Mit ‘Klimawandel’ getaggte Artikel

Rund um grüne Märkte – eine Frankfurter Podiumsdiskussion aus der Reihe “Come Closer”

Freitag, 10. September 2010

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Dass kein Weg mehr am Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft vorbei führt und dass auch Großkonzerne sich bereits (vielfach durchaus eher unbemerkt, ohne gleich eine grüne Kampagne draus zu machen…) auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit aufgemacht haben, darin waren sich die TeilnehmerInnen der Frankfurter Podiumsdiskussion “Green Markets – die Zukunft der Ökonomie” weitgehend einig. Veranstalter war das “sustainable designforum come closer” – eine spannende Frankfurter Initiative, u.a. von uns unterstützt.

Zusammen mit Dr. Manuela Rottmann (Stadträtin, Dezernentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Frankfurt), Peter Parwan (Gründer und Betreiber des Portals Lohas.de), Olaf Markhoff (Leiter Unternehmenskommunikation Nike Deutschland) und Lutz Dietzold (Geschäftsführer Hessen Design e.V.) diskutierte ich am 2.9.2010, wie grüne Produkte verkauft werden sollten und wie Engagement im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere von Großkonzernen, zu bewerten ist.

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Vor allem an der Frage, wie “grünes Engagment”  konventioneller Unternehmen einzuordnen ist entzündete sich die Diskussion über die (fließenden) Grenzen von Greenwashing. Auf uns als Triodos Bank kommen immer öfter große Unternehmen zu, die von uns erfahren möchten, “wie Nachhaltigkeit geht” – nach dem Motto “Sie als Triodos Bank machen das doch schon seit 30 Jahren, da wissen Sie doch sicher jede Menge über Nachhaltigkeit.”  Das freut uns. Und nicht in erster Linie weil es ein Kompliment ist, sondern weil wir der Meinung sind, dass wir umso mehr bewegen können, desto mehr mitmachen! Ganz klar haben da große Unternehmen eine enorme Hebelwirkung. Aus diesem Grund nehmen wir an solchen Diskussionen auch gerne teil, weil nur durch einen offenen Austausch wird es am Ende wirklich grüner und nicht nur “grün angestrichen”. 

Was heißt wirklich grüner? Für uns heißt das einfach, dass unsere Wirtschaft in naher Zukunft auf nachhaltigen Geschäftsmodellen basiert. Mit einer Corporate Social Responsibility-Abteilung, die Ihre Broschüren auf Umweltpapier drucken darf ist es einfach nicht getan!

Mir persönlich ist aber noch ein Punkt aus Marketingsicht ganz wichtig: Wo eine Nachfrage ist, ist auch ein Markt – so ist das zunächst einmal theoretisch in unserer Marktwirtschaft. Die Frage, die sich damit ganz zentral stellt und die bisher aus meiner Sicht viel zu wenig diskutiert wurde, ist die nach dem Verhalten der Konsumenten. Wie schaffen wir es, Menschen dazu zu bewegen, in wachsendem Maße nachhaltige Produkte nachzufragen? Ein Beispiel: Wir haben ca. 200.000 Kunden nachhaltiger Banken in Deutschland – das Marktpotenzial wird Studien zufolge aber auf 10-12 Millionen Menschen eingeschätzt. Jetzt stellt Euch einmal vor, was wir alles zum Positiven verändern könnten, wenn diese 12 Millionen Menschen bei nachhaltigen Banken Ihr Geld anlegen würden. Wie viele Windparks, Bio-Bauern, Kindergärten, Schulen, Mehrgenerationenhäuser usw. könnten wir mit diesen Einlagengeldern finanzieren? Ein gigantischer Hebel – nur die Frage bleibt, wie schaffen wir es, dass wir als Gesellschaft diese (nennen wir es einmal) “Veränderungshebel” erst erkennen und dann auch in Bewegung setzen?

Im Englischen gibt es dazu den schönen Begriff des “nudge” – das heißt nichts anderes als anstupsen. Oft ist es vielleicht wirklich nur noch das Anstupsen, das notwendig ist, damit man endlich auf Öko-Strom umsteigt, das Fahrrad wieder in Betrieb nimmt (und man sich damit nebenbei noch bewegt..) oder zu einer nachhaltigen Bank wechselt.

Doch wie funktioniert dieser “nudge”? Wo findet er statt? Wie schaffen wir es, dass der Erkenntnis, eine kluge Entscheidung und schließlich die Umsetzung folgt? Und zwar weil wir wollen – nicht weil es uns verordnet wurde. Ich glaube, darüber sollten wir jetzt einmal mehr reden als über weitere Tausend neue Technologien für einen noch effektiveren Ressourceneinsatz , denn am Ende des Tages sind wir ja schließlich alle Menschen, die diese Technologien anwenden müssen, damit wir was bewegen. Und darum geht es doch, oder?

