Mit ‘Konsum’ getaggte Artikel

Mit der GrünCardPlus Master Card bewusst konsumieren und spenden

Montag, 29. November 2010

Ab dem 1. Dezember werden wir mit der Kreditkarte ein weiteres Produkt für unsere Privatkunden anbieten. Diese Karte bringen wir gemeinsam mit unserem Partner Grünkauf  heraus. Wir verbinden hierfür eine Triodos-MasterCard mit der GrünCard von Grünkauf. Zusammen ergibt das dann die „GrünCardPlus MasterCard“.

Das Konzept von Grünkauf ist dem von payback ähnlich. Es existieren natürlich auch ganz wesentliche Unterschiede. Analog zu payback sammelt der Kunde Punkte beim Kauf mit der GrünCard oder eben unserer neuen Kreditkarte, der GrünCardPlus MasterCard. Die Vorteilspartner von Grünkauf stammen aus dem Bereich des nachhaltigen Konsums. Die Aufnahme eines neuen Vorteilspartners wird durch einen Beirat überwacht.

Darüber hinaus gibt es eine weitere Möglichkeit für Kunden der GrünCard bzw. der GrünCardPlus MasterCard, in zahlreichen Online-Shops Punkte zu sammeln. Diese wurden nicht durch den Beirat geprüft, sondern ergänzen die Vorteilspartner, indem sie in erster Linie Lebensbereiche abdecken, die weitgehend virtuell sind (z.B. Eintrittskarten, Musikdownloads), oder indem sie Unternehmen sind, die Grünkauf als förderungswürdig erachtet, die aber nicht vollständig die strengen Kriterien für Vorteilspartner erfüllen (z.B. bringmirbio.de oder oxfamunverpackt.de).

Mit der GrünCardPlus MasterCard kann der Kunde – im Unterschied zur normalen GrünCard – nun nicht mehr nur bei den Vorteilspartnern oder Online-Shops Punkte sammeln. So werden bei jedem (!) Umsatz, der mit der Kreditkarte GrünCardPlus MasterCard getätigt wird,  Punkte gesammelt. Also auch z.B. beim Kauf von (hoffentlich Bio-)Lebensmitteln, wenn diese mit der Karte bezahlt werden. Hier appellieren wir an das Bewusstsein der Kunden für nachhaltigen Konsum.

Die GrünCard und damit auch die GrünCardPlus MasterCard wollen diesen verantwortungsvollen Konsum mit einer Spendenmöglichkeit verbinden. Denn ein wesentlicher Unterschied zu payback ist die Verwendung der Punkte. Diese sollen in erster Linie an soziale und ökologische Projekte gespendet werden. Der Kreditkarteninhaber kann also bewusst konsumieren und darüber hinaus einen Beitrag für wertvolle Projekte leisten. Ab Mitte 2011 können Karteninhaber die Punkte jedoch auch zum Einkaufen bei Vorteilspartnern verwenden. Grundsätzlich müssen nach EU-Recht die Punkte auf Wunsch auch immer an den Karteninhaber ausgezahlt werden.

Dieses Konzept fanden wir so interessant und unterstützenswert, dass wir uns entschieden haben, Partner von Grünkauf zu werden und ein innovatives nachhaltiges Finanzprodukt zu entwickeln. Bei dieser Entscheidung war für uns auch der Umgang mit dem Datenschutz sehr wichtig. Grünkauf sammelt keine Daten, um diese zu vermarkten. Auch wir werten die Einzelumsätze, die mit der Kreditkarte getätigt werden, nicht aus. Der Datenschutz ist damit für unsere Kunden auf höchstem Niveau gesichert!

