Mit ‘Fair-Trade’ getaggte Artikel

Ethische Investments – es geht voran, aber noch keine kraftvolle Bewegung

Mittwoch, 21. September 2011

Auf der Fachtagung zum Thema „Ethisches Investment“ von „Brot für die Welt“ und der Evangelischen Akademie wurde ich eingeladen, Einblicke in die praktische Arbeit in diesem Bereich zu geben.

Die Teilnehmer kamen überwiegend aus kirchlichen Institutionen – wie z.B. Kirchenbanken. Auch Stiftungen und andere interessierte Privatpersonen waren vertreten. Die Triodos Bank war der einzige Vertreter aus dem Kreis der Nachhaltigkeitsbanken.

Auf der einen Seite war ersichtlich, dass sich immer mehr Menschen, denen Werte wichtig sind, mit nachhaltigem Investment befassen. Wie eine Studie der Investmentgesellschaft der Genossenschaftsbanken, Union-Investment, bestätigt, ist gerade bei dem dargestellten Teilnehmerkreis – Kirchen und Stiftungen – das Thema angekommen.

Auf der anderen Seite habe ich gespürt, mit welchen Widerständen diese Institutionen noch kämpfen. Nachhaltigkeit darf eben nicht weniger Rendite erzielen. Leider ist dieses Vorurteil noch immer nicht ausgestorben, obwohl viele wissenschaftliche Arbeiten nachgewiesen haben, dass die nachhaltige Geldanlage langfristig die gleiche finanzielle Rendite wie konventionelle Anlagen bringen. Auch scheint es ein Problem, dass durch die Einschränkung der Aktien und Anleihen, in die man investiert, ein Vergleich mit Indizes wie dem DAX schwerer fällt. Dies führt für die Institutionen, die investieren, zu Rechtfertigungsdruck gegenüber Kontrollgremien und anderen Stakeholdern. Nachhaltiges Investment ist noch keine Selbstverständlichkeit.

Außerdem fiel mir auf, dass die kleinen bestehenden Unterschiede in den Kriterien von Kirchenbanken und Nachhaltigkeitsbanken mehr diskutiert werden, als dass die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Die Ausschlusskriterien sind nun mal nicht bei allen überzeugten Teilnehmern identisch. Katholische Kirchenbanken schließen öfters Alkohol nicht aus, da es eben auch heute noch Klosterbrauereien gibt. Die große Übereinstimmung bei den angewendeten Ausschlusskriterien hat mich aber beeindruckt. Die Kriterien der Triodos Bank entsprechen in den meisten Punkten denen von Kirchenbanken. Aus meiner Sicht besteht hier ein Potential mit Betonung des Gemeinsamen auch eine gemeinsame Bewegung zu entfachen. Ein gutes Beispiel sind die “Entwicklungspolitischen Kriterien” von “Brot für die Welt”.

Ich hoffe, dass mit den entstandenen Kontakten auf der Fachtagung dieses Gemeinsame weiterentwickelt werden kann. Die Triodos Bank ist Mitbegründer der „Global Allicane for Banking on Values“. Auf der Konferenz war zu spüren wie groß die Basis des „Banking on Values“ in Deutschland ist. Wir wollen sie zum Leben bringen.

Fairer Handel = nachhaltig = zukunftsfähig … = kompliziert?!

Freitag, 12. August 2011

Der faire Handel ermöglicht einen nachhaltigen Lebensstil – sowohl hier in unserem „entwickelten Deutschland“ als auch in den Entwicklungsländern, in denen produziert wird.
Da stellen sich vielleicht manche die Frage: Wie funktioniert das?
Hersteller von guten – und oft umweltfreundlichen – Produkten in Entwicklungsländern erhalten angemessene Löhne. Das wird transparent gemacht und wir können uns beim Einkauf für solche Produkte entscheiden.
Ist doch einfach, oder?
Könnte man denken. Was aber ist ein angemessener Lohn? Und wie kann ich beim Einkauf sicher gehen, dass dem Produzenten am anderen Ende der Welt dieser faire Lohn wirklich gezahlt wurde? Und wer bestimmt, was überhaupt ein „gutes und umweltfreundliches“ Produkt ist?
Nun, entweder können wir auf Experten von Fair Handels Organisationen vertrauen, die sich mit diesen komplizierten Fragen auseinander setzen, sie beantworten und dann die Lösung umsetzen. Eine einfache Orientierungshilfe sind dann die Label und Marken der Fair Handels Organisationen (s.u.).

