Geld – oder: Was ist der Wert eines Tages? Unsere Antworten.

Mittwoch, 29. September 2010

RIMG0125

RIMG0121

In wenigen Tagen wird unsere deutsche Niederlassung 10 Monate alt – am 1.Oktober 2010. Seitdem fragen wir in unseren Anzeigen unter anderem “Ist der Wert eines Tages Geld?”. Ganz sicher nicht, meinen wir. Für uns ist Geld “Mittel zum Zweck” – ein Mittel um etwas zu bewegen, zum Positiven zu verändern. Wir als Bank leihen uns das Geld von unseren Privatkunden und verleihen es weiter und zwar nur an ökologische, kulturelle und soziale Projekte oder Unternehmen, die wiederum damit etwas finanzieren können.

Und da wären wir auch schon wieder bei den Menschen: Es braucht also in jedem Fall Menschen, die das Geld so einsetzen, dass es etwas für eine lebenswerte Zukunft bewegen kann.
Und da wir nun ja schon in unseren Anzeigen alle fragen, nur nicht uns, dachten wir, dass wir euch irgendwie unsere Antworten schuldig geblieben sind. Gesagt, getan -wir haben mal bei uns im Haus rumgefragt: Wenn der Wert eines Tages nicht Geld ist, was ist es denn dann für euch? Unsere Antworten? Lest selbst!

Mit Freunden etwas Gutes essen und ein Glas Wein trinken.

Für mich ist der Wert eines Tages, mindestens einmal herzlich zu lachen.

Schöne Musik, ein inniges Gespräch. Ein Lächeln, das über ein zur Sonne gewandtes Gesicht gleitet.

Ein Kind lachen sehen, die Sonne auf der Haut fühlen, Grillenzirpen lauschen, Rosenduft riechen, die Dankbarkeit eines Fremden spüren und die Vertrautheit und Nähe unter Freunden genießen.

Das ansteckende Lachen meiner Tochter, ein Lieblingsgericht für die Familie kochen, ein Spaziergang im Grünen, intensive Gespräche mit guten Freunden.
Freunde treffen

Für mich hat der Tag einen Wert, wenn es gute und gut gelaunte Gespräche gab und wir gelacht haben

Ein gutes Gespräch unter Freunden

Der Wert eines Tages ist die Begegnung mit Mitmenschen

Am Abend beruhigt einschlafen zu können

Schönes Wetter,etwas Entspannung und nette Leute um mich herum

Das gute Gefühl am Abend, seinen Zielen wieder ein Stück näher zu sein.

Energie aus den Sonnenstrahlen zu gewinnen…

Ein guter Tag ist, wenn man glücklich und zufrieden ist

Zufrieden ins Bett gehen

mindestens einmal (über sich selbst gelacht) zu haben

So, das war es von unserer Seite – und was ist der Wert eines Tages für euch?

Rund um grüne Märkte – eine Frankfurter Podiumsdiskussion aus der Reihe “Come Closer”

Freitag, 10. September 2010

 Unknown

Dass kein Weg mehr am Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft vorbei führt und dass auch Großkonzerne sich bereits (vielfach durchaus eher unbemerkt, ohne gleich eine grüne Kampagne draus zu machen…) auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit aufgemacht haben, darin waren sich die TeilnehmerInnen der Frankfurter Podiumsdiskussion “Green Markets – die Zukunft der Ökonomie” weitgehend einig. Veranstalter war das “sustainable designforum come closer” – eine spannende Frankfurter Initiative, u.a. von uns unterstützt.

Zusammen mit Dr. Manuela Rottmann (Stadträtin, Dezernentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Frankfurt), Peter Parwan (Gründer und Betreiber des Portals Lohas.de), Olaf Markhoff (Leiter Unternehmenskommunikation Nike Deutschland) und Lutz Dietzold (Geschäftsführer Hessen Design e.V.) diskutierte ich am 2.9.2010, wie grüne Produkte verkauft werden sollten und wie Engagement im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere von Großkonzernen, zu bewerten ist.