Die Kreditkarte ist im ersten Jahr kostenfrei. Jeder kann dieses Produkt also einfach mal ausprobieren. Und zur Begrüßung erhält jeder Karteninhaber 200 Punkte. Ab dem 2. Jahr berechnen wir € 29,- p.a. Sie erhalten dafür jährlich 200 Punkte, die (idealerweise) gespendet werden können. Desweiteren vergüten wir pro € 4, die Sie mit der Karte tätigen, 1 Punkt. Die GrünCardPlus MasterCard ist eine kontounabhängige Kreditkarte – das heißt: Ihr bestehendes Girokonto ist das Referenzkonto. Die Triodos Bank zieht die Umsätze der Kreditkarte von diesem Girokonto über ein automatisch eingerichtetes Kreditkartenkonto bei der Triodos Bank ein. Der Kreditkartenhalter kann auf Wunsch bequem Beträge auf das Kreditkartenkonto bei der Triodos Bank einzahlen und auf diese Weise vom aktuellen Zinssatz des TriodosTagesgelds profitieren.

Wir wollen auch mit diesem neuen Produkt hohe Transparenz und Klarheit leben und orientieren uns bei den Preisen am Markt. Hier noch ein Vergleich mit ähnlichen Produkten:

  GründCardPlus MasterCard GLS-BUND payback
Jahresgebühr 1. Jahr: frei + 200 Punkte € 30,- 1. Jahr: frei
  ab 2.Jahr: € 29,- + 200 Punkte € 30,- ab. 2. Jahr: € 25,-
Umsatz-      
vergütung pro 4€: 1 Punkt 1/3 der Umsatzprov. pro 4€: 1 Punkt
       

Über Feedback zu unserer neuen Kreditkarte GrünCardPlus MasterCard würde ich mich freuen.

Triodos Bank unterstützt den ersten Eco Concept Store der Hauptstadt

Freitag, 12. November 2010

Am 26. November 2010 wird der eco Showroom, der erste Concept Store mit konsequent ökologischer Ausrichtung, in Berlin die Türen öffnen. In der Almstadtstraße 35 in Berlin Mitte wird es dann in einem einzigen Laden hochwertige, ausgesuchte und vor allem nachhaltige Produkte aus dem Bereich Mode, Kosmetik, Wohnen, Lebensmittel etc. geben. Die Personen hinter dem eco Showroom sind Kati Drescher und Nadine Valencic von der Berliner PR Agentur sieben&siebzig. Sie beraten ausschließlich Kunden und Unternehmen, die sich sehr genaue Gedanken über Rohstoffe, Inhaltstoffe, die Verarbeitung und Verbreitung ihrer Produkte machen.

Bereits zweimal hat sieben&siebzig in der Vergangenheit erfolgreich den eco Showroom zur Fashionweek geöffnet, um Kunden aus Mode, Beauty und Food zu präsentieren – allerdings bisher nur für ein Fachpublikum. Die vielen Nachfragen neugieriger Vorbeigeher und der Mangel an einem schönen eco Store in Berlin Mitte haben sieben&siebzig nun dazu bewogen, den Showroom dauerhaft zu öffnen - für Endverbraucher, Shopping-Begeisterte und Touristen – und die Produkte in Zukunft auch zu verkaufen. Es werden Produkte von traditionellen Bio-Unternehmen, aber auch von neuen und unbekannteren ökologisch ausgerichteten Unternehmen angeboten. Und jedes Produkt hat eine kleine Geschichte zu erzählen und steht für Leidenschaft. Marken, die im eco Showroom vertreten sein werden, sind u.a.: Dr. Hauschka, die Modelabels Pyua und Vilde Svaner, Hari Tea und San Floriano.

Und auch die Triodos Bank wird im eco Showroom vertreten sein. Schaut vorbei und besorgt euch Informationen zur Bank und unseren Produkten - lasst euch überraschen, was wir zudem noch in Kooperation mit dem ecoShowroom machen werden, es wird spannend. 

Wir unterstützen den eco Showroom, weil dieses innovative Projekt genau wie wir Nachhaltigkeit als allumfassenden  Lebensansatz versteht und dies – wenn auch im kleinen – propagiert. Wir freuen uns, dabei zu sein und wünschen dem eco Showroom die Aufmerksamkeit, die er jetzt schon verdient.