Oder wollen wir uns eine eigene Meinung bilden? Dies könnte sich als schwierig erweisen, denn:
- Zum Einen bräuchten wir auf jeden Fall mehr Informationen als Bewertungsbasis. Zum Beispiel wäre es interessant, wie viel Prozent des Verkaufspreises der Produzent als Lohn erhält. Und was er damit vor Ort kaufen kann. Dann könnte jeder von uns selber entscheiden, ob sie oder er diesen Lohn angemessen findet. Noch besser wäre es, wenn diese Information für alle Produkte auf dem Markt verfügbar wäre – so könnten wir bestenfalls „nicht faire“ mit fairen Produkten vergleichen.
- Zum Anderen bräuchten wir auch ein größeres Wissen, um bestimmte Sachverhalte überhaupt bewerten zu können. Oder wissen Sie zum Beispiel, welche Mittel beim Gerben von Leder besonders umweltfreundlich sind und welche nicht?

Wie einfach oder kompliziert wollen wir es also?

Die meisten von uns Konsumenten freuen sich, wenn uns ein nachhaltiger Lebensstil leicht gemacht wird. Und Label oder Marken reduzieren die Komplexität beim Einkauf. Dazu müssen wir aber diesen Labeln und Marken vertrauen.

Was müssen uns aber Label und Marken bieten, damit wir ihnen vertrauen?
Reicht es aus, wenn sie auf ihrer Website über ihre Vorgehensweise informieren? Oder auch im Geschäft direkt beim Einkauf? Wie viele Informationen empfinden wir als wünschenswert? Wollen wir auch mehr Wissensvermittlung? Oder wäre das einfach zu viel oder gar belehrend?
Jeder hat hier seine eigenen Ansichten. Wie einfach oder kompliziert hätten Sie ihren Einkauf gerne?

Daher hier nun eine kleine Hintergrundinformation zum fairen Handel:
Die Prinzipien des fairen Handels integrieren soziales Leben, Wirtschaft und Umweltschutz. Das bekannte Fairtrade Label von FLO International wird für einzelne Produkte – meist Lebensmittel – vergeben, deren Produktionskette komplett zertifiziert wurde. 80% der fairen Produkte in Deutschland sind darüber hinaus bio. Sie werden in vielen – auch konventionellen – Supermärkten verkauft.
In Weltläden sind ausschließlich faire Produkte zu bekommen – meist sind das handwerkliche Produkte, manchmal Kleidungsstücke und Leckereien. Viele Produkte stammen von Mitgliedern der World Fair Trade Organisation (WFTO), die ihr komplettes Wirtschaftskonzept fair gestalten. In Indien habe ich einige solcher Fair Handels Produzenten besucht und porträtiert. Dabei habe ich gesehen, was für tolle NGOs sie oft sind – meistens ist die Produktion eher ein „Nebenprodukt“ ihrer sozialen Arbeit mit verstoßenen Müttern, arbeitslosen Jugendlichen oder der perspektivlosen Dorfbevölkerung. Das Netzwerk der WFTO funktioniert über gegenseitige Kontrolle und stichprobenartige Überprüfung.

Daneben gründen sich zunehmend neue Fair Handels Label, wie im Bereich Blumen oder Kleidung. Außerdem erweitern sich Bio-Label zu Bio&Fair-Labeln, z.B. Naturland.
Insgesamt erfreut sich der faire Handel steigender Nachfrage in den „entwickelten Ländern“.