Unknown-1

Vor allem an der Frage, wie “grünes Engagment”  konventioneller Unternehmen einzuordnen ist entzündete sich die Diskussion über die (fließenden) Grenzen von Greenwashing. Auf uns als Triodos Bank kommen immer öfter große Unternehmen zu, die von uns erfahren möchten, “wie Nachhaltigkeit geht” – nach dem Motto “Sie als Triodos Bank machen das doch schon seit 30 Jahren, da wissen Sie doch sicher jede Menge über Nachhaltigkeit.”  Das freut uns. Und nicht in erster Linie weil es ein Kompliment ist, sondern weil wir der Meinung sind, dass wir umso mehr bewegen können, desto mehr mitmachen! Ganz klar haben da große Unternehmen eine enorme Hebelwirkung. Aus diesem Grund nehmen wir an solchen Diskussionen auch gerne teil, weil nur durch einen offenen Austausch wird es am Ende wirklich grüner und nicht nur “grün angestrichen”. 

Was heißt wirklich grüner? Für uns heißt das einfach, dass unsere Wirtschaft in naher Zukunft auf nachhaltigen Geschäftsmodellen basiert. Mit einer Corporate Social Responsibility-Abteilung, die Ihre Broschüren auf Umweltpapier drucken darf ist es einfach nicht getan!

Mir persönlich ist aber noch ein Punkt aus Marketingsicht ganz wichtig: Wo eine Nachfrage ist, ist auch ein Markt – so ist das zunächst einmal theoretisch in unserer Marktwirtschaft. Die Frage, die sich damit ganz zentral stellt und die bisher aus meiner Sicht viel zu wenig diskutiert wurde, ist die nach dem Verhalten der Konsumenten. Wie schaffen wir es, Menschen dazu zu bewegen, in wachsendem Maße nachhaltige Produkte nachzufragen? Ein Beispiel: Wir haben ca. 200.000 Kunden nachhaltiger Banken in Deutschland – das Marktpotenzial wird Studien zufolge aber auf 10-12 Millionen Menschen eingeschätzt. Jetzt stellt Euch einmal vor, was wir alles zum Positiven verändern könnten, wenn diese 12 Millionen Menschen bei nachhaltigen Banken Ihr Geld anlegen würden. Wie viele Windparks, Bio-Bauern, Kindergärten, Schulen, Mehrgenerationenhäuser usw. könnten wir mit diesen Einlagengeldern finanzieren? Ein gigantischer Hebel – nur die Frage bleibt, wie schaffen wir es, dass wir als Gesellschaft diese (nennen wir es einmal) “Veränderungshebel” erst erkennen und dann auch in Bewegung setzen?

Im Englischen gibt es dazu den schönen Begriff des “nudge” – das heißt nichts anderes als anstupsen. Oft ist es vielleicht wirklich nur noch das Anstupsen, das notwendig ist, damit man endlich auf Öko-Strom umsteigt, das Fahrrad wieder in Betrieb nimmt (und man sich damit nebenbei noch bewegt..) oder zu einer nachhaltigen Bank wechselt.

Doch wie funktioniert dieser “nudge”? Wo findet er statt? Wie schaffen wir es, dass der Erkenntnis, eine kluge Entscheidung und schließlich die Umsetzung folgt? Und zwar weil wir wollen – nicht weil es uns verordnet wurde. Ich glaube, darüber sollten wir jetzt einmal mehr reden als über weitere Tausend neue Technologien für einen noch effektiveren Ressourceneinsatz , denn am Ende des Tages sind wir ja schließlich alle Menschen, die diese Technologien anwenden müssen, damit wir was bewegen. Und darum geht es doch, oder?

Nachtrag zur TEDx Konferenz – Der Video!

Montag, 12. Juli 2010

Für alle, die es interessiert, hier noch der Beitrag von Georg Schürmann auf der TEDx Konferenz (siehe auch sein Beitrag hier auf unserem Blog) als Video…

Grüner lesen! Daniel Golemanns “Ökologische Intelligenz”

Montag, 26. April 2010

Golemann

….schon der Untertitel verrät viel von dem, um was es geht in diesem Buch: “Wer umdenkt, lebt besser!”

