Archiv für die Kategorie ‘Umwelt’

Gegen Gentechnik – gemeinsam für Vielfalt!

Mittwoch, 30. März 2011

“Vielfalterleben” ist ein Bündnis -  angestoßen von Alnatura – mit Partnern aus den Bereichen Umwelt- und Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Lebensmittel-Verarbeitung und Handel – und wir sind auch dabei.

Und worum geht es den Partnern der Initiative? “Vielfalterleben ist eine Initiative für mehr Vielfalt und gegen Gentechnik auf dem Acker und in unserem Essen. Mit gebündelter Energie wenden wir uns zusammen mit den Verbrauchern direkt an die Verantwortlichen in der Politik.”

Und dazu brauchen wir – die Partner der Initiative – Sie! Beteiligen Sie sich an der öffentlichen Petition gegen Agro-Gentechnik oder an der großen Unterschriftenaktion gegen Gentechnik und für mehr Vielfalt. Eine Petition zu unterzeichnen ist ein demokratisches Grundrecht, um unsere Gesellschaft mit zu gestalten. Diese Petition wurde vom Gentechnik-Experten Felix Prinz zu Löwenstein eingereicht – er ist Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und vertritt alle Partner und Unterzeichnenden dieser Aktion beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.

Was ist das Ziel der Aktion? Wir wollen ein Zulassungsstopp (Moratorium) für den Anbau neuer gentechnisch veränderter Pflanzen und eine Reform des Zulassungsverfahrens sowie gesetzliche Grundlagen für regionale Anbauverbote von GV-Pflanzen erreichen. Wenn auch Sie diese Forderungen unterstützen möchten und sich für eine verstärkte politische Debatte über Agro-Gentechnik einsetzen wollen, können Sie diese Petition jetzt bis zum 10. Mai gemeinsam mit hoffentlich vielen anderen unterzeichnen.

Und noch etwas: Wenn wir es schaffen, in den ersten drei Wochen mindestens 50.000 Mitzeichner zu finden, sind wir besonders erfolgreich und erzielen eine höhere Aufmerksamkeit für die Aktion!

Jetzt zählt jede Stimme! Seien Sie dabei – hier gehts zur Petitionsunterzeichnung!

Wir wachsen weiter – unsere Jahresergebnisse 2010

Montag, 28. Februar 2011

Die Triodos Bank hat heute ihre Jahresergebnisse 2010 veröffentlicht. Die internationale Bilanz: 28% Steigerung des Kreditvolumens, 285.000 Kunden, 20% Ergebnissteigerung, 5,6 Milliarden Euro Geschäftsvolumen. Im vergangenen Jahr haben wir damit wieder einmal bewiesen, dass nachhaltiges Banking ein Erfolgsmodell ist. Wir wachsen weiter und das ist gut so: denn so können wir mehr tun – für Mensch und Umwelt. Hier geht es zur Pressemitteilung, in der die Jahresergebnisse 2010 erläutert werden.

Und wie ist es uns in der deutschen Niederlassung 2010 ergangen? Was haben wir erreicht und wollen noch erreichen?

Ein kurzer Rückblick: Vor gut einem Jahr eröffneten wir die deutsche Niederlassung der Triodos Bank in Frankfurt am Main. Seit dem 1. Dezember 2009 sammeln wir Einlagen von deutschen Privat- und Geschäftskunden ein. Diese fließen in Form von Krediten ausschließlich an nachhaltige Unternehmen, Institutionen und Projekte, welche einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen.  

Ein ambitioniertes Ziel: Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, hat eine lange Tradition in punkto Nachhaltigkeit. Wir wollen hierzulande das Angebot an bestehenden Nachhaltigkeitsbanken ergänzen und eine weitere Alternative zu traditionellen Banken bieten – für Menschen, die mit ihrem Geld etwas bewegen wollen, und nachhaltige Unternehmen, Institutionen und Projekte, die einen ebenso nachhaltigen Finanzierer suchen. Wir möchten unseren Beitrag dazu leisten, dass nachhaltiges Banking in Deutschland keine Marktnische bleibt, sondern sich mittelfristig in der breiten Öffentlichkeit verankert und zum etablierten Marktsegment wird. Dies ist sicherlich ein ehrgeiziges Vorhaben, denn die Größe und Komplexität des deutschen Bankenmarktes stellen eine Herausforderung dar. 

Ihnen gilt der Dank: Unser erstes Geschäftsjahr in Deutschland hat unsere Erwartungen im Rahmen der Mittel- und Langfristplanung erfüllt. Mehr als 1000 Kunden haben der Triodos Bank hierzulande bereits ihr Vertrauen geschenkt. Einen ganz herzlichen Dank dafür – Sie sind die Kunden der ersten Stunde und damit ganz besonders wichtig für uns. Die gesamten Neukreditzusagen beliefen sich auf rund 54 Millionen Euro. Einen ganz herzlichen Dank auch an Sie, liebe Kreditnehmer, dass Sie die Partnerschaft mit uns gewählt haben.

Markteinführung 2010 erfolgreich: 2010 lag unser Hauptaugenmerk im Rahmen der Markteinführung auf der Vermittlung der Werte und der Philosophie der Triodos Bank als Europas führender Nachhaltigkeitsbank. Wir haben erste sehr gute Erfolge erzielt: durch gezielte Pressearbeit und Anzeigenschaltung, den Einsatz von Social Media, die Veröffentlichung eines Newsletters, die Präsenz auf wichtigen Branchenevents sowie den Aufbau von Kontakten zu Multiplikatoren in Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik. Hierauf können wir nun in den kommenden Jahren aufbauen.

Ebenfalls Fokus in 2010 war die Erweiterung des Produktangebotes für Privat- und Geschäftskunden wie auch der Ausbau des Kreditportfolios und damit der Präsenz und Bedeutung als nachhaltiger Finanzierer in Deutschland. 