Unseren Zinssatz für das TriodosTagesgeld Privatkunden haben wir gesenkt – warum schreibe ich hier”

Donnerstag, 05. August 2010

 tagesgeld

Zum 1. August haben wir den Zinssatz unseres TriodosTagesgeld für Privatkunden von 1,5% p.a. auf 1,3% p.a. gesenkt. Gerne möchte ich erläutern, was uns zu diesem Schritt bewegt hat und wie unser Produkt im Vergleich zu anderen Nachhaltigkeitsbanken und traditionellen Online-Banken steht.

Mir ist wichtig, dass wir auch bei unserer Zins- und Preisgestaltung transparent und fair sind. Ich möchte, dass wir für unsere Kunden ein verlässlicher Partner sind. Der Zins für unser Tagesgeld orientiert sich am Marktdurchschnitt. Diesen durchschnittlichen Marktzins kann sich jeder Verbraucher tagesaktuell unter fmh.de anschauen.
Dieser Satz lag Ende Juli bei 1,08% p.a. und damit deutlich unter unseren 1,5% p.a. Mit diesem Zinssatz sind wir bereits zu unserer Eröffnung im Dezember 2009 gestartet. Natürlich wollten wir diesen Satz so lange wie möglich beibehalten, um Irritation durch ständige Zinsanpassungen bei Interessenten und Neukunden zu vermeiden. Der Marktzins ist allerdings seit Ende letzten Jahres ständig gefallen. Nun war der Abstand so groß geworden, dass wir handeln mussten.

Zur Nachhaltigkeit gehören eben Umwelt, Soziales UND Wirtschaft. Dies bedeutet, dass es sich keine Bank auf Dauer leisten kann, deutlich über dem Markt liegende Zinssätze zu bezahlen, wenn sie auch wirtschaftlich erfolgreich sein will. Solche hohen Zinssätze werden entweder aus dem Marketingbudget bezahlt oder mit einer risikoreichen Kredit- und Anlagepolitik finanziert. Beides ist aus meiner Sicht wirtschaftlich nicht nachhaltig.
Natürlich möchten wir unseren Kunden ein Top-Produkt liefern, welches sich mit dem Wettbewerb messen kann. Hier eine Übersicht von anderen relevanten Marktteilnehmern:

 

Vergleich Tagesgeldkonten von Anbietern in Deutschland    
           
           
Anbieter Triodos Bank GLS Bank Umweltbank ING-Diba Comdirect
           
aktueller Zinssatz p.a. 1,30% 1,00% 1,25% Standartsatz: 1,30%  ab € 5000: 1,0% 
keine Mindestanlage ja nein nein ja ja
einheitlicher Zinssatz ja ja ja nein nein
Transparenz über Ver-wendung der Einlagen ja ja nein nein nein
Mittelverwendung nur im öko-sozialen Bereich ja ja ja nein nein

     
Natürlich findet man im Markt auch Angebote mit deutlich höheren Zinsen. Diese sind aber meist nur für Neukunden oder werden mit risikoreicher Kreditpolitik erzielt und richten sich an “Zinshopper”. Wir möchten auch in Zukunft bei unseren Produkten transparent sein und faire Preise bieten.

Grüner lesen! Daniel Golemanns “Ökologische Intelligenz”

Montag, 26. April 2010

Golemann

….schon der Untertitel verrät viel von dem, um was es geht in diesem Buch: “Wer umdenkt, lebt besser!”