Daniel Golemann, der Bestseller-Autor von “Emotionale Intelligenz”, erkärt in seinem Buch “Ökologische Intelligenz“, warum “Bio nicht gleich Öko ist” und regionale Lebensmittel von der Öko-Bilanz her immer besser sind als Bio-Produkte, die eingeflogen werden. Er zeigt auf, wo wir wirklich einen Hebel ansetzen können, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern – vielfach ist das tatsächlich eine “unbequeme Wahrheit”. Eines seiner Beispiele: Mit dem Auto zum Flaschen entsorgen und danach damit noch schnell zum Bio-Supermarkt. Das Ergebnis: Keine wesentliche Veränderung des ökologischen Fußabdrucks. Besser ist dagegen: Einfach das Fahrrad nehmen oder einen kleinen Spaziergang damit verbinden (was sowieso plausibel erscheint, wenn man bedenkt – wie mir neulich ein Arzt sagte – dass der Steinzeitmensch noch 8 km täglich lief, während wir heute gerade einmal 800 m pro Tag zurück legen) und dann keine Flugware mit Bio-Label kaufen und vielleicht doch eher zur Milch vom Bauer aus der Region greifen.

Eine von Golemanns wesentlichen Forderungen ist die nach Transparenz, damit wir wirklich wissen, was wir kaufen und damit auch in der Lage sind, ökologisch und sozial nicht verträgliche Produkte einfach links liegen zu lassen (er erwähnt z.B. positiv das Unternehmen Eosta, das auf all seinen Früchten etc. Codes hat, die man online eingeben kann und damit direkt zum Erzeuger gelangt. Eosta wurde übrigens von Triodos bei seiner Gründung finanziert). Damit – so glaubt Golemann – könnten wir tatsächlich das “System Konsum” verändern und nicht zuletzt bestimmen, was produziert wird und was nicht. Und dann könnte man auch von “Systemveränderung” sprechen – die, so Golemann, brauchen wir unbedingt. Nur davor müssen wir es erst einmal verstehen und dazu wiederum muss man natürlich einiges wissen.

Ich fand einen Gedanken von ihm noch sehr interessant. Er ist der Meinung, dass der Klimawandel eigentlich zu langsam geht - zumindest für das, wie das menschliche Gehirn ausgelegt ist. Eigentlich müsste sich der Klimawandel ganz schnell und direkt vor unserer Nase vollziehen, dann - so meint er - würden wir schneller handeln, weil wir den Klimawandel unmittelbar als Bedrohung empfinden würden.

Zum Schluss würde mich noch eines interessieren: Golemann vertritt die These, dass eine vollständige Transparenz über Produkte den Verbraucher dazu bewegen würde, anders zu handeln, bewusst Produkte zu meiden, gar zu boykottieren, die für Mensch und Umwelt negative Auswirkungen mit sich bringen. Ganz unabhängig von der komplexen Frage, wie setze ich eine solche Transparenz für die ganze Waren- und Dienstleistungswelt um, würde mich interessieren, was andere darüber denken.

Würde eine weitestmögliche Transparenz reichen, um uns zum Handeln zu bewegen? Oder müssen wir erst alle zum Nordpol fahren, um dort zu sehen, wie der Lebensraum der Eisbären durch das Schmelzen der Polkappen schwindet? Oder wie mache ich transparent, welche Auswirkungen unser Fleischkonsum (Soja) oder auch Kosmetikkonsum (Palmöl) auf das Abholzen des Regenwaldes hat?

Neulich bei Aarstiderne in Dänemark..

Sonntag, 18. April 2010

Imarken.ashxKürzlich war ich wieder in Dänemark bei der Bio-Firma Aarstiderne. Das heißt übersetzt “Jahreszeiten”. Bei Aarstiderne dreht sich alles ums Bio-Essen, mit viel Spass dabei. Bei unserem Treffen ging es um das Thema Vision und Strategie bis 2020.

Triodos hatte Aarstiderne in 2001 Wachstumskapital zur Verfügung gestellt. Das war in der Zeit, als ich in den Niederlanden bei Triodos  als Fund Manager für Beteiligungskapital gearbeitet habe. Seitdem begleite ich die Firma als Mitglied des Aufsichtsrat und lerne jedes Mal viel über Anbau, Lieferung, Logistik, Kundenwünsche – und Bedürfnisse und natürlich die ganze Organisation drum herum.