Erneuerbare Energien zurück auf der Agenda

Mittwoch, 09. Juni 2010

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Erneuerbare Energien sind zurück auf der Agenda. Nach dem Scheitern von Kopenhagen und teils erneut lauter werdender, allgemeiner Skepsis über einen Klimawandel bzw. einem Mensch-gemachten Klimawandel, finden sich die Erneuerbaren Energien wieder oben auf den Titelseiten verschiedener Fachblätter und in den Tageszeitungen.

Das Fachblatt neue energie gibt ihrer Juni-Ausgabe den Titel „Zurück in die Zukunft: 0% CO2. 100% Erneuerbare. Europas Energieversorgung im Jahr 2050.“

Die Wirtschaftswoche hat aktuell den Titel „Atom gegen Solar“. Das Magazin argumentiert erwartungsgemäß für den Abbau von Subventionen bei den Erneuerbaren Energien und für Atomenergie als Brücke hin zu 100% Erneuerbare Energien.

neue energie hält dagegen und schreibt: „Die Menschheit muss zur Sonne zurückkehren.“ Das Ziel 100% Erneuerbare bis 2050 ist erreichbar. Den Weg dahin und die Kosten zeigt die Studie „Roadmap 2050“ der European Climate Foundation (ECF). In ihr werden die Kosten verschiedener Szenarien gerechnet: eines mit 40%, eines mit 60% und eines mit 100% Erneuerbaren.

Die große Herausforderung des Umbaus liegt aber gar nicht so sehr in den Kosten oder der Technologie, sondern in der Infrastruktur, zum Beispiel dem Netzausbau. Hier sind lange Vorlaufzeiten notwendig. Es ist eine politische und regulatorische Herausforderung. Die Herausforderung und Chance, miteinander lokal und global zu kooperieren!

Eines ist klar: die Weichen für den energiepolitischen Umbau müssen in den nächsten 3-5 Jahren gestellt werden. Hierzu wird auch die Triodos Bank ihren Beitrag leisten. Bis heute haben wir mehr als 280 erneuerbare Energieprojekte in Europa finanziert. Damit werden mehr als 630.000 Haushalte mit Strom versorgt und ca. 800.000t CO2 Emission pro Jahr eingespart.

Wir werden diesen Weg fortsetzen und unsere Kreditvergabe im Bereich der Erneuerbaren Energien  in den nächsten Jahren erheblich verstärken.

Grüner lesen! Daniel Golemanns “Ökologische Intelligenz”

Montag, 26. April 2010

Golemann

….schon der Untertitel verrät viel von dem, um was es geht in diesem Buch: “Wer umdenkt, lebt besser!”

Daniel Golemann, der Bestseller-Autor von “Emotionale Intelligenz”, erkärt in seinem Buch “Ökologische Intelligenz“, warum “Bio nicht gleich Öko ist” und regionale Lebensmittel von der Öko-Bilanz her immer besser sind als Bio-Produkte, die eingeflogen werden. Er zeigt auf, wo wir wirklich einen Hebel ansetzen können, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern – vielfach ist das tatsächlich eine “unbequeme Wahrheit”. Eines seiner Beispiele: Mit dem Auto zum Flaschen entsorgen und danach damit noch schnell zum Bio-Supermarkt. Das Ergebnis: Keine wesentliche Veränderung des ökologischen Fußabdrucks. Besser ist dagegen: Einfach das Fahrrad nehmen oder einen kleinen Spaziergang damit verbinden (was sowieso plausibel erscheint, wenn man bedenkt – wie mir neulich ein Arzt sagte – dass der Steinzeitmensch noch 8 km täglich lief, während wir heute gerade einmal 800 m pro Tag zurück legen) und dann keine Flugware mit Bio-Label kaufen und vielleicht doch eher zur Milch vom Bauer aus der Region greifen.

Eine von Golemanns wesentlichen Forderungen ist die nach Transparenz, damit wir wirklich wissen, was wir kaufen und damit auch in der Lage sind, ökologisch und sozial nicht verträgliche Produkte einfach links liegen zu lassen (er erwähnt z.B. positiv das Unternehmen Eosta, das auf all seinen Früchten etc. Codes hat, die man online eingeben kann und damit direkt zum Erzeuger gelangt. Eosta wurde übrigens von Triodos bei seiner Gründung finanziert). Damit – so glaubt Golemann – könnten wir tatsächlich das “System Konsum” verändern und nicht zuletzt bestimmen, was produziert wird und was nicht. Und dann könnte man auch von “Systemveränderung” sprechen – die, so Golemann, brauchen wir unbedingt. Nur davor müssen wir es erst einmal verstehen und dazu wiederum muss man natürlich einiges wissen.

Ich fand einen Gedanken von ihm noch sehr interessant. Er ist der Meinung, dass der Klimawandel eigentlich zu langsam geht - zumindest für das, wie das menschliche Gehirn ausgelegt ist. Eigentlich müsste sich der Klimawandel ganz schnell und direkt vor unserer Nase vollziehen, dann - so meint er - würden wir schneller handeln, weil wir den Klimawandel unmittelbar als Bedrohung empfinden würden.