Daniel Golemann, der Bestseller-Autor von “Emotionale Intelligenz”, erkärt in seinem Buch “Ökologische Intelligenz“, warum “Bio nicht gleich Öko ist” und regionale Lebensmittel von der Öko-Bilanz her immer besser sind als Bio-Produkte, die eingeflogen werden. Er zeigt auf, wo wir wirklich einen Hebel ansetzen können, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern – vielfach ist das tatsächlich eine “unbequeme Wahrheit”. Eines seiner Beispiele: Mit dem Auto zum Flaschen entsorgen und danach damit noch schnell zum Bio-Supermarkt. Das Ergebnis: Keine wesentliche Veränderung des ökologischen Fußabdrucks. Besser ist dagegen: Einfach das Fahrrad nehmen oder einen kleinen Spaziergang damit verbinden (was sowieso plausibel erscheint, wenn man bedenkt – wie mir neulich ein Arzt sagte – dass der Steinzeitmensch noch 8 km täglich lief, während wir heute gerade einmal 800 m pro Tag zurück legen) und dann keine Flugware mit Bio-Label kaufen und vielleicht doch eher zur Milch vom Bauer aus der Region greifen.

Eine von Golemanns wesentlichen Forderungen ist die nach Transparenz, damit wir wirklich wissen, was wir kaufen und damit auch in der Lage sind, ökologisch und sozial nicht verträgliche Produkte einfach links liegen zu lassen (er erwähnt z.B. positiv das Unternehmen Eosta, das auf all seinen Früchten etc. Codes hat, die man online eingeben kann und damit direkt zum Erzeuger gelangt. Eosta wurde übrigens von Triodos bei seiner Gründung finanziert). Damit – so glaubt Golemann – könnten wir tatsächlich das “System Konsum” verändern und nicht zuletzt bestimmen, was produziert wird und was nicht. Und dann könnte man auch von “Systemveränderung” sprechen – die, so Golemann, brauchen wir unbedingt. Nur davor müssen wir es erst einmal verstehen und dazu wiederum muss man natürlich einiges wissen.

Ich fand einen Gedanken von ihm noch sehr interessant. Er ist der Meinung, dass der Klimawandel eigentlich zu langsam geht - zumindest für das, wie das menschliche Gehirn ausgelegt ist. Eigentlich müsste sich der Klimawandel ganz schnell und direkt vor unserer Nase vollziehen, dann - so meint er - würden wir schneller handeln, weil wir den Klimawandel unmittelbar als Bedrohung empfinden würden.

Zum Schluss würde mich noch eines interessieren: Golemann vertritt die These, dass eine vollständige Transparenz über Produkte den Verbraucher dazu bewegen würde, anders zu handeln, bewusst Produkte zu meiden, gar zu boykottieren, die für Mensch und Umwelt negative Auswirkungen mit sich bringen. Ganz unabhängig von der komplexen Frage, wie setze ich eine solche Transparenz für die ganze Waren- und Dienstleistungswelt um, würde mich interessieren, was andere darüber denken.

Würde eine weitestmögliche Transparenz reichen, um uns zum Handeln zu bewegen? Oder müssen wir erst alle zum Nordpol fahren, um dort zu sehen, wie der Lebensraum der Eisbären durch das Schmelzen der Polkappen schwindet? Oder wie mache ich transparent, welche Auswirkungen unser Fleischkonsum (Soja) oder auch Kosmetikkonsum (Palmöl) auf das Abholzen des Regenwaldes hat?

Neulich bei Aarstiderne in Dänemark..

Sonntag, 18. April 2010

Imarken.ashxKürzlich war ich wieder in Dänemark bei der Bio-Firma Aarstiderne. Das heißt übersetzt “Jahreszeiten”. Bei Aarstiderne dreht sich alles ums Bio-Essen, mit viel Spass dabei. Bei unserem Treffen ging es um das Thema Vision und Strategie bis 2020.

Triodos hatte Aarstiderne in 2001 Wachstumskapital zur Verfügung gestellt. Das war in der Zeit, als ich in den Niederlanden bei Triodos  als Fund Manager für Beteiligungskapital gearbeitet habe. Seitdem begleite ich die Firma als Mitglied des Aufsichtsrat und lerne jedes Mal viel über Anbau, Lieferung, Logistik, Kundenwünsche – und Bedürfnisse und natürlich die ganze Organisation drum herum.