LandmandsBlog.ashxAarstiderne liefert heute wöchentlich an mehr als 30.000 Kunden die sogenannte Abo-Kiste – direkt vom Acker vor die Haustüre. Neu dabei sind jetzt auch Stockholm und Hamburg. Bestellt wird per Internet. Der Spass beginnt beim Kochen und Zubereiten. Es gibt zum Beispiel eine meal-box. Sie enthält sämtliche Zutaten, die für das Gericht notwendig sind, mit Gewürzen und Rezept dabei. Oder die Aarstiderne eigene Website Madbio Hier zeigen Kunden und Mitarbeiter, wie man am besten Spargel schält oder Gemüse schneidet. Geleitet wird das Ganze von Annette Hartvig Larsen (siehe links im Bild) und ihrem Team. Insgesamt arbeiten dort 120 Menschen.

Aarstiderne betreibt auch eine eigene biodynamic farm, damit so viel Lebensmittel wie möglich regional produziert werden. Es werden aber auch viele Früchte und andere Produkte weltweit eingekauft. Dabei gilt eine strenge sog. “no-flight-policy” – d.h. nichts wird per Flieger eingeflogen. Dabei kauft Aarstiderne auch in Spanien ein, wo wir ja auch eine Niederlassung der Bank haben.

P1000168Auf dem Photo nebenan sieht man Thomas Harttung, einen der zwei Gründer, zusammen mit mir. Der andere Gründer ist übrigens Koch, so eine Art dänischer Jamie Oliver. Für mich ist die Teilnahme an diesen Sitzungen immer eine grosse Herausforderung und Freude: das Innovationstempo der “Aarstiderner” ist hoch, da muss man mitkommen, will man die Fragestellungen verstehen und beurteilen können. Dabei hilft mir aber mein landwirtschaftlicher Hintergrund. Ich bin auf einem Hof aufgewachsen und habe dort in der Landwirtschaft über viele Jahre Ferienarbeit geleistet. Natürlich hilft auch, dass ich inzwischen viele Firmen von Innen gesehen habe, mit all ihren Fragestellungen und Entwicklungen.

Annette Hartvig Larsen betreibt übrigens ihren eigenen Landwirtschaftsblog mit vielen Photos. Da bekommt man einen guten Eindruck von der Arbeit auf dem Land.

Die Stadt zurück erobern! …von sinnsuchenden Guerilla-Gärtnern und dem Leben ohne Auto.

Montag, 29. März 2010

Schaschlik Magazin Freiburg

Am Wochenende bin ich – in Ermangelung eines Autos, auf das ich bewusst und ohne Entzugserscheinungen verzichte, dank innerstädtischer Wohnung samt Fahrrad :-) – mal wieder Zug gefahren. Mein Fundstück dieses Mal in der DB Mobil eine vielversprechende Überschrift “Neue Lust auf Land-Luft”. Was folgte war ein Artikel rund um das Revival des guten alten Schrebergartens (gerade bei jungen Familien) genauso wie der Begrünung des Stadtgebiets durch “Gartenpiraten“, die mit “Saatbomben” durch die Städte ziehen und diesen dort säen, wo sie finden, dass etwas Grün den grauen Straßenzügen und der Luft gut tun würde.

Die Autorin des Artikels zitiert “Die Zahl der Gärten wächst wie noch nie. In Deutschland gibt es schätzungweise 22 Millionen.”  Und sie liefert auch gleich noch die soziologische Diagnose des Phänomens: “Soziologen sehen die Ursache des Gartenbooms in den Begleiterscheinungen von Globalisierung und Weltwirtschaftskrise: Weil die Welt als unübersichtlich erfahren werde, wachse die Sehnsucht nach vertrauten Werten und das Bewusstsein für Traditionen.” Ich glaube, dass insbesondere der Aspekt der Unmittelbarkeit und der Komplexitätsreduktion auch eine wichtige Rolle spielt. Letztlich geht es auch hier aus meiner Sicht darum, dass ”das Weniger” als “Mehr” empfunden wird. Als eine neue Lebensqualität.

