Mit ‘Lebensqualität’ getaggte Artikel

Wie leben wir nachhaltig? Eure Meinung ist gefragt!

Mittwoch, 13. Oktober 2010

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Am kommenden Wochenende nehme ich für uns an einem Forschungsworkshop im Piemont in der Citta dell Arte teil, mit dem Titel “Food – Shelter – Clothes”. Das ist eine Initiative von Simonetta Carbonaro, vom Think Tank Design of Prosperity und dem London College of Fashion.

Von Mode ausgehend möchten wir am kommenden Wochenende weg kommen von Diskussionen, die wir alle kennen und, die so oft in die Richtung gehen: “Ja, eigentlich wissen wir, was zu tun ist, aber in der Praxis…..” hin zu ganz konkreten Projekten in Kooperation mit Akteuren der (Mode)industrie, aber auch anderen Konsumgüterherstellern, NGO’s und wissenschaftlichen Institutionen.

Unser Ziel: Alle an einen Tisch bringen, um Projekte anzuschieben, die nachhaltigen Lebensstil in die gesellschaftliche Mitte bringen – es geht uns darum, möglichst viele “Nudges” (also “Anstupser”) hierfür ausfindig zu machen.
So nimmt z.B. Anna Zegna von Ermenegildo Zegna daran teil, genauso wie Elena Schneider von internationalen Netzwerk Terra Madre, das für eine nachhaltige und lokale Lebensmittelproduktion eintritt. Auch Frances Corner, die das London College of Fashion leitet wird dabei sein, genauso wie ein Vertreter der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) oder Ezio Manzini, der international bekannte Experte für nachhaltiges Design. (Hier ein interessantes Video mit ihm zum Thema “Co-farming, Alfred Deakin Innovation Lectures 2009, BMW Center Melbourne.)
In jedem Fall werde ich danach berichten, wie es nun weitergeht, aber für heute habe ich eine Frage an Euch, denn bei soviel Expertenwissen, interessiert mich auch EUER Wissen, das berühmte “Wissen der Vielen”. Ich würde gerne von möglichst vielen ein, zwei Gedanken dazu mitnehmen, was für Euch Nachhaltigkeit heißt und was Ihr als die größte Herausforderung seht auf dem Weg zu einem nachhaltigen Lebensstil für alle? Also, lasst es mich wissen! Ich freue mich.

Rund um grüne Märkte – eine Frankfurter Podiumsdiskussion aus der Reihe “Come Closer”

Freitag, 10. September 2010

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Dass kein Weg mehr am Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft vorbei führt und dass auch Großkonzerne sich bereits (vielfach durchaus eher unbemerkt, ohne gleich eine grüne Kampagne draus zu machen…) auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit aufgemacht haben, darin waren sich die TeilnehmerInnen der Frankfurter Podiumsdiskussion “Green Markets – die Zukunft der Ökonomie” weitgehend einig. Veranstalter war das “sustainable designforum come closer” – eine spannende Frankfurter Initiative, u.a. von uns unterstützt.

Zusammen mit Dr. Manuela Rottmann (Stadträtin, Dezernentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Frankfurt), Peter Parwan (Gründer und Betreiber des Portals Lohas.de), Olaf Markhoff (Leiter Unternehmenskommunikation Nike Deutschland) und Lutz Dietzold (Geschäftsführer Hessen Design e.V.) diskutierte ich am 2.9.2010, wie grüne Produkte verkauft werden sollten und wie Engagement im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere von Großkonzernen, zu bewerten ist.

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Vor allem an der Frage, wie “grünes Engagment”  konventioneller Unternehmen einzuordnen ist entzündete sich die Diskussion über die (fließenden) Grenzen von Greenwashing. Auf uns als Triodos Bank kommen immer öfter große Unternehmen zu, die von uns erfahren möchten, “wie Nachhaltigkeit geht” – nach dem Motto “Sie als Triodos Bank machen das doch schon seit 30 Jahren, da wissen Sie doch sicher jede Menge über Nachhaltigkeit.”  Das freut uns. Und nicht in erster Linie weil es ein Kompliment ist, sondern weil wir der Meinung sind, dass wir umso mehr bewegen können, desto mehr mitmachen! Ganz klar haben da große Unternehmen eine enorme Hebelwirkung. Aus diesem Grund nehmen wir an solchen Diskussionen auch gerne teil, weil nur durch einen offenen Austausch wird es am Ende wirklich grüner und nicht nur “grün angestrichen”. 

Was heißt wirklich grüner? Für uns heißt das einfach, dass unsere Wirtschaft in naher Zukunft auf nachhaltigen Geschäftsmodellen basiert. Mit einer Corporate Social Responsibility-Abteilung, die Ihre Broschüren auf Umweltpapier drucken darf ist es einfach nicht getan!