LandmandsBlog.ashxAarstiderne liefert heute wöchentlich an mehr als 30.000 Kunden die sogenannte Abo-Kiste – direkt vom Acker vor die Haustüre. Neu dabei sind jetzt auch Stockholm und Hamburg. Bestellt wird per Internet. Der Spass beginnt beim Kochen und Zubereiten. Es gibt zum Beispiel eine meal-box. Sie enthält sämtliche Zutaten, die für das Gericht notwendig sind, mit Gewürzen und Rezept dabei. Oder die Aarstiderne eigene Website Madbio Hier zeigen Kunden und Mitarbeiter, wie man am besten Spargel schält oder Gemüse schneidet. Geleitet wird das Ganze von Annette Hartvig Larsen (siehe links im Bild) und ihrem Team. Insgesamt arbeiten dort 120 Menschen.

Aarstiderne betreibt auch eine eigene biodynamic farm, damit so viel Lebensmittel wie möglich regional produziert werden. Es werden aber auch viele Früchte und andere Produkte weltweit eingekauft. Dabei gilt eine strenge sog. “no-flight-policy” – d.h. nichts wird per Flieger eingeflogen. Dabei kauft Aarstiderne auch in Spanien ein, wo wir ja auch eine Niederlassung der Bank haben.

P1000168Auf dem Photo nebenan sieht man Thomas Harttung, einen der zwei Gründer, zusammen mit mir. Der andere Gründer ist übrigens Koch, so eine Art dänischer Jamie Oliver. Für mich ist die Teilnahme an diesen Sitzungen immer eine grosse Herausforderung und Freude: das Innovationstempo der “Aarstiderner” ist hoch, da muss man mitkommen, will man die Fragestellungen verstehen und beurteilen können. Dabei hilft mir aber mein landwirtschaftlicher Hintergrund. Ich bin auf einem Hof aufgewachsen und habe dort in der Landwirtschaft über viele Jahre Ferienarbeit geleistet. Natürlich hilft auch, dass ich inzwischen viele Firmen von Innen gesehen habe, mit all ihren Fragestellungen und Entwicklungen.

Annette Hartvig Larsen betreibt übrigens ihren eigenen Landwirtschaftsblog mit vielen Photos. Da bekommt man einen guten Eindruck von der Arbeit auf dem Land.

….über das “Ehrlich Gute”

Montag, 15. März 2010

41-08_perspektiv_01

Neulich fand ich in der DB Mobil einen schönen Artikel über die Berliner Designerin Franziska Wodicka, die rund um alte Schubladen herum neue Schränke baut. Das Ergebnis: individuelle Möbel mit ihren ganz eigenen Geschichten dank der Schubladen, die man entweder selbst mitbringt oder sich aus dem Lager von über 800 alten Schubläden die passenden aussucht.

Das ist “Vintage”, “nachhaltig (schön und haltbar)” und noch dazu ein echtes Unikat aus der Manufaktur. Aus meiner Sicht ist z.B. ein solches Unternehmen Ausdruck eines immer stärker werdenden Wunsches nach Einzigartigkeit, Authentizität, nach “echten Produkten”, mit “echten Menschen und deren Geschichten” dahinter. Und nicht zuletzt auch eine Antwort - um Simonetta Carbonaro zu zitieren- auf die “Zuvielisation“, die “Überflussgesellschaft”.

Ich glaube, dass z.B. der Erfolg der Slow-Food Bewegung mehr aussagt, als “nur” die Sensucht nach Lebensmitteln, die “ehrlich gut” sind. Da ist etwas in Bewegung geraten, das längst immer mehr Lebensbereiche erfasst: Wir sehnen uns nach “Unmittelbarkeit”, nach der Auflösung eines “Sinnvakuums”, danach “mehr zu wissen” über ein Produkt und dessen Entstehungsgeschichte – verbunden mit dem Wunsch, so etwas wie das “ehrlich Gute” dabei zu finden. Letztlich ist es sehr einfach: Es ist vielleicht der zutiefst menschliche Wunsch, eine Beziehung zu etwas herzustellen – in der “Multioptionsgesellschaft“.