Entwicklung Kreditvergabe: 2010 wurde das Kreditvolumen um 24 Millionen Euro auf rund 87 Millionen Euro gesteigert (+38%). Die gesamten Neukreditzusagen beliefen sich auf rund 54 Millionen Euro. Damit wurden die Erwartungen in vollem Umfang erfüllt. Die Nachfrage nach Krediten ist – in einem kompetitiven Umfeld – hoch. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde insbesondere der Kreditbereich „Ökologischen Landwirtschaft“ ausgebaut – mittlerweile haben wir in der deutschen Niederlassung ein sehr erfahrenes Team. Auch der Bereich „Soziales, Kultur und Bildung“ (Finanzierung u.a. von  Schulen, Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen) und „Erneuerbare Energien“ wurden aufgrund der hohen Nachfrage nach Krediten personell ausgebaut. Insgesamt umfasst der Bereich Geschäftskunden nun elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Entwicklung Einlagen: Ende  2010 konnten wir in Deutschland ein Gesamteinlagenvolumen von rund 20 Millionen Euro vorweisen. Damit sind die Erwartungen auch hier in vollem Umfang erfüllt worden. In 2009 startete die Triodos Bank hierzulande mit jeweils zwei Anlageprodukten für Privatkunden (Tagesgeld und Sparplan) und für Geschäftskunden (Tages- und Festgeld). Das Produktangebot ist Ende 2010 um eine Kreditkarte für Privatpersonen ergänzt worden, die gemeinsam mit dem Partner Grünkauf AG herausgegeben wird,  Anbieter eines Vorteilssystems für nachhaltigen Konsum. Die Produkte für Privatkunden werden gemäß den Erwartungen nachgefragt. Seit Mai 2010 bieten wir deutschen Geschäftskunden auch ein Girokonto an. Dieses Produkt wird – nicht zuletzt aufgrund seiner attraktiven Produktausgestaltung – sehr gut angenommen. Darüber hinaus werden auch Tages- und Festgeld von Geschäftskunden häufig in Anspruch genommen.

Andere Entwicklungen: Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland wurde von 22 Ende 2009 auf 31 Ende 2010 erhöht. Dies betrifft – wie bereits erwähnt und aufgrund der starken Kreditnachfrage – insbesondere den Bereich Geschäftskunden.

Ausblick 2011: Ab Sommer 2011 will die Triodos Bank auch in Deutschland die vier SRI (Socially Responsible Investment)- Fonds der Triodos Investment Management anbieten. Gleichzeitig soll der Kundenbestand, sowohl auf der Einlagen- als auch auf der Kreditseite, deutlich ausgebaut werden. Der weitere Ausbau des Kreditgeschäfts soll in bestehenden Sektoren stattfinden sowie durch die Identifizierung innovativer neuer Branchen und Projekte im Bereich der Nachhaltigkeit erreicht werden.

Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Mittwoch, 23. Februar 2011

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat zu einer Debatte über den neu entwickelten Nachhaltigkeitskodex aufgerufen. Hier kann der Entwurf eingesehen werden. An dieser Debatte haben wir uns beteiligt. Ich würde mich freuen, wenn sich aus dem Kreis unserer Kunden und Freunde viele ebenfalls an der Debatte beteiligen würden.

An den
Rat für Nachhaltige Entwicklung

Betreff: Beitrag zur Initiative „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates für Nachhaltige Entwicklung,

als Europas führende Nachhaltigkeitsbank begrüßen wir, die Triodos Bank, die Initiative zur Schaffung eines Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Der Bedarf, zu mehr Transparenz und durch eine gewisse Form der Standardisierung auch zu mehr Verständnis hinsichtlich Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu kommen, ist in Deutschland zweifelsfrei vorhanden. Hierbei sei angemerkt, dass es eine große Herausforderung ist, einen Zustand zu definieren, ab dem ein Unternehmen als nachhaltig bezeichnet werden  kann. In der heutigen Praxis ist das Bemühen bei Unternehmen, nachhaltig zu handeln, unterschiedlich intensiv ausgeprägt. Wir verweisen hier auf die umfassenden Erfahrungen und Ergebnisse einschlägiger Nachhaltigkeits-Ratingagenturen.

Aus diesem Grund muss es aus Sicht der Triodos Bank das Ziel sein, diese Unterschiedlichkeit in der Praxis in die Gestaltung des Kodex mit einfließen zu lassen. Ansonsten besteht das Risiko, dass der Kodex Nachhaltigkeit auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner definiert wird – und ein Nachhaltigkeitskodex so am Ende in vielen Teilen der Gesellschaft keine Akzeptanz findet.

Vor diesem Hintergrund eine Anmerkung zu:

A.   Ziele des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Ergänzung um den Punkt: Unterschiede hinsichtlich des Grades der Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung unternehmerischer Nachhaltigkeit werden berücksichtigt und deutlich gemacht. Das erreichte Niveau wird explizit dargestellt.

Desweiteren sollte auf die Besonderheit von Finanzdienstleistern wie Banken und Versicherungen eingegangen werden. Hierzu folgender Ergänzungsvorschlag:

B.   Geltung, Anwendung und Wirkung

Zeile 29 bis 35: Bei Unternehmen, die als Geschäftszweck oder als wesentlichem Bestandteil dieses Geschäftszweckes Finanzinvestitionen tätigen, wird Bezug auf die UN PRI (United Nations Principles for Responsible Investment, www.unpri.org) genommen.