Fast forward – Berlin Eco Fashion Days

Montag, 31. Januar 2011

Was hat eine Bank mit Mode zu tun? Das haben mich in Berlin einige während der Fashion Week gefragt und fanden es dann aber schnell toll, dass eine Bank, wie wir, die noch jungen Event-Initiativen rund um Eco Fashion in Berlin unterstützt.
Wir sind oft in der Rolle der “Möglich-Macher” oder “SustainEnabler” – so auch in diesem Fall und das hat einen einfachen Grund und dieser liegt in den Auswirkungen der konventionellen Textilindustrie selbst begründet. Um mehr als den massenhaften Absatz von Bio-Baumwolle, sondern auch einen nachhaltigen und sozial verantwortlichen Anbau und Weiterverarbeitung zu unterstützen, braucht es Unternehmer, die “Bio” und “Öko” mit ethischen Werten verbinden. Und diese Unternehmer brauchen Plattformen, um sich zu präsentieren.
Neulich sah ich auf deinem Taxi die Werbung “Embrace Nature – choose cotton” – doch so einfach ist es eben lange nicht.
Im Gegenteil: Die textile Verarbeitungskette gilt aufgrund ihrer extremen Komplexität als besonders schwierig, nachhaltig zu gestalten und ist sehr verzweigt mit vielen Lieferanten und Produktionspartnern – eine echte Herausforderung also, aber auch ein echter Hebel, um wirklich etwas für unsere Welt von morgen zu bewegen.

Und das führte uns nach Berlin, um dort die Veranstaltung The Key To, den GREEN Showroom und den eco showroom zu unterstützen.

Alle drei Eco Fashion Events haben unterschiedliche Schwerpunkte und finden entsprechend auch in verschiedenen Locations statt. Während die The Key To dieses Jahr in der Columbiahalle genau gegenüber der Bread & Butter Quartier bezog und ihren Schwerpunkt auf Casual wear legt, findet sich im Green Showroom Eco Luxury vor entsprechender Kulisse: dem Hotel Adlon.
Den Macherinnen Magdalena Schaffrin und Jana Keller ist es mit dem GREEN Showroom gelungen, überzeugend das Themo “Eco” auf ein sehr hochwertiges Niveau zu heben. Besonders gut gefiel mir jedoch die “Salonshow” des GREEN Showroom - Laufsteg einmal anders, nämlich in den Salonräumen des Adlon.

An einem der Abende hatte ich noch Gelegenheit, unsere Arbeit beim Auftakt Dinner zu “Create Green”, eine Kooperation des Berliner Kreativwirtschaftsnetzwerk “Create” und “The Key To” vorzustellen.

Mein Fazit: Der Bereich Eco Fashion entwickelt sich, aber um in die großen Vertriebswege zu kommen, die letztlich Eco Fashion für alle zugänglich zu machen, benötigt er weitere starke Player im Markt als Unterstützer und Multiplikatoren! Einer könnte z.B. die Messe Frankfurt sein, deren französische Tochter letztes Jahr die Pariser “Ethical Fashion Show” gekauft hat.

….über das “Ehrlich Gute”

Montag, 15. März 2010

41-08_perspektiv_01

Neulich fand ich in der DB Mobil einen schönen Artikel über die Berliner Designerin Franziska Wodicka, die rund um alte Schubladen herum neue Schränke baut. Das Ergebnis: individuelle Möbel mit ihren ganz eigenen Geschichten dank der Schubladen, die man entweder selbst mitbringt oder sich aus dem Lager von über 800 alten Schubläden die passenden aussucht.

Das ist “Vintage”, “nachhaltig (schön und haltbar)” und noch dazu ein echtes Unikat aus der Manufaktur. Aus meiner Sicht ist z.B. ein solches Unternehmen Ausdruck eines immer stärker werdenden Wunsches nach Einzigartigkeit, Authentizität, nach “echten Produkten”, mit “echten Menschen und deren Geschichten” dahinter. Und nicht zuletzt auch eine Antwort - um Simonetta Carbonaro zu zitieren- auf die “Zuvielisation“, die “Überflussgesellschaft”.