Und wie sehr dieses Bedürfnis längst nicht mehr nur ein Thema ist für eine ganz kleine gesellschaftliche Gruppe, sieht man aus meiner Sicht sehr gut daran, dass ich einen Artikel über die Designerin Franziska Wodicka in der DB Mobil wiederfinde. Einem Magazin mit einer Auflage von mehreren Hundertausend Exemplaren.

Simonetta Carbonaro hat den Think Tank “The Design of Prosperity” gegründet – einer der Grundgedanken dahinter: einfach weniger, dafür aber besser. Ich glaube auch, es geht tatsächlich darum, zu einer neuen Form von Lebensqualität im Sinne von “qualitativem Reichtum” zu finden.

Mich erinnert das an den berühmte Band von Walter BenjaminDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” – der Gesellschaftstheoretiker und Philosoph gab damals zu bedenken, dass dem Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit seine Aura verloren ginge.

Womit wir wieder bei den Kommoden mit den Schubladen von Franziska Wodicka wären: Industriell zu fertigen sind diese nicht – was immer mehr Menschen an Gegenständen wie diesen zu faszinieren scheint, ist  – so glaube ich – Ihre Aura und die Beziehung, die wir dadurch dazu haben.

Über Carrotmobs und wie wir alle jeden Tag viel bewegen können!

Dienstag, 09. Februar 2010

Und es stimmt doch, da bin ich mir ganz sicher: Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann können Sie das Gesicht der Welt verändern.
Die Bewegung der Carrotmobs ist genau eine solche Bewegung, die uns bewusst macht, welche Veränderungskraft Geldströme haben. Was wir also schon allein mit unserem Geldbeutel beeinflussen können und auch mit dem Geld, dass wir nicht ausgeben, das also auf der Bank liegt.
Mein Thema bei uns ist Marketing und da merke ich oft, dass viele, die schon Bio essen und Öko-Strom haben, sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben, was eigentlich Ihr Geld auf der Bank den lieben langen Tag so macht. Es liegt da ja nicht rum und wartet darauf, wieder von uns abgeholt zu werden. Sondern:  Wir lassen es arbeiten, für was, das entscheidet die jeweilige Bank. Und wir entscheiden uns für oder gegen die Bank. Strategischer Konsum schließt also unser Bankkonto mit ein und wir haben damit gerade beim Klimaschutz eine enorme Hebelwirkung – zum Beispiel bei der CO2-Reduktion, wenn eine Bank nur Erneuerbare Energien finanziert.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig wir darüber nachdenken. Warum hinterfragen wir nicht mehr? Was heißt nachhaltig für ein Unternehmen? Was macht ein Unternehmen konkret?
So betrachtet können wir also alle jeden Tag ganz viel Carrotmob machen – dazu dieser klasse Video der Carrotmob-Bewegung “How organized consumer purchasing can change business!”

Und für alle die glauben, das gibts hier nicht: Dank Christoph Harrach und Noel Klein-Reesink von Karmakonsum und einem engagierten Organisationsteam wurde der Bio-Laden von Achim Andersch im Frankfurter Nordend Carrotmob-Deutschlandmeister! Ich war da und das Video zeigt, dass wir alle unser Bestes gaben.

Zurück zur Natur im Slow Life?