Die weiteren Anmerkungen sollen dazu dienen, dass Maßnahmen konkretisiert werden  und damit eine stärker bindende Wirkung erzielen. Desweiteren sollen diese Ergänzungen dazu führen, dass transparent wird, wenn keine konkreten Zeitpläne zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen wie z.B. CO2-Neutralität; 100% Einsatz von erneuerbaren Energien oder anderen entsprechenden Zielen vorliegen. Dies knüpft an den oben dargestellten Gedanken an, die unterschiedliche Zielerreichung darzustellen:

C.   Inhaltliche Anforderungen eines Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Zeile 3 neu: Das Unternehmen soll die wesentlichen Chancen aus der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitskriterien und die Risiken auf sein Kerngeschäft, die durch Nichtanwendung von Nachhaltigkeitskriterien entstehen, im Hinblick auf langfristige Auswirkungen analysiert haben.

Zeile 26: Die Risiken, die aus der Nichtanwendung von Nachhaltigkeitskriterien entstehen, müssen beschrieben und bewertet werden.

Zeile 44: Einfügen eines Absatzes zu Kapitalanlagepolitik vor dem Kapitel „Umwelt“: Die Kapitalanlagepolitik muss sich an den UN PRI orientieren. Falls diese noch nicht berücksichtigt werden, muss ein Zeitplan kommuniziert werden, bis wann dies erreicht werden sollen, bzw. begründet werden, warum ein solcher Plan nicht entwickelt werden kann.

Zeile 46: Das Unternehmen muss definieren, bis wann in welchen Unternehmensbereichen 100% erneuerbare Energie eingesetzt wird. Falls ein solcher Zeitplan nicht vorliegt, muss dies begründet werden.

Zeile 52: Das Nachhaltigkeitsmanagement muss darüber hinaus auch den gesamten Produktlebenszyklus in die Analyse einbeziehen.

Zeile 58: Es muss dargelegt werden, wann das Unternehmen CO2-neutral gestellt ist. Falls ein solcher Zeitplan nicht vorliegt, muss dies begründet werden.

Zeile 69: In den weltweiten Wertschöpfungsketten muss die Einhaltung der einschlägigen Standards (ILO, UN, SA 8000) sichergestellt werden. Falls dies nicht kurzfristig erreicht werden kann, muss ein Zeitplan kommuniziert werden.

Zeile 78: … muss unterbunden werden.

Wir begrüßen ausdrücklich den offenen Dialog zur Initiative des Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Ziel muss es sein, auch in den Bereichen der Wirtschaft, die bereits heute für Nachhaltigkeit stehen, Akzeptanz hierfür zu finden.

Wir freuen uns auf weitere Diskussionen.

Mit freundlichen Grüßen

Georg Schürmann und Alexander Schwedeler
Geschäftsleitung Triodos Bank N.V. Deutschland

“Mit Essen spielt man nicht”: Banken und Rohstoffe

Montag, 03. Januar 2011

Die Pleite von Lehman Brothers liegt jetzt gerade ein wenig mehr als 2 Jahre zurück. Und wenn man sich die Finanzbranche heute anschaut, so entsteht der Eindruck, als wären aus dieser Krise keine Lehren gezogen worden. Banken und andere Finanzinstitute wenden sich wieder der Spekulation zu.

Besonders Rohstoffe stehen derzeit im Fokus der Spekulation. Das Interesse der Banken an diesem Geschäft wurde beispielsweise beim Verkauf der Rohstoffhandels-Sparte der Royal Bank of Scotland (RBS) im Februar 2010 deutlich. Die RBS war zu diesem Schritt verpflichtet worden als Bedingung für die staatliche Rettung der Bank. Es gab eine Vielzahl von Bietern, u.a. auch die Deutsche Bank. Käufer war letztendlich die amerikanische Bank JP Morgan, die die Sparte zum Preis von $ 1,7 Mrd. erwarb.

Auf der Produktseite gibt es bei dem Thema Rohstoffe ein sehr vielfältiges Angebot, sowohl für institutionelle Investoren als auch Privatpersonen. So sind hier Hedge Fonds von Investmentgesellschaften wie Schroders oder Invesco zu nennen, die sich an institutionelle Investoren richten. Häuser wie Allianz, Deutsche Bank und ausländische Anbieter wie die UBS empfehlen auch ihren Privatkunden, in den Rohstoffsektor im Rahmen von Fonds oder Zertifikaten zu investieren. Das Volumen von  Publikumsfonds im Bereich Rohstoffe wird in Deutschland auf ca. € 5 Mrd. und global auf ca. € 60 Mrd. geschätzt.

Beim Kauf von Finanzprodukten, die in Rohstoffe investieren, oder auch bei der Direktanlage wie Goldmünzen oder Goldbarren ist das Ziel immer, einen Spekulationsertrag zu erzielen. Es geht stets um die Hoffnung auf Ausnutzung von Preisdifferenzen (Anmerkung: Die klassische Anlage stellt dagegen der Realwirtschaft Kapital zur Verfügung. Dies kann Eigenkapital z.B. in Form von Aktien oder Fremdkapital in Form von Anleihen sein). Wohin Spekulation führt, haben wir in den Zeiten der Finanzkrise gesehen. Liquidität strömt zu Spekulationszwecken in Märkte und führt dort zu steigenden Preisen. Dies kann dann zu „Preisblasen“ führen. Insbesondere bei Rohstoffen ist diese Spekulation sehr kritisch zu sehen. Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais und Soja dienen der Ernährung von Menschen und aus ethischen Gründen dürfen sie keine Spekulationsobjekte sein. Wir erinnern uns alle noch an die Proteste in Ägypten und anderen Ländern im April 2008 aufgrund der steigenden Brotpreise. Diese steigenden Preise wurden auch verursacht bzw. verstärkt durch spekulative Käufe. In diesen Wochen erleben wir wieder eine ähnliche Situation wie im Frühjahr 2008. Die Finanical Times Deutschland berichtet im Dezember über Rekordpreise beim Kautschuk und Palmöl. Das Handelsblatt schreibt Ende Dezember über Rekordpreisanstiege seit Mitte des Jahres: Kaffee + 30%; Mais + 44% und Zucker + 80%.