Aber nicht nur diese Bewegung lässt Rückschlüsse zu, dass viel in Bewegung ist. Gleichzeitig findet sich in der Wirtschaftswoche ein Beitrag darüber, dass Daimler, u.a. nach dem erfolgreichen Test mit Smarts (leider noch nicht mit regenerativen Energien angetrieben) im Ulmer Projekt “Car2Go” das Thema Car-Sharing massiv vorantreiben möchte. So formuliert der Artikel:

“Jahrzehntelang war Carsharing etwas für grüne Initiativen und Öko-Vereine. Autobauer betrachteten das Geschäft skeptisch, bei dem sich mehrere Nutzer ein Auto teilen. Doch jetzt müssen die Unternehmen reagieren, denn die meisten Bundesbürger zwischen 14 und 29 Jahren können sich ein Leben ohne Auto durchaus vorstellen, während sie auf Internet und Handy nicht verzichten möchten, so eine Untersuchung des IT-Verbandes Bitkom (WirtschaftsWoche 9/2010). Als Erster der Autobranche prescht nun Daimler vor. Der Konzern will das Geschäft in Metropolen rund um den Globus selbst anbieten. In den nächsten Monaten will er die ersten Städte benennen, in denen er das System einführt. “Wir sprechen mit Stadtverwaltungen Dutzender Millionenstädte”, sagt Projektleiter Robert Henrich. In Europa und Nordamerika will er in den kommenden Jahren Verträge abschließen. Der Manager sieht “einen Milliardenmarkt” und geht davon aus, dass er “eine zweistellige Rendite erwirtschaften” werde.”

Vielleicht brauchen wir irgendwann gar nicht mehr via Car-Sharing in den Schrebergarten rausfahren, sondern wir haben einfach viel weniger Autos und diese an zentralen Verteilstellen in den Städten, betrieben mit sauberer, grüner Energie – und damit mehr Platz für städtische Grünflächen und Bäume. Ansonsten nehmen wir in der “Post Oil City” (so lautete eine Ausstellung dazu im Stuttgarter ifa) genauso unser Fahrrad, das Pedelec oder den öffentlichen Nahverkehr. Unsere Städte und ländlicheren Regionen sind als smart grids intelligent vernetzt  und in den Städten haben wir wieder Platz, um Kinder auf den verkehrsberuhigten, wieder begrünten Straßen spielen zu lassen.  Immer mehr Automobilkonzerne erfinden sich neu und verkaufen in erster Linie  innovative Mobilitätskonzepte,  wie z.B. Car-Sharing (ein gutes Beispiel hierfür ist aus meiner Sicht das Unternehmen Better Place). Gleichzeit verbrauchen wir durch energetisch sanierte Gebäude viel weniger Energie. Und am Wochenende sitzen wir in den Gärten davor, unterhalten uns mit den Nachbarn, genießen die Luft und bepflanzen unsere “community gardens” um die Wette. Das ist ferne Zukunft? Teilweise ja, teilweise nein. Eines ist dabei aber klar, so oder so und das ist die gute Nachricht: WIR machen die Zukunft!

….über das “Ehrlich Gute”

Montag, 15. März 2010

41-08_perspektiv_01

Neulich fand ich in der DB Mobil einen schönen Artikel über die Berliner Designerin Franziska Wodicka, die rund um alte Schubladen herum neue Schränke baut. Das Ergebnis: individuelle Möbel mit ihren ganz eigenen Geschichten dank der Schubladen, die man entweder selbst mitbringt oder sich aus dem Lager von über 800 alten Schubläden die passenden aussucht.

Das ist “Vintage”, “nachhaltig (schön und haltbar)” und noch dazu ein echtes Unikat aus der Manufaktur. Aus meiner Sicht ist z.B. ein solches Unternehmen Ausdruck eines immer stärker werdenden Wunsches nach Einzigartigkeit, Authentizität, nach “echten Produkten”, mit “echten Menschen und deren Geschichten” dahinter. Und nicht zuletzt auch eine Antwort - um Simonetta Carbonaro zu zitieren- auf die “Zuvielisation“, die “Überflussgesellschaft”.