Montag, 18. Januar 2010

green_fashionparty

Grüne Themen sind unübersehbar in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Erst entdeckten wir “Bio-Food”, dann rückte Öko-Strom ins Bewusstsein und nun etabliert sich auch der “Green-Fashion-Markt” (wen es interessiert, “Pflichtlektüre” dazu ist der Blog von Kirsten Brodde, diese Woche trifft sich die Welt grüner Mode und nachhaltigen Lebensstils auf der “THEKEY.TO”, Stefanie Erhardt und ich werden auch da sein).  Und für die, die auch im Urlaub nicht ohne Bio sein möchten, gibt es zum Beispiel mit den Bio-Hotels entsprechend schöne Destinationen. Wer autolos in die Alpen reisen will, findet bei den Mitgliedsorten der “Alpine Pearls” immer mehr Angebote.

Plötzlich stand also fast überall “Bio” und “nachhaltig” drauf. Wegweiser durch diesen Produktdschungel mussten her und damit begann auch der “Aufstieg” der Zertifizierungen und Siegel – allen voran das neue “Bio-EG Öko-Siegel” bis hin zu deutlich mehr Aufmerksamkeit für die schon jahrzehntealten Verbände, wie Bioland und Demeter, oder das “OK-Power Label” bei Öko-Strom.

Eine Studie des Schweizer Gottlieb Duttweiler Instituts im Auftrag von Pro Natura mit dem Titel “Die Zukunft der Natur” fasst diese Entwicklung und die möglichen Konsequenzen für das Thema Nachhaltigkeit – wie ich finde - sehr treffend zusammen: “Der Erfolg des Nachhaltigkeitskonzeptes birgt die Gefahr, dass Kunden und Unternehmen sich wieder von ihm abwenden: Erstens wegen des drohenden Informationsoverkills der Konsumenten. Zweitens weil das einzelne Unternehmen sich immer weniger durch Nachhaltigkeit von seinen Konkurrenten abheben kann, wenn immer mehr Firmen auf diese Strategie setzen.”

Aus meiner Sicht gibt es hier jedoch zwei ganz zentrale Unterschiede: Verfolge ich als Unternehmen eine “ergrünte Marketingstrategie” für mehr oder weniger konventionell produzierte Ware oder mache ich als Unternehmen wirklich einen Unterschied - mit einem “nachhaltigen Geschäftsmodell”?

Nicole Lüdi, die Autorin der Studie, fasst das zusammen: “Ökologische Nachhaltigkeit wird in den reichen westlichen Gesellschaften bei den Mainstreamkonsumenten zu einem Leitwert. Dieser Wert zielt darauf ab, die Natur für folgenden Generationen zu erhalten, und fordert darum einen schonenden Umgang mit ihr. Was Nachhaltigekeit in der Umsetzung konkret bedeutet, wird in verschiedenen Konzepten unterschiedlich beantwortet.  Beispielsweise propagieren die einen die Reduktion oder gar den Verzicht auf Konsum. Andere setzen auf intelligente Produkte, die ressourcenschonend produziert werden oder vollständig ökologisch abbaubar sind.” (Lesetipp dazu von mir “Die nächste industrielle Revolution” (Braungart) zum Cradle to Cradle Prinzip). Doch was setzt sich durch? Nicole Lüdi merkt auch an, “nachhaltig, ökologisch, biologisch, grün – Konsumenten können diese Begriffe kaum noch voneinander abgrenzen”. Und sie fügt hinzu, dass die Verbreitung des Begriffs der Nachhaltigkeit nicht automatisch mit nachhaltigem Verhalten verbunden sein wird. Das bleibt abzuwarten.

Aus meiner Sicht ist nur eines klar, es wird im gesamten Nachhaltigkeitsbereich eine Entwicklung geben, die am einen Ende “echt nachhaltig” anbietet und am anderen Ende “etwas nachhaltig” . Besagte Studie meint dazu: “Am einen Ende des Spektrums werden dann in Nischenmärkten hochpreisige Produkte angeboten, die konsequent nachhaltig produziert wurden und durch einwandfreie Qualität, gutes Design und einen hohen Wert bestechen. (…) Am anderen Ende des Spektrums werden vermehrt Anbieter auf den grünen Markt drängen, die nach dem Prinzip der Profitopimierung funktionieren und Massenproduktion betreiben. Nachhaltigkeit ist für sie ein Aspekt des Marketings respektive ein Mittel zur Gewinnsteigerung.”