Man muss allerdings bei anderen Rohstoffen differenzieren: so ist die Bedeutung von Edelmetallen für die Realwirtschaft geringer als Metalle, die beispielsweise in der industriellen Produktion und im Bau verwendet werden. Allerdings rechtfertigt dies weiterhin keine Spekulation – denn gerade bei Edelmetallen sind die Abbaubedingungen sowohl aus sozialen als auch ökologischen Gründen in der Regel als schlecht zu bezeichnen. Hier sollten Banken auch bei der Eigen- und Fremdfinanzierung von Minen sehr genau hinschauen – ausreichende nachhaltige Standards sind nur selten zu finden.

Neben den genannten ethischen Gründen: warum beteiligen sich manche Banken und insbesondere die Nachhaltigkeitsbanken nicht an dem Rohstoffgeschäft und warum sollten sich auch anderen Banken nicht beteiligen? Dies ist sicherlich auch im grundsätzlichen Verständnis der Aufgabe einer Bank begründet. Wir sind der Meinung: Eine Bank sollte sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren, d.h. Einlagen- und Kreditgeschäft sowie Zahlungsverkehr und Anlageberatung in nachhaltige (!) Finanzprodukte. Für diejenigen Banken und Bankvertreter, die weder die ethischen Motive noch das Argument der Kernaufgabe einer Bank gelten lassen wollen, sollten Risikoüberlegungen ausreichen, um keine Rohstoffspekulationen oder auch andere Spekulationen zu betreiben. Dies meint nicht nur Risiken, die immer Teil des Handels sind,  sondern auch Reputationsrisiken. Wenn bestimmte Geschäfte einer Bank von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden, kann dies negative Auswirkungen auf andere Geschäftsfelder haben. Dies macht auch deutlich, welche Macht die Kunden haben: Durch ihr Verhalten können sie die Geschäftspolitik einer Bank beeinflussen.

Regulierung kann natürlich auch das Rohstoffgeschäft einer Bank einschränken oder unmöglich machen. Regierungen und Aufsichtsbehörden haben die Notwendigkeit von Regulierung von Finanzinstituten durch die Finanzkrise gesehen und gehandelt. In den USA wurden der Eigenhandel der Bank und die Möglichkeit, in Hedge Fonds zu investieren,  eingeschränkt. Damit sollen die Banken zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückkehren. Ob diese bisherigen Regulierungen ausreichen, um das Rohstoffgeschäft in die richtigen Bahnen zu lenken, kann kritisch diskutiert werden. Gerade in diesem Segment könnte die Einführung einer Transaktions- oder Tobinsteuer hilfreich sein. Diese würden den Handel unattraktiver machen. Eine Regulierung müsste Hedge Fonds miteinschließen und sicherstellen, dass die Preisbildung an den Rohstoffmärkten nicht von Finanzdienstleistern bestimmt wird. Natürlich müssten Termingeschäfte zur Absicherung von Grundgeschäften – wie z.B. der Verkauf einer Weizenernte per Termin zur Sicherung des Verkaufspreises – möglich bleiben, da sie der Realwirtschaft dienen.

Das Investment in Rohstoffe wird oft mit der Möglichkeit der weiteren Diversifikation einer Vermögensanlage begründet. Es stellt sich somit die Frage, inwieweit dieses Ziel auch mit nachhaltigen Vermögensanlagen in vergleichbaren Asset-Klassen erreicht werden kann. Hier möchte ich auf eines unserer Produkte, welches wir in Deutschland allerdings noch nicht anbieten, hinweisen: Der Triodos Sustainable Trade Fund stellt Kreditfinanzierung für Exporteure aus Entwicklungsländern, die sich auf Bio- und Fairtrade-Produkte fokussieren, zur Verfügung. Bei diesem Finanzprodukt, das sich mit dem Thema Rohstoffe beschäftigt, sind soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte in Balance.

“I was the loan department – my car was the loan department”

Dienstag, 30. November 2010

Peter Blom, unser Vorstandsvorsitzender, bekam am 8. Oktober 2010 in New York den Botwinick Preis für Business Ethics verliehen. In seiner Keynote Speech sprach er über die letzten 30 Jahre Triodos Bank. Peter Blom war einer der ersten  fünf (!) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der  Triodos Bank und hat seitdem die 30 Jahre Entwicklung und Wachstum mitgestaltet und miterlebt.

Er war damals der erste und zugleich einzige Mitarbeiter der Kreditabteilung war: “I was the loan department, my car was the loan department”. Wir waren damals eine der ersten Banken weltweit, die mit einer sozialen und ökologischen Gründungsidee antrat. Damals gab es “die anderen Banken”  und uns – die kleine Triodos Bank. Und doch: Man war wirklich angetreten, um die Welt zu verändern, die Gesellschaft zu erneuern – oder zumindest einen wesentlichen Beitrag dazu zu leisten.

Dabei waren drei Dinge waren maßgebend: Transparenz, soziale Erneuerung (im weitesten Sinne) und ein bewußter Umgang mit Geld hierfür, um eben es eben als Gestaltungsmittel einzusetzen. Das wird sehr anschaulich, wenn Peter Blom erzählte, dass er damals bei Kreditinteressenten meist eine Stunde lang über eben diese Themen sprach und  dann noch 10 Minuten über den eigentlichen Kredit. 

In den 90er Jahren wuchsen wir dann stark. Seitdem hat Triodos Bank ihr Geschäftsvolumen ungefähr alle drei Jahre verdoppelt. Sie zählt heute mehr als 600 MitarbeiterInnen in fünf Ländern und hat in all den 30 Jahren immer einen Gewinn erwirtschaftet.

Etwa seit dem Jahr 2000 rückte dann der Begriff  Nachhaltigkeit immer mehr ins “Rampenlicht” der öffentlichen Diskussion und wurde im Zuge dessen auch vermehrt von Unternehmen als ein Standbein eines Geschäftsmodells gesehen – als eine Art “business opportunity”, wie es Peter Blom formulierte.