Ich glaube, dass z.B. der Erfolg der Slow-Food Bewegung mehr aussagt, als “nur” die Sensucht nach Lebensmitteln, die “ehrlich gut” sind. Da ist etwas in Bewegung geraten, das längst immer mehr Lebensbereiche erfasst: Wir sehnen uns nach “Unmittelbarkeit”, nach der Auflösung eines “Sinnvakuums”, danach “mehr zu wissen” über ein Produkt und dessen Entstehungsgeschichte – verbunden mit dem Wunsch, so etwas wie das “ehrlich Gute” dabei zu finden. Letztlich ist es sehr einfach: Es ist vielleicht der zutiefst menschliche Wunsch, eine Beziehung zu etwas herzustellen – in der “Multioptionsgesellschaft“.

Und wie sehr dieses Bedürfnis längst nicht mehr nur ein Thema ist für eine ganz kleine gesellschaftliche Gruppe, sieht man aus meiner Sicht sehr gut daran, dass ich einen Artikel über die Designerin Franziska Wodicka in der DB Mobil wiederfinde. Einem Magazin mit einer Auflage von mehreren Hundertausend Exemplaren.

Simonetta Carbonaro hat den Think Tank “The Design of Prosperity” gegründet – einer der Grundgedanken dahinter: einfach weniger, dafür aber besser. Ich glaube auch, es geht tatsächlich darum, zu einer neuen Form von Lebensqualität im Sinne von “qualitativem Reichtum” zu finden.

Mich erinnert das an den berühmte Band von Walter BenjaminDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” – der Gesellschaftstheoretiker und Philosoph gab damals zu bedenken, dass dem Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit seine Aura verloren ginge.

Womit wir wieder bei den Kommoden mit den Schubladen von Franziska Wodicka wären: Industriell zu fertigen sind diese nicht – was immer mehr Menschen an Gegenständen wie diesen zu faszinieren scheint, ist  – so glaube ich – Ihre Aura und die Beziehung, die wir dadurch dazu haben.

95 Fragen goes Schanzenviertel

Dienstag, 16. Februar 2010

Ich kann nur sagen: Chapeau! Gestern war für uns Michaelis Pantelouris – ein von mir sehr geschätzter Journalist, Autor, kreativer Blattmacher (hier gehts lang für alle, die sich für seine Medienproduktion interessieren: Chesley) und Blogger (sein Blog: “print würgt“)  – als Gastreporter im Hamburger Schanzenviertel on tour. Michalis kenne ich noch aus Zeiten des grünen Lifestyle-Magazins IVY.

Die Frage der Woche: “Worüber würden Sie berichten, wenn Sie Zeit in einer Nachrichtensendung bekämen?”. Wir finden: Das passt klasse – eine solche Frage durch einen Journalisten stellen zu lassen.

Die “Fragestellerin” Ina aus Berlin ist übrigens von der Initiative “www.nischenthema.de”- ein sehr spannender Ansatz! Später einmal mehr darüber.

Jetzt seht selbst, was Michalis im Schanzenviertel zusammen mit unserem Filmemacher Helge Thomas für spannende Antworten erhielt. Was ich dabei wieder gelernt habe: Fragt die Leute – ihr erhaltet die relevanten Antworten unserer Zeit. Wir machen weiter, macht mit auf www.95fragen.de! Nächste Woche sind wir in Dresden on air.

Über Carrotmobs und wie wir alle jeden Tag viel bewegen können!

Dienstag, 09. Februar 2010

Und es stimmt doch, da bin ich mir ganz sicher: Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann können Sie das Gesicht der Welt verändern.
Die Bewegung der Carrotmobs ist genau eine solche Bewegung, die uns bewusst macht, welche Veränderungskraft Geldströme haben. Was wir also schon allein mit unserem Geldbeutel beeinflussen können und auch mit dem Geld, dass wir nicht ausgeben, das also auf der Bank liegt.
Mein Thema bei uns ist Marketing und da merke ich oft, dass viele, die schon Bio essen und Öko-Strom haben, sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben, was eigentlich Ihr Geld auf der Bank den lieben langen Tag so macht. Es liegt da ja nicht rum und wartet darauf, wieder von uns abgeholt zu werden. Sondern:  Wir lassen es arbeiten, für was, das entscheidet die jeweilige Bank. Und wir entscheiden uns für oder gegen die Bank. Strategischer Konsum schließt also unser Bankkonto mit ein und wir haben damit gerade beim Klimaschutz eine enorme Hebelwirkung – zum Beispiel bei der CO2-Reduktion, wenn eine Bank nur Erneuerbare Energien finanziert.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig wir darüber nachdenken. Warum hinterfragen wir nicht mehr? Was heißt nachhaltig für ein Unternehmen? Was macht ein Unternehmen konkret?
So betrachtet können wir also alle jeden Tag ganz viel Carrotmob machen – dazu dieser klasse Video der Carrotmob-Bewegung “How organized consumer purchasing can change business!”