…und dazwischen wird es noch mehr unterschiedliche Angebote in unterschiedlichen “Graustufen” geben als bisher. In welche Richtung sich der Markt entwickelt, liegt am Verbraucher, der mit wachsendem Marktangebot nicht umher kommt, sich zu informieren und zu hinterfragen. Wie sich der Nachhaltigkeitsmarkt insgesamt entwickeln wird, lässt sich z.B. anhand von Kampagnen, wie der zu “Echt bio” oder der spannenden Entwicklung der Slow Food Bewegung erahnen. Aus meiner Sicht wird es in Zukunft weniger um “ob nachhaltig” gehen,  sondern um “wie viel nachhaltig” gehen. Und dahinter steht letztlich der Wunsch “nach dem guten Leben”, was auch immer der Einzelne damit verbinden möge…. Nicht umsonst folgt dem Slow Food gerade Slow Fashion (siehe auch z.B. der österreichische Slow Fashion Award) und es gibt bereits die ersten Konferenzen zu Slow Life….

“Geist ist geil” und heraus aus der “Zuvielisation”

Mittwoch, 02. Dezember 2009

Simonetta Carbonaro meint: “das Wir-Gefühl, dass wir im Moment spüren, kommt aus der Angst. Das ist einerseits eine eher passive Angst – Angst, sein Geld zu verlieren, sozial abzusteigen, vor dem Nachbarn um die Ecke, der anders aussieht.” Es gibt aber auch noch eine andere Angst-Reaktion. Diese aktive Form Angst zu begegnen sieht sie z.B. in Co-housing Projekten, aber auch Projekten gemeinsamer Stadtbegrünung, wo sich Menschen einfach zusammen schließen. Neue Wege gehen, jenseits etablierter Strukturen. Plötzlich ist da vielmehr “Geist ist geil”.

Michael Best ist der Meinung, dass Geld in Unternehmen fließen muss, die jetzt schon “Schrittmacher” sind und auch in große Unternehmen, die das noch nicht sind, sich aber auf den Weg dahin begeben haben.  Sie müssen auf dem Weg dahin unterstützt werden.

Unser CEO, Peter Blom, weist darauf hin, dass viele Menschen die aktuelle Krise sehr abstrakt auf einer Ebene sehen, die mit ihnen nichts zu tun hat. “Die Politik und die Banken zusammen werden es nicht ändern. Wir brauchen mehr Bewusstsein bei den Sparern, dass sie es sind, die den Banken das Geld leihen.”

Damit wäre wir also wieder beim Hebel strategischer Konsum und damit auch bei Simonetta Carbonaro, die Formen aufzeigt, wie Menschen aktiv gestalten und sich selbst als aktiven Teil der Gesellschaft begreifen. Frau Carbonaro sieht eine große Chance im “weniger ist mehr” bei grünem Konsum, d.h. sie meint, dass es nicht darum gehen kann einfach konventionelle Produkte durch die gleichen grünen Produkte abzulösen. Ihrer Meinung nach geht es darum, dass wir weniger konsumieren, heraus aus der “Zuvielisation”, aber das qualitativ hochwertiger – zum Beispiel aus Fairtrade-Produktion oder vom Bauer um die Ecke. Ein Zuhörer erinnert – wie ich finde sehr passend – in diesem Zusammenhang an einen Artikel von Wolfang Uchatius, “Wir könnten auch anders.” Ich erinnere mich an den Beitrag, in der Tat sehr lesenswert.

Da schließt sich der Kreis zu Otto Scharmer, der sagt: Die ökonomische Krise ist letztendlich eine Krise unserer Werthaltungen und Martin Lees verweist darauf, dass wir aus vielen Krisen lernen können und es dann nochmal versuchen können – aber nicht beim Klimawandel!