Die Frage, die sich heute aus unserer Sicht stellt, und die Peter Blom anspricht, ist: Gelingt es uns, dass aus der “business opportunity Nachhaltigkeit” ein völlig neues Paradigma wird, nachdem wir leben und arbeiten werden? Und bezogen auf die Rolle der Banken in unserer Gesellschaft: Was ist die eigentliche Aufgabe von Banken innerhalb dieser Gesellschaft?

Die Global Alliance for Banking on Values (GABV) welche durch die Triodos Bank mitgegründet wurde, bildet unter Ihren Partnerinstituten heute 12 verschiedene nachhaltig orientierte Bankenmodelle ab. Diese Banken stehen für Werte in der Finanzwelt, für nachhaltige und verantwortungsvolle Finanz-Dienstleistungen, für eine globale Wertegemeinschaft, die sich auf den Weg gemacht hat. Hier steht nicht der Shareholder Value im Vordergrund.

Wir – und damit sind auch alle Banken der GABV eingeschlossen – sind uns der Grenzen unseres Planeten sehr bewusst. Das Ziel für uns ist maximale Nachhaltigkeit, statt maximalem Gewinn.

Übrigens: Es lohnt sich den Film zu Ende zu sehen, denn am Ende kommen die Studierenden mit ihren Fragen zu Wort, die die Triodos Bank als Preisträger für den Botwinick-Preis 2010 vorgeschlagen haben!

Mit der GrünCardPlus Master Card bewusst konsumieren und spenden

Montag, 29. November 2010

Ab dem 1. Dezember werden wir mit der Kreditkarte ein weiteres Produkt für unsere Privatkunden anbieten. Diese Karte bringen wir gemeinsam mit unserem Partner Grünkauf  heraus. Wir verbinden hierfür eine Triodos-MasterCard mit der GrünCard von Grünkauf. Zusammen ergibt das dann die „GrünCardPlus MasterCard“.

Das Konzept von Grünkauf ist dem von payback ähnlich. Es existieren natürlich auch ganz wesentliche Unterschiede. Analog zu payback sammelt der Kunde Punkte beim Kauf mit der GrünCard oder eben unserer neuen Kreditkarte, der GrünCardPlus MasterCard. Die Vorteilspartner von Grünkauf stammen aus dem Bereich des nachhaltigen Konsums. Die Aufnahme eines neuen Vorteilspartners wird durch einen Beirat überwacht.

Darüber hinaus gibt es eine weitere Möglichkeit für Kunden der GrünCard bzw. der GrünCardPlus MasterCard, in zahlreichen Online-Shops Punkte zu sammeln. Diese wurden nicht durch den Beirat geprüft, sondern ergänzen die Vorteilspartner, indem sie in erster Linie Lebensbereiche abdecken, die weitgehend virtuell sind (z.B. Eintrittskarten, Musikdownloads), oder indem sie Unternehmen sind, die Grünkauf als förderungswürdig erachtet, die aber nicht vollständig die strengen Kriterien für Vorteilspartner erfüllen (z.B. bringmirbio.de oder oxfamunverpackt.de).

Mit der GrünCardPlus MasterCard kann der Kunde – im Unterschied zur normalen GrünCard – nun nicht mehr nur bei den Vorteilspartnern oder Online-Shops Punkte sammeln. So werden bei jedem (!) Umsatz, der mit der Kreditkarte GrünCardPlus MasterCard getätigt wird,  Punkte gesammelt. Also auch z.B. beim Kauf von (hoffentlich Bio-)Lebensmitteln, wenn diese mit der Karte bezahlt werden. Hier appellieren wir an das Bewusstsein der Kunden für nachhaltigen Konsum.

Die GrünCard und damit auch die GrünCardPlus MasterCard wollen diesen verantwortungsvollen Konsum mit einer Spendenmöglichkeit verbinden. Denn ein wesentlicher Unterschied zu payback ist die Verwendung der Punkte. Diese sollen in erster Linie an soziale und ökologische Projekte gespendet werden. Der Kreditkarteninhaber kann also bewusst konsumieren und darüber hinaus einen Beitrag für wertvolle Projekte leisten. Ab Mitte 2011 können Karteninhaber die Punkte jedoch auch zum Einkaufen bei Vorteilspartnern verwenden. Grundsätzlich müssen nach EU-Recht die Punkte auf Wunsch auch immer an den Karteninhaber ausgezahlt werden.

Dieses Konzept fanden wir so interessant und unterstützenswert, dass wir uns entschieden haben, Partner von Grünkauf zu werden und ein innovatives nachhaltiges Finanzprodukt zu entwickeln. Bei dieser Entscheidung war für uns auch der Umgang mit dem Datenschutz sehr wichtig. Grünkauf sammelt keine Daten, um diese zu vermarkten. Auch wir werten die Einzelumsätze, die mit der Kreditkarte getätigt werden, nicht aus. Der Datenschutz ist damit für unsere Kunden auf höchstem Niveau gesichert!

Die Kreditkarte ist im ersten Jahr kostenfrei. Jeder kann dieses Produkt also einfach mal ausprobieren. Und zur Begrüßung erhält jeder Karteninhaber 200 Punkte. Ab dem 2. Jahr berechnen wir € 29,- p.a. Sie erhalten dafür jährlich 200 Punkte, die (idealerweise) gespendet werden können. Desweiteren vergüten wir pro € 4, die Sie mit der Karte tätigen, 1 Punkt. Die GrünCardPlus MasterCard ist eine kontounabhängige Kreditkarte – das heißt: Ihr bestehendes Girokonto ist das Referenzkonto. Die Triodos Bank zieht die Umsätze der Kreditkarte von diesem Girokonto über ein automatisch eingerichtetes Kreditkartenkonto bei der Triodos Bank ein. Der Kreditkartenhalter kann auf Wunsch bequem Beträge auf das Kreditkartenkonto bei der Triodos Bank einzahlen und auf diese Weise vom aktuellen Zinssatz des TriodosTagesgelds profitieren.