Ich glaube, dass z.B. der Erfolg der Slow-Food Bewegung mehr aussagt, als “nur” die Sensucht nach Lebensmitteln, die “ehrlich gut” sind. Da ist etwas in Bewegung geraten, das längst immer mehr Lebensbereiche erfasst: Wir sehnen uns nach “Unmittelbarkeit”, nach der Auflösung eines “Sinnvakuums”, danach “mehr zu wissen” über ein Produkt und dessen Entstehungsgeschichte – verbunden mit dem Wunsch, so etwas wie das “ehrlich Gute” dabei zu finden. Letztlich ist es sehr einfach: Es ist vielleicht der zutiefst menschliche Wunsch, eine Beziehung zu etwas herzustellen – in der “Multioptionsgesellschaft“.

Und wie sehr dieses Bedürfnis längst nicht mehr nur ein Thema ist für eine ganz kleine gesellschaftliche Gruppe, sieht man aus meiner Sicht sehr gut daran, dass ich einen Artikel über die Designerin Franziska Wodicka in der DB Mobil wiederfinde. Einem Magazin mit einer Auflage von mehreren Hundertausend Exemplaren.

Simonetta Carbonaro hat den Think Tank “The Design of Prosperity” gegründet – einer der Grundgedanken dahinter: einfach weniger, dafür aber besser. Ich glaube auch, es geht tatsächlich darum, zu einer neuen Form von Lebensqualität im Sinne von “qualitativem Reichtum” zu finden.

Mich erinnert das an den berühmte Band von Walter BenjaminDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” – der Gesellschaftstheoretiker und Philosoph gab damals zu bedenken, dass dem Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit seine Aura verloren ginge.

Womit wir wieder bei den Kommoden mit den Schubladen von Franziska Wodicka wären: Industriell zu fertigen sind diese nicht – was immer mehr Menschen an Gegenständen wie diesen zu faszinieren scheint, ist  – so glaube ich – Ihre Aura und die Beziehung, die wir dadurch dazu haben.

Noch Ideen?

Dienstag, 22. Dezember 2009

 

Bild: Copenhagen Design Week

Immer Montag morgens treffen sich alle Mitarbeiter von Triodos und diskutieren Fragen der Nachhaltigkeit. Das ist in allen europäischen Filialen so. Diese Woche ging es bei uns in Frankfurt um die gescheiterten Verhandlungen in Kopenhagen. Die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen ging von „enttäuscht“ über „ich habe nichts anderes erwartet“ oder „meine Freunde haben mir gesagt, dass sie jetzt selber mehr tun wollen, wenn die Politiker es nicht schaffen“ bis „die zweiwöchigen Gespräche der vielen engagierten Teilnehmer werden ihre positive Wirkung noch zeigen“.

Mein Eindruck: Viele Menschen sind jetzt wacher geworden für den Erhalt der Erde. Es geht aus meiner Sicht jedoch um die zentrale Frage: Wie komme ich vom Verstehen zum Handeln, von der Einsicht zum Tun? Was kann ich tun, ganz konkret, in meinem Lebensumkreis? Wir leben über unsere Verhältnisse, das wissen wir seit langem, aber wir tun zu wenig.

Simonetta Carbonaro hat auf unserer Eröffnungsveranstaltung den Begriff der “Zuvielisation” gebraucht. Es geht also um “weniger ist mehr”, dass allerdings einfach qualitativ besser. Ökologischer, aber genau so viel, reicht nicht. Wir können jeder etwas an unseren eigenen Verhaltensweisen ändern, z.B. weniger Fleisch essen, Strom sparen und auf Öko-Strom umsteigen, öfter mal die Bahn statt das Auto verwenden, weniger Kaffee trinken und wenn dann fair gehandelten Bio-Kaffee. Dabei geht es einfach um “bewussten Konsum” – letztlich auch eine Idee, die mit Verbänden wie Demeter genauso eng verbunden ist wie mit der ganzen Slow-Food Bewegung.

Aber es geht auch noch um etwas Anderes: nicht warten, bis der Andere was tut oder “die Politiker”, sondern aus Interesse am Anderen ins Tun kommen, aus Engagement gegen die bereits vorhandenen Umweltschäden vorangehen und handeln. Noch Ideen?