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Fairer Handel = nachhaltig = zukunftsfähig … = kompliziert?!

Freitag, 12. August 2011

Der faire Handel ermöglicht einen nachhaltigen Lebensstil – sowohl hier in unserem „entwickelten Deutschland“ als auch in den Entwicklungsländern, in denen produziert wird.
Da stellen sich vielleicht manche die Frage: Wie funktioniert das?
Hersteller von guten – und oft umweltfreundlichen – Produkten in Entwicklungsländern erhalten angemessene Löhne. Das wird transparent gemacht und wir können uns beim Einkauf für solche Produkte entscheiden.
Ist doch einfach, oder?
Könnte man denken. Was aber ist ein angemessener Lohn? Und wie kann ich beim Einkauf sicher gehen, dass dem Produzenten am anderen Ende der Welt dieser faire Lohn wirklich gezahlt wurde? Und wer bestimmt, was überhaupt ein „gutes und umweltfreundliches“ Produkt ist?
Nun, entweder können wir auf Experten von Fair Handels Organisationen vertrauen, die sich mit diesen komplizierten Fragen auseinander setzen, sie beantworten und dann die Lösung umsetzen. Eine einfache Orientierungshilfe sind dann die Label und Marken der Fair Handels Organisationen (s.u.).

Oder wollen wir uns eine eigene Meinung bilden? Dies könnte sich als schwierig erweisen, denn:
- Zum Einen bräuchten wir auf jeden Fall mehr Informationen als Bewertungsbasis. Zum Beispiel wäre es interessant, wie viel Prozent des Verkaufspreises der Produzent als Lohn erhält. Und was er damit vor Ort kaufen kann. Dann könnte jeder von uns selber entscheiden, ob sie oder er diesen Lohn angemessen findet. Noch besser wäre es, wenn diese Information für alle Produkte auf dem Markt verfügbar wäre – so könnten wir bestenfalls „nicht faire“ mit fairen Produkten vergleichen.
- Zum Anderen bräuchten wir auch ein größeres Wissen, um bestimmte Sachverhalte überhaupt bewerten zu können. Oder wissen Sie zum Beispiel, welche Mittel beim Gerben von Leder besonders umweltfreundlich sind und welche nicht?

Wie einfach oder kompliziert wollen wir es also?

Die meisten von uns Konsumenten freuen sich, wenn uns ein nachhaltiger Lebensstil leicht gemacht wird. Und Label oder Marken reduzieren die Komplexität beim Einkauf. Dazu müssen wir aber diesen Labeln und Marken vertrauen.

Was müssen uns aber Label und Marken bieten, damit wir ihnen vertrauen?
Reicht es aus, wenn sie auf ihrer Website über ihre Vorgehensweise informieren? Oder auch im Geschäft direkt beim Einkauf? Wie viele Informationen empfinden wir als wünschenswert? Wollen wir auch mehr Wissensvermittlung? Oder wäre das einfach zu viel oder gar belehrend?
Jeder hat hier seine eigenen Ansichten. Wie einfach oder kompliziert hätten Sie ihren Einkauf gerne?

Daher hier nun eine kleine Hintergrundinformation zum fairen Handel:
Die Prinzipien des fairen Handels integrieren soziales Leben, Wirtschaft und Umweltschutz. Das bekannte Fairtrade Label von FLO International wird für einzelne Produkte – meist Lebensmittel – vergeben, deren Produktionskette komplett zertifiziert wurde. 80% der fairen Produkte in Deutschland sind darüber hinaus bio. Sie werden in vielen – auch konventionellen – Supermärkten verkauft.
In Weltläden sind ausschließlich faire Produkte zu bekommen – meist sind das handwerkliche Produkte, manchmal Kleidungsstücke und Leckereien. Viele Produkte stammen von Mitgliedern der World Fair Trade Organisation (WFTO), die ihr komplettes Wirtschaftskonzept fair gestalten. In Indien habe ich einige solcher Fair Handels Produzenten besucht und porträtiert. Dabei habe ich gesehen, was für tolle NGOs sie oft sind – meistens ist die Produktion eher ein „Nebenprodukt“ ihrer sozialen Arbeit mit verstoßenen Müttern, arbeitslosen Jugendlichen oder der perspektivlosen Dorfbevölkerung. Das Netzwerk der WFTO funktioniert über gegenseitige Kontrolle und stichprobenartige Überprüfung.

Daneben gründen sich zunehmend neue Fair Handels Label, wie im Bereich Blumen oder Kleidung. Außerdem erweitern sich Bio-Label zu Bio&Fair-Labeln, z.B. Naturland.
Insgesamt erfreut sich der faire Handel steigender Nachfrage in den „entwickelten Ländern“.