Wir wollen auch mit diesem neuen Produkt hohe Transparenz und Klarheit leben und orientieren uns bei den Preisen am Markt. Hier noch ein Vergleich mit ähnlichen Produkten:

  GründCardPlus MasterCard GLS-BUND payback
Jahresgebühr 1. Jahr: frei + 200 Punkte € 30,- 1. Jahr: frei
  ab 2.Jahr: € 29,- + 200 Punkte € 30,- ab. 2. Jahr: € 25,-
Umsatz-      
vergütung pro 4€: 1 Punkt 1/3 der Umsatzprov. pro 4€: 1 Punkt
       

Über Feedback zu unserer neuen Kreditkarte GrünCardPlus MasterCard würde ich mich freuen.

Internationales Presencing Treffen mit Otto Scharmer in Boston

Montag, 22. November 2010

Ende Oktober war ich in Boston beim Presencing Institute am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das Presencing Institute wird von Otto Scharmer und seinem Team betrieben. Die inhaltliche Grundlage seiner Arbeit hat er in dem vielbeachteten Buch  TheoryU –  Führen von der Zukunft her dargelegt.

TheoryU entstand aus der Frage, ob man von einer im Entstehen begriffenen Zukunft lernen kann? Denn Lernen basiert traditionell auf den Erfahrungen der Vergangenheit. In vielen Fällen jedoch ist klar, dass wir mit unserem Vergangenheitswissen die Gegenwart und Zukunft nicht genügend begreifen, geschweigen denn gestalten können. Die Arbeit an dieser Fragestellung hat bei Otto Scharmer und seinem Team zu der Erkenntnis geführt, dass die wichtigste Führungsaufgabe nicht ist, Ziele zu definieren oder eine Zukunftsvision zu entwickeln. Die wichtigste Führungsaufgabe ist es, den individuellen und gemeinsamen Prozess des Sehens der Realität zu initiieren und dahingehend zu vertiefen, dass wir beginnen, entstehende Möglichkeitsräume wahrzunehmen (siehe Aufsatz Handeln von der Zukunft her).

Aus dieser Fragestellung heraus hat Otto Scharmer die TheoryU entwickelt. Sie basiert im Wesentlichen auf 150 Interviews mit Menschen, die täglich mit Innovationsprozessen zu tun haben. Die Interviews können auf der Website www.dialogonleadership.org gelesen werden. Sie sind teils wirklich sehr spannend zu lesen!

Kurz zusammengefasst stellt TheoryU einen Prozess dar, bei welchem der Grad der Aufmerksamkeit erhöht wird. Das beginnt mit einem offenen Denken, geht über ein offenes Fühlen bis hin zu einem offenen Willen. Damit wird angedeutet, wie sich der Grad der Aufmerksamkeit verstärken und vertiefen kann. TheoryU weist auch auf die Hindernisse hin, mit denen wir diesbezüglich zu tun haben: nämlich mit Vorurteilen, mit Zynismus und mit der Schwierigkeit, wirklich von sich loszukommen.

Ich habe Ende Oktober in Boston am ersten Treffen  von insgesamt fünf Treffen einer Master Class teilgenommen, genannt PI-Lab. Wir werden uns noch 2x pro Jahr bis 2012 in Boston einfinden. Teilnehmende sind 70 in TheoryU erfahrene Berufstätige aus der ganzen Welt: UnternehmerInnen, NGO-VertreterInnen, Landwirte und BeraterInnen. Die Frage, die uns alle bewegt und für die wir die weite Reise gemacht haben, ist die nach dem Grad der Aufmerksamkeit (level of awareness) aus der TheoryU. Die Aufmerksamkeit kann sich auf die eigene individuelle Entwicklung, auf die Zusammenarbeit mit anderen und auf die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen richten. Hierzu bedarf es einer Offenheit auf der intellektuellen, gedanklichen Ebene, eines offenen Herzens sowie eines gerichteten  Willens und einer Willensanstrengung. Ich muss versuchen, den Anderen gedanklich und emotional in mich aufzunehmen, mich für sie oder ihn wirklich zu interessieren, kurz: vom Ich zum Du. Erst diese Umkehrung des Willens, der eigenen Aktivität ermöglicht, dass ich die Welt draußen in mein Herz aufnehmen kann.

Die Motivation für mehr Aufmerksamkeit sind die großen Herausforderungen, vor denen wir, unsere Gesellschaft, unsere Welt stehen: der Klimawandel und die  notwendige Transformation zu 100% Erneuerbare Energien, die große soziale Frage – und dann natürlich die konkrete Umsetzung von Lösungsansätzen.

Es scheint, dass wir Menschen heute so einfache Dinge wie Interesse für den Anderen und Anteilnahme an der Welt erst wieder ganz neu lernen müssen. Es ist, als ob wir durch die industrielle und technologische Entwicklung der letzten 200 Jahre immer mehr in die Vereinzelung und damit in den Egoismus geraten. Die Form von Kapitalismus, die uns die jüngste Finanzkrise beschert hat, bestätigt dies ja in erschreckender Weise. Eine Teilnehmerin berichtete, wie sie eine Zeitlang in einem reichen europäischen Land gelebt hat und dachte, hier müssten doch alle Menschen glücklich sein. Sie erlebte aber das Gegenteil. Wieder zurück in ihrem südamerikanischen Heimatland wurde ihr bewusst, dass Technik und Geld nicht glücklich machen. Eine einfache Erkenntnis, aber nicht immer leicht, sie auch zu leben.

