Archiv für die Kategorie ‘Umwelt’

Banken der Zukunft

Mittwoch, 20. Juni 2012

Eine kürzlich veröffentlichte, von der Rockefeller-Stiftung unterstützte Studie hat deutlich gezeigt, dass nachhaltige Bankmodelle herkömmliche Banken auch hinsichtlich der Finanzkennzahlen überlegen sind. Auch aus diesem Grund versammelten sich am vergangenen am vergangenen Sonntag in Rio de Janeiro, Brasilien, im Vorfeld des Weltklimagipfels Rio+20 drei Vorreiterorganisationen in Sachen Nachhaltigkeit – die Green Economy Coalition, das norwegische Forum for Environment and Development und die Global Alliance for Banking on Values – um konkrete Vorschläge zu erarbeiten, eine nachhaltigere und damit stabilere und gerechtere Finanzindustrie zu etablieren. Die Ergebnisse ihres Treffens haben sie in dem folgenden (aus dem Englischen übersetzten) Positionspapier zusammengefasst:

Ein Finanzsystem schaffen, das grün, fair und inklusiv ist

Das Finanzsystem spielt eine tragende Rolle bei der Entwicklung und Funktionsfähigkeit aller Volkswirtschaften. Daher ist es wichtig, soziale und ökologische Verantwortung in die Geschäftsmodelle von Finanzinstituten aufzunehmen und eine Kultur der Partizipation der Bürger am Finanzsystem zu schaffen. Damit wir eine grüne, faire, und inklusive Finanzindustrie und letztendlich Wirtschaft aufbauen können.  

Die positive Vorbildfunktion in diesem Transformationsprozess, die speziell nachhaltige Banken einnehmen können, ist durch die ökologischen, sozialen und auch finanziellen Erträge dieser Finanzinstitute während der vergangenen Jahrzehnte erwiesen. Gleichzeitig unterstreichen die jüngsten Erfahrungen im Finanzsystem die Notwendigkeit eines fundamentalen Wandels, um sicherzustellen, dass wirklich alle Finanzinstitute eine proaktive Rolle bei der Errichtung einer grünen, fairen und inklusiven Finanzwirtschaft übernehmen.  

Um das gegenwärtige Finanzsystem zu reformieren, muss eine Reihe von Rahmenbedingungen geschaffen werden und zusätzliches Kapital wird zum Ausbau nachhaltiger Finanzinstitute benötigt. Während des im Vorfeld des Weltklimagipfels abgehaltenen öffentlichen Konsultationsprozesses, initiiert von der Green Economy Coalition, dem Norwegian Forum for Environment and Development und der Global Alliance for Banking on Values, wurden vier zentrale Forderungen an die Politik, konkret die  Entscheidungsträger des Weltklimagipfels Rio+20, gerichtet. Außerdem wurden entsprechende Vorschläge für spezifische Maßnahmen erarbeitet, die zu einer wesentlichen Transformation der gegenwärtigen Finanzbranche  führen werden.  

Grundsätzlich müssen wir uns von dem vorherrschenden Leitbild kurzfristiger Profitmaximierung lösen und auf eine langfristige Werteentwicklung setzen. Gängige Praktiken und Denkweisen von Ökonomie und Bankbranche erzeugen zu viele Anreize, sich auf kurzfristigen Erfolg auszurichten.

Die vier zentralen Forderungen an die Politik und entsprechende Vorschläge für spezifische Maßnahmen sind:

  1. Anreize für private Finanzinstitute zu schaffen sowie neue öffentliche Banken aufzubauen, damit mehr grüne, faire und inklusive Produkte und Dienstleistungen angeboten werden:
    1. Steueranreize für verantwortungsbewusste, längerfristige Investitionen schaffen
    2. Öffentliche Finanzinstitute aufbauen, die öffentliche Finanzierungen für grüne, faire und inklusive Projekte anbieten, welche (noch) nicht vom privaten Sektor übernommen werden können
    3. Pensionsfonds und anderen regulierten Investoren die Flexibilität ermöglichen, in grüne, faire und inklusive Projekte zu investieren,  einschließlich der Entwicklung und Anwendung von Kriterien, die ihnen eine Perspektive der langfristigen Wertschöpfung ermöglichen   
  2. Eine breitere Diversität von Finanzinstituten sicherstellen, um Innovationsmöglichkeiten zu schaffen:  
    1. Die Mindestkapitalanforderungen an (globale) systemrelevante Finanzinstitute erhöhen
    2. Eine Bankhaftungsgebühr einführen, die sich an der Größe der (globalen) systemrelevanten Banken orientiert, um so die Subventionskosten dieser Institute, welche zu groß sind, um zu scheitern („too big to fail“), auszugleichen  
    3. Den erweiterten Berechnungsansatz für risikogewichtete Aktiva (RWA) in den Eigenkapitalvorschriften für Banken abschaffen, um die Vorteile für große Kreditinstitute zu eliminieren  
  3. Reporting-Prozesse verbessern um Kosten und Nutzen über einen längeren Zeitraum relativ zu sozialen und ökologischen Auswirkungen der Finanzprodukte und -leistungen messen zu können: 
    1. Die Einbindung von langfristigen und derzeit nicht gemessenen ökologischen und sozialen Kosten und Nutzen in    Finanzbuchhaltungssysteme erforderlich machen
    2. Diesbezüglich volle Transparenz bei Kreditvergabe, Investmentfonds und Pensionsfonds fordern  
  4. Spekulationen im Finanzsystem, die keinen erkennbaren Nutzen für die Gesellschaft haben, unterbinden:  
    1. Verbot des Eigenhandels durch beaufsichtigte Finanzinstitute, die an Einlagensicherungssystemen angeschlossen sind  
    2. Eine Mindeststeuer erheben auf Finanztransaktionen mit Steuerrückerstattung basierend auf der Dauer, die ein Finanzprodukt gehalten wird
    3. Vorherige Zustimmung einschließlich einer Beurteilung des realwirtschaftlichen Mehrwerts von neuen sowie bestehenden derivativen Finanzprodukten durch die Aufsichtsbehörden

Ziel ist es, eine grüne, faire und inklusive Wirtschaft zu schaffen. Die Entscheidungsträger auf dem Weltumweltgipfel