Und für alle die glauben, das gibts hier nicht: Dank Christoph Harrach und Noel Klein-Reesink von Karmakonsum und einem engagierten Organisationsteam wurde der Bio-Laden von Achim Andersch im Frankfurter Nordend Carrotmob-Deutschlandmeister! Ich war da und das Video zeigt, dass wir alle unser Bestes gaben.

Gemeinsam etwas bewegen! Internationales Treffen der Geschäftskundenleiter

Freitag, 05. Februar 2010

Aarstiderne

Diese Woche  trafen sich die Leiter der Geschäftskunden-Abteilungen in unserer Zentrale im niederländischen Zeist (das liegt unweit von Utrecht), da ich diesen Bereich für Deutschland, neben meiner Tätigkeit als Geschäftsleiter, verantworte, war ich auch dabei. Die Kollegen kommen aus den fünf Ländern, in denen wir bereits – teils seit über 30 Jahren – Kredite vergeben: Das sind die Niederlande, Belgien, Großbritannien, Spanien und Deutschland. Das Kreditvolumen ist in allen Ländern auch dieses Jahr wieder stark gewachsen. Was das genau heißt, verraten wir Ende Februar, wenn die Zahlen für 2009 offiziell präsentiert werden.

Bei diesen Treffen geht es insbesondere um einen intensiven Erfahrungsaustausch. Es ist sehr bereichernd, zum Beispiel von den niederländischen oder belgischen Kollegen zu hören, wie sie ihre Abteilungen intern organisieren. Das ist tatsächlich in jedem Land anders. Und das sagt wieder etwas aus über unsere Kultur bei Triodos aus, nämlich, dass Triodos kein Konzern ist mit einer einheitlichen, top-down verordneten Organisationsstruktur, sondern, dass jedes Land große Freiheiten hat, sich intern so zu organisieren, wie es zu Landeskultur und den dort arbeitenden Menschen passt.

Ein weiteres Thema war eine eine Sektor-Studie zum Thema soziales Wohnen und gemeinschaftliche Wohnprojekte, die von Triodos-Mitarbeitern erstellt wurde. Es gibt in allen Ländern, in denen Triodos aktiv ist, viele verschiedene solcher engagierten Unternehmen, Vereine, Sozialgemeinschaften und freien Wohngemeinschaften, die sich für gemeinsames Wohnen einsetzen. So zum Beispiel die Ethical Property Company – ein langjähriger Kreditnehmer der britischen Kollegen (in der aktuellen ENORM ist auch ein kurzer Beitrag dazu). Ein besonderer Aspekt dieser Wohnformen ist der Mietpreis, der möglichst unter dem normalen Marktniveau liegen sollte, damit besonders auch diejenigen dort wohnen, die sich eine normale Miete nicht leisten können. Schauen Sie mal hier vorbei. Dort finden Sie sämtliche Kredite, die die Triodos Bank in Großbritannien in soziale Wohnprojekte vergeben hat. Es ist wirklich beeindruckend und es zeigt, was unsere Privatkunden mit Ihrem Geld bei uns bewegen können – denn darum geht es im Kern: Jeder kann etwas bewegen – auch mit seinem Geld, das wir dann in Projekte und Unternehmen wie diese investieren.

P.S. Das Bild oben zeigt einen Teil des Teams von Aarstiderne einem sehr innovativen “Bio-Kisten-Versender”. Als Aufsichtsratmitglied begleite ich dieses spannende dänische Unternehmen schon seit einiger Zeit und jetzt gibt es Aarstiderne auch im deutschen Norden!