
Am Wochenende bin ich – in Ermangelung eines Autos, auf das ich bewusst und ohne Entzugserscheinungen verzichte, dank innerstädtischer Wohnung samt Fahrrad
– mal wieder Zug gefahren. Mein Fundstück dieses Mal in der DB Mobil eine vielversprechende Überschrift “Neue Lust auf Land-Luft”. Was folgte war ein Artikel rund um das Revival des guten alten Schrebergartens (gerade bei jungen Familien) genauso wie der Begrünung des Stadtgebiets durch “Gartenpiraten“, die mit “Saatbomben” durch die Städte ziehen und diesen dort säen, wo sie finden, dass etwas Grün den grauen Straßenzügen und der Luft gut tun würde.
Die Autorin des Artikels zitiert “Die Zahl der Gärten wächst wie noch nie. In Deutschland gibt es schätzungweise 22 Millionen.” Und sie liefert auch gleich noch die soziologische Diagnose des Phänomens: “Soziologen sehen die Ursache des Gartenbooms in den Begleiterscheinungen von Globalisierung und Weltwirtschaftskrise: Weil die Welt als unübersichtlich erfahren werde, wachse die Sehnsucht nach vertrauten Werten und das Bewusstsein für Traditionen.” Ich glaube, dass insbesondere der Aspekt der Unmittelbarkeit und der Komplexitätsreduktion auch eine wichtige Rolle spielt. Letztlich geht es auch hier aus meiner Sicht darum, dass ”das Weniger” als “Mehr” empfunden wird. Als eine neue Lebensqualität.
Aber nicht nur diese Bewegung lässt Rückschlüsse zu, dass viel in Bewegung ist. Gleichzeitig findet sich in der Wirtschaftswoche ein Beitrag darüber, dass Daimler, u.a. nach dem erfolgreichen Test mit Smarts (leider noch nicht mit regenerativen Energien angetrieben) im Ulmer Projekt “Car2Go” das Thema Car-Sharing massiv vorantreiben möchte. So formuliert der Artikel:
“Jahrzehntelang war Carsharing etwas für grüne Initiativen und Öko-Vereine. Autobauer betrachteten das Geschäft skeptisch, bei dem sich mehrere Nutzer ein Auto teilen. Doch jetzt müssen die Unternehmen reagieren, denn die meisten Bundesbürger zwischen 14 und 29 Jahren können sich ein Leben ohne Auto durchaus vorstellen, während sie auf Internet und Handy nicht verzichten möchten, so eine Untersuchung des IT-Verbandes Bitkom (WirtschaftsWoche 9/2010). Als Erster der Autobranche prescht nun Daimler vor. Der Konzern will das Geschäft in Metropolen rund um den Globus selbst anbieten. In den nächsten Monaten will er die ersten Städte benennen, in denen er das System einführt. “Wir sprechen mit Stadtverwaltungen Dutzender Millionenstädte”, sagt Projektleiter Robert Henrich. In Europa und Nordamerika will er in den kommenden Jahren Verträge abschließen. Der Manager sieht “einen Milliardenmarkt” und geht davon aus, dass er “eine zweistellige Rendite erwirtschaften” werde.”
Vielleicht brauchen wir irgendwann gar nicht mehr via Car-Sharing in den Schrebergarten rausfahren, sondern wir haben einfach viel weniger Autos und diese an zentralen Verteilstellen in den Städten, betrieben mit sauberer, grüner Energie – und damit mehr Platz für städtische Grünflächen und Bäume. Ansonsten nehmen wir in der “Post Oil City” (so lautete eine Ausstellung dazu im Stuttgarter ifa) genauso unser Fahrrad, das Pedelec oder den öffentlichen Nahverkehr. Unsere Städte und ländlicheren Regionen sind als smart grids intelligent vernetzt und in den Städten haben wir wieder Platz, um Kinder auf den verkehrsberuhigten, wieder begrünten Straßen spielen zu lassen. Immer mehr Automobilkonzerne erfinden sich neu und verkaufen in erster Linie innovative Mobilitätskonzepte, wie z.B. Car-Sharing (ein gutes Beispiel hierfür ist aus meiner Sicht das Unternehmen Better Place). Gleichzeit verbrauchen wir durch energetisch sanierte Gebäude viel weniger Energie. Und am Wochenende sitzen wir in den Gärten davor, unterhalten uns mit den Nachbarn, genießen die Luft und bepflanzen unsere “community gardens” um die Wette. Das ist ferne Zukunft? Teilweise ja, teilweise nein. Eines ist dabei aber klar, so oder so und das ist die gute Nachricht: WIR machen die Zukunft!