Zum Schluss würde mich noch eines interessieren: Golemann vertritt die These, dass eine vollständige Transparenz über Produkte den Verbraucher dazu bewegen würde, anders zu handeln, bewusst Produkte zu meiden, gar zu boykottieren, die für Mensch und Umwelt negative Auswirkungen mit sich bringen. Ganz unabhängig von der komplexen Frage, wie setze ich eine solche Transparenz für die ganze Waren- und Dienstleistungswelt um, würde mich interessieren, was andere darüber denken.

Würde eine weitestmögliche Transparenz reichen, um uns zum Handeln zu bewegen? Oder müssen wir erst alle zum Nordpol fahren, um dort zu sehen, wie der Lebensraum der Eisbären durch das Schmelzen der Polkappen schwindet? Oder wie mache ich transparent, welche Auswirkungen unser Fleischkonsum (Soja) oder auch Kosmetikkonsum (Palmöl) auf das Abholzen des Regenwaldes hat?

Klimawandel: trotz mancher Fragen unvermindert dringlich

Freitag, 19. März 2010

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Nach dem Scheitern der Klimaverhandlungen in Kopenhagen war ich enttäuscht und verunsichert. Ich habe in den Wochen um Kopenhagen und danach viel über die Klimafrage gelesen, auch die Argumente der Klimakritiker. Besonders das Wall Street Journal hat deren Argumente ausführlich gebracht. Sie können aber auch im Klimadossier des Guardian nachgelesen werden.

Es gibt zudem natürlich viele blogs, die sich mit diesem Thema befassen. Besonders gut gefällt mir der blog des Kanadiers und Buchautors Jim Hoggan. Die Kritik der Klimakritiker richtet sich im wesentlichen an das IPCC, dessen Arbeitsweise und wissenschaftliche Ergebnisse. Manche Kritiker behaupten sogar, dass der Klimawandel gar nicht stattfände. Wenn man sich länger mit dem Thema befasst, und genauer liest, wird eines deutlich: es ist keine wissenschaftliche Studie zu finden, die “peer reviewed” ist, also von anderen Wissenschaftlern verifiziert worden ist, die den Klimawandel an sich bestreitet.

Im Ergebnis findet der Klimawandel statt und ist durch Menschen verursacht. Dies zeigen auch die vielen Umweltschäden auf der ganzen Welt, die sich teils dramatisch verschlimmern.

Daraus folgt, dass wir weiterhin dringenden Handlungsbedarf haben. Aber: tun wir genug? Ich habe den Eindruck, dass die Kritik an der Arbeit des IPCC zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt hat. Eine neue Studie der Stanford University bestätigt das.

Wie dringend ist denn nun der Klimawandel? Müssen wir dafür schon heute viel Geld ausgeben oder erst morgen? Martin Lees vom Club of Rome, der bei unserem Eröffnungpanel am 2. Dezember 2009 in Frankfurt einer der Teilnehmer der Diskussion zum Thema Kapitalismus 3.0 war, fasst die Situation sehr prägnant zusammen: Don´t wait, act now. Er analysiert in seinem jüngsten Beitrag, warum wir nicht genug tun und was wir konkret ändern sollten. Ein Punkt hat mich dabei besonders angesprochen, nämlich dass wir uns gegenseitig noch viel besser über die Realität des Klimawandels informieren müssen. Es gilt auch, die Klimakritiker dort ernst zu nehmen, wo sie valide Argumente bringen. Nur so wird es gelingen, zu einem Verständnis unserer Lage zu kommen, welches der Wirklichkeit entspricht. Das erst kann die Grundlage sein für: Don´t wait, act now!

Die Zeit: “Ab heute retten wir die Welt”

Freitag, 04. Dezember 2009

Nur ein kurzer Zuruf vor dem Wochenende: Die aktuelle Zeit widmet im Vorfeld zu Kopenhagen eine ganze Ausgabe dem Thema Klimaschutz. Besonders interessant finde ich das Interview mit dem Umweltpsychologen Andreas Ernst, den ich hier kurz zitieren möchte: “Politisch ist die Lage deshalb so spannungsreich, weil heute die Gerechtigkeitsfrage doppelt gestellt ist: von Seiten der Schwellenländer als Frage nach der ausgleichenden Gerechtigkeit; und im Weltmaßstab als Frage der Gerechtigkeit gegenüber der Zukunft. Es muss also auf sehr vielen Ebenen gelernt und umgelernt werden.” Und hier wären wir wieder beim von Otto Scharmer angesprochenen Mind-Set, der Krise als Ausdruck der Krise unserer Wertvorstellungen und wir wären auch wieder bei der “Zuvielisation” von Simonetta Carbonaro, wenn wir über “ausgleichende Gerechtigkeit” sprechen…..Liebe Leserinnen und Leser, mich würde interessieren: Wie sehen Sie das?

© kallejipp/Photocase

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