Mir persönlich ist aber noch ein Punkt aus Marketingsicht ganz wichtig: Wo eine Nachfrage ist, ist auch ein Markt – so ist das zunächst einmal theoretisch in unserer Marktwirtschaft. Die Frage, die sich damit ganz zentral stellt und die bisher aus meiner Sicht viel zu wenig diskutiert wurde, ist die nach dem Verhalten der Konsumenten. Wie schaffen wir es, Menschen dazu zu bewegen, in wachsendem Maße nachhaltige Produkte nachzufragen? Ein Beispiel: Wir haben ca. 200.000 Kunden nachhaltiger Banken in Deutschland – das Marktpotenzial wird Studien zufolge aber auf 10-12 Millionen Menschen eingeschätzt. Jetzt stellt Euch einmal vor, was wir alles zum Positiven verändern könnten, wenn diese 12 Millionen Menschen bei nachhaltigen Banken Ihr Geld anlegen würden. Wie viele Windparks, Bio-Bauern, Kindergärten, Schulen, Mehrgenerationenhäuser usw. könnten wir mit diesen Einlagengeldern finanzieren? Ein gigantischer Hebel – nur die Frage bleibt, wie schaffen wir es, dass wir als Gesellschaft diese (nennen wir es einmal) “Veränderungshebel” erst erkennen und dann auch in Bewegung setzen?

Im Englischen gibt es dazu den schönen Begriff des “nudge” – das heißt nichts anderes als anstupsen. Oft ist es vielleicht wirklich nur noch das Anstupsen, das notwendig ist, damit man endlich auf Öko-Strom umsteigt, das Fahrrad wieder in Betrieb nimmt (und man sich damit nebenbei noch bewegt..) oder zu einer nachhaltigen Bank wechselt.

Doch wie funktioniert dieser “nudge”? Wo findet er statt? Wie schaffen wir es, dass der Erkenntnis, eine kluge Entscheidung und schließlich die Umsetzung folgt? Und zwar weil wir wollen – nicht weil es uns verordnet wurde. Ich glaube, darüber sollten wir jetzt einmal mehr reden als über weitere Tausend neue Technologien für einen noch effektiveren Ressourceneinsatz , denn am Ende des Tages sind wir ja schließlich alle Menschen, die diese Technologien anwenden müssen, damit wir was bewegen. Und darum geht es doch, oder?

Neulich bei Aarstiderne in Dänemark..

Sonntag, 18. April 2010

Imarken.ashxKürzlich war ich wieder in Dänemark bei der Bio-Firma Aarstiderne. Das heißt übersetzt “Jahreszeiten”. Bei Aarstiderne dreht sich alles ums Bio-Essen, mit viel Spass dabei. Bei unserem Treffen ging es um das Thema Vision und Strategie bis 2020.

Triodos hatte Aarstiderne in 2001 Wachstumskapital zur Verfügung gestellt. Das war in der Zeit, als ich in den Niederlanden bei Triodos  als Fund Manager für Beteiligungskapital gearbeitet habe. Seitdem begleite ich die Firma als Mitglied des Aufsichtsrat und lerne jedes Mal viel über Anbau, Lieferung, Logistik, Kundenwünsche – und Bedürfnisse und natürlich die ganze Organisation drum herum.

LandmandsBlog.ashxAarstiderne liefert heute wöchentlich an mehr als 30.000 Kunden die sogenannte Abo-Kiste – direkt vom Acker vor die Haustüre. Neu dabei sind jetzt auch Stockholm und Hamburg. Bestellt wird per Internet. Der Spass beginnt beim Kochen und Zubereiten. Es gibt zum Beispiel eine meal-box. Sie enthält sämtliche Zutaten, die für das Gericht notwendig sind, mit Gewürzen und Rezept dabei. Oder die Aarstiderne eigene Website Madbio Hier zeigen Kunden und Mitarbeiter, wie man am besten Spargel schält oder Gemüse schneidet. Geleitet wird das Ganze von Annette Hartvig Larsen (siehe links im Bild) und ihrem Team. Insgesamt arbeiten dort 120 Menschen.

Aarstiderne betreibt auch eine eigene biodynamic farm, damit so viel Lebensmittel wie möglich regional produziert werden. Es werden aber auch viele Früchte und andere Produkte weltweit eingekauft. Dabei gilt eine strenge sog. “no-flight-policy” – d.h. nichts wird per Flieger eingeflogen. Dabei kauft Aarstiderne auch in Spanien ein, wo wir ja auch eine Niederlassung der Bank haben.

P1000168Auf dem Photo nebenan sieht man Thomas Harttung, einen der zwei Gründer, zusammen mit mir. Der andere Gründer ist übrigens Koch, so eine Art dänischer Jamie Oliver. Für mich ist die Teilnahme an diesen Sitzungen immer eine grosse Herausforderung und Freude: das Innovationstempo der “Aarstiderner” ist hoch, da muss man mitkommen, will man die Fragestellungen verstehen und beurteilen können. Dabei hilft mir aber mein landwirtschaftlicher Hintergrund. Ich bin auf einem Hof aufgewachsen und habe dort in der Landwirtschaft über viele Jahre Ferienarbeit geleistet. Natürlich hilft auch, dass ich inzwischen viele Firmen von Innen gesehen habe, mit all ihren Fragestellungen und Entwicklungen.

Annette Hartvig Larsen betreibt übrigens ihren eigenen Landwirtschaftsblog mit vielen Photos. Da bekommt man einen guten Eindruck von der Arbeit auf dem Land.