Das PI-Lab fand im Wechsel zwischen Vortrag und Diskussionen an kleinen runden Tischen mit maximal fünf Teilnehmern statt. Das Programm wurde ergänzt durch Gastbeiträge von Ed Schein, Professor für Change Management am MIT (siehe sein neuestes Buch „Helping“), Nicanor Perlas, kürzlich Präsidentschaftskandidat auf den Philippinen (links im Foto zu sehen neben Otto Scharmer), und Jeffrey Hollander, Gründer von Sevens Generations, einem großen Ökounternehmen in den USA .

Nicanor Perlas sprach über neueste wissenschaftliche Ergebnisse auf den Gebieten der Nano-Technik, Gen-Technik, Informationstechnologie und Geo-Engineering. Das Geo-Engineering betrifft die aktive Einflussnahme auf das Wetter und unser Klima zur Eingrenzung weiterer Erderwärmung. Er entwarf daneben ein humanistisches Menschenbild und sprach eindringlich von der Notwendigkeit, das Konzept des Menschen als freies Wesen zu pflegen und zu vertiefen. Sonst drohe die Gefahr, dass immer mehr Roboter und Maschinen unser Leben bestimmen.

Jeder Teilnehmer des PI-Lab ist aufgefordert, sich mit einem für ihn oder sie wichtigen Thema auch in der Zeit zwischen den Kursen zu beschäftigen. Dazu haben wir kulturell diverse 5-er Gruppen gebildet, die sich gegenseitig helfen und unterstützen. In meiner Gruppe sind ein Amerikaner, eine Brasilianerin, zwei Inder, eine Niederländerin und ich. Ich habe für mich das Projekt „die Triodos-Werte leben“ gewählt. Wie geht das? Wo muss ich bei mir beginnen, mich verändern, meine eigene Aufmerksamkeit erhöhen? In den Gesprächen haben wir auf die Bilder geachtet, die vor das innere Auge kommen, wenn die oder der Andere von dem Thema erzählt, mit dem sie/er sich in der Zeit zwischen den Kursen beschäftigen möchte. Hierzu hat Otto Scharmer die Vorgehensweise des sogenannten „case clinic“ vorgeschlagen (case clinic). Es ist hochspannend, mehr auf diese Bilder zu achten und sich zu fragen: welche Zukunft kann sichtbar werden, wenn es gelingt, die Aufmerksamkeit darauf zu erhöhen? Da wir im PI-Lab ja ganz am Anfang des Übens stehen, werde ich hiervon in einem späteren Blog-Beitrag mehr berichten.

Die Welt besser trinken leicht gemacht…

Freitag, 19. November 2010

Ja, das hört sich für mich an, wie “Die Welt besser trinken leicht gemacht.” Das klingt irgendwie “LoHa”, aber dahinter stehen spannende Geschäftsmodelle. Und die haben Namen wie LemonAid, Quartiermeister oder auch Riesperle, genauso wie Premium Cola oder Viva con Agua de St.Pauli.

Allen gemeinsam ist: Sie bewegen sich im schnelllebigen Getränkemarkt und sie versuchen sich an einem “öko-sozialen” Geschäftsmodell. Kurz: Sie reden nicht über CSR und beschäftigen keine CSR-Stabstelle mit Berichten “zur Weltrettung” – Nein: Sie möchten mit Ihrem Geschäftsmodell einen aktiven Beitrag als Unternehmen dazu leisten.

Gestern las ich in der Enorm einen Artikel über manche dieser Unternehmen. Was mir dabei immer wieder auffällt und was ich so positiv finde: Es gibt hier keine Berührungsängste mehr damit, “für etwas” Geld zu verdienen. Und das “für etwas” sind klare Wertvorstellungen, die sehr praktisch gelebt werden – aber eben mit einem Geschäftsmodell, das zulässt das man für den eigenen “öko-sozialen Unternehmenszweck” eine GbR oder auch eine GmbH ist. Manchmal wird auch ein Verein mit einer GmbH gekoppelt.

Denn vom Ziel her gedacht und das ist bei allen “die Wirkung”, macht das Sinn. Und daher freue ich mich ganz persönlich, dass gerade in dieser jungen Gründer- und Gründerinnengeneration nicht nur der “öko-soziale Gedanke” so tief verankert zu sein scheint, sondern auch wirklich “Unternehmergeist”. Da wächst, so ist mein Eindruck, ein neues Bewusstsein für “Entrepreneurship” !

Übrigens: Wir, also die Triodos Bank, sind eine AG in eine Stiftung eingegliedert. Für alle, die interessiert, wie das bei uns funktioniert, lest hier mehr.

Triodos Bank unterstützt den ersten Eco Concept Store der Hauptstadt

Freitag, 12. November 2010

Am 26. November 2010 wird der eco Showroom, der erste Concept Store mit konsequent ökologischer Ausrichtung, in Berlin die Türen öffnen. In der Almstadtstraße 35 in Berlin Mitte wird es dann in einem einzigen Laden hochwertige, ausgesuchte und vor allem nachhaltige Produkte aus dem Bereich Mode, Kosmetik, Wohnen, Lebensmittel etc. geben. Die Personen hinter dem eco Showroom sind Kati Drescher und Nadine Valencic von der Berliner PR Agentur sieben&siebzig. Sie beraten ausschließlich Kunden und Unternehmen, die sich sehr genaue Gedanken über Rohstoffe, Inhaltstoffe, die Verarbeitung und Verbreitung ihrer Produkte machen.

Bereits zweimal hat sieben&siebzig in der Vergangenheit erfolgreich den eco Showroom zur Fashionweek geöffnet, um Kunden aus Mode, Beauty und Food zu präsentieren – allerdings bisher nur für ein Fachpublikum. Die vielen Nachfragen neugieriger Vorbeigeher und der Mangel an einem schönen eco Store in Berlin Mitte haben sieben&siebzig nun dazu bewogen, den Showroom dauerhaft zu öffnen - für Endverbraucher, Shopping-Begeisterte und Touristen – und die Produkte in Zukunft auch zu verkaufen. Es werden Produkte von traditionellen Bio-Unternehmen, aber auch von neuen und unbekannteren ökologisch ausgerichteten Unternehmen angeboten. Und jedes Produkt hat eine kleine Geschichte zu erzählen und steht für Leidenschaft. Marken, die im eco Showroom vertreten sein werden, sind u.a.: Dr. Hauschka, die Modelabels Pyua und Vilde Svaner, Hari Tea und San Floriano.

Und auch die Triodos Bank wird im eco Showroom vertreten sein. Schaut vorbei und besorgt euch Informationen zur Bank und unseren Produkten - lasst euch überraschen, was wir zudem noch in Kooperation mit dem ecoShowroom machen werden, es wird spannend. 

Wir unterstützen den eco Showroom, weil dieses innovative Projekt genau wie wir Nachhaltigkeit als allumfassenden  Lebensansatz versteht und dies – wenn auch im kleinen – propagiert. Wir freuen uns, dabei zu sein und wünschen dem eco Showroom die Aufmerksamkeit, die er jetzt schon verdient.

Rund um grüne Märkte – eine Frankfurter Podiumsdiskussion aus der Reihe “Come Closer”

Freitag, 10. September 2010

 Unknown

Dass kein Weg mehr am Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft vorbei führt und dass auch Großkonzerne sich bereits (vielfach durchaus eher unbemerkt, ohne gleich eine grüne Kampagne draus zu machen…) auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit aufgemacht haben, darin waren sich die TeilnehmerInnen der Frankfurter Podiumsdiskussion “Green Markets – die Zukunft der Ökonomie” weitgehend einig. Veranstalter war das “sustainable designforum come closer” – eine spannende Frankfurter Initiative, u.a. von uns unterstützt.

Zusammen mit Dr. Manuela Rottmann (Stadträtin, Dezernentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Frankfurt), Peter Parwan (Gründer und Betreiber des Portals Lohas.de), Olaf Markhoff (Leiter Unternehmenskommunikation Nike Deutschland) und Lutz Dietzold (Geschäftsführer Hessen Design e.V.) diskutierte ich am 2.9.2010, wie grüne Produkte verkauft werden sollten und wie Engagement im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere von Großkonzernen, zu bewerten ist.

Unknown-1

Vor allem an der Frage, wie “grünes Engagment”  konventioneller Unternehmen einzuordnen ist entzündete sich die Diskussion über die (fließenden) Grenzen von Greenwashing. Auf uns als Triodos Bank kommen immer öfter große Unternehmen zu, die von uns erfahren möchten, “wie Nachhaltigkeit geht” – nach dem Motto “Sie als Triodos Bank machen das doch schon seit 30 Jahren, da wissen Sie doch sicher jede Menge über Nachhaltigkeit.”  Das freut uns. Und nicht in erster Linie weil es ein Kompliment ist, sondern weil wir der Meinung sind, dass wir umso mehr bewegen können, desto mehr mitmachen! Ganz klar haben da große Unternehmen eine enorme Hebelwirkung. Aus diesem Grund nehmen wir an solchen Diskussionen auch gerne teil, weil nur durch einen offenen Austausch wird es am Ende wirklich grüner und nicht nur “grün angestrichen”. 

Was heißt wirklich grüner? Für uns heißt das einfach, dass unsere Wirtschaft in naher Zukunft auf nachhaltigen Geschäftsmodellen basiert. Mit einer Corporate Social Responsibility-Abteilung, die Ihre Broschüren auf Umweltpapier drucken darf ist es einfach nicht getan!

Mir persönlich ist aber noch ein Punkt aus Marketingsicht ganz wichtig: Wo eine Nachfrage ist, ist auch ein Markt – so ist das zunächst einmal theoretisch in unserer Marktwirtschaft. Die Frage, die sich damit ganz zentral stellt und die bisher aus meiner Sicht viel zu wenig diskutiert wurde, ist die nach dem Verhalten der Konsumenten. Wie schaffen wir es, Menschen dazu zu bewegen, in wachsendem Maße nachhaltige Produkte nachzufragen? Ein Beispiel: Wir haben ca. 200.000 Kunden nachhaltiger Banken in Deutschland – das Marktpotenzial wird Studien zufolge aber auf 10-12 Millionen Menschen eingeschätzt. Jetzt stellt Euch einmal vor, was wir alles zum Positiven verändern könnten, wenn diese 12 Millionen Menschen bei nachhaltigen Banken Ihr Geld anlegen würden. Wie viele Windparks, Bio-Bauern, Kindergärten, Schulen, Mehrgenerationenhäuser usw. könnten wir mit diesen Einlagengeldern finanzieren? Ein gigantischer Hebel – nur die Frage bleibt, wie schaffen wir es, dass wir als Gesellschaft diese (nennen wir es einmal) “Veränderungshebel” erst erkennen und dann auch in Bewegung setzen?

Im Englischen gibt es dazu den schönen Begriff des “nudge” – das heißt nichts anderes als anstupsen. Oft ist es vielleicht wirklich nur noch das Anstupsen, das notwendig ist, damit man endlich auf Öko-Strom umsteigt, das Fahrrad wieder in Betrieb nimmt (und man sich damit nebenbei noch bewegt..) oder zu einer nachhaltigen Bank wechselt.

Doch wie funktioniert dieser “nudge”? Wo findet er statt? Wie schaffen wir es, dass der Erkenntnis, eine kluge Entscheidung und schließlich die Umsetzung folgt? Und zwar weil wir wollen – nicht weil es uns verordnet wurde. Ich glaube, darüber sollten wir jetzt einmal mehr reden als über weitere Tausend neue Technologien für einen noch effektiveren Ressourceneinsatz , denn am Ende des Tages sind wir ja schließlich alle Menschen, die diese Technologien anwenden müssen, damit wir was bewegen. Und darum geht es doch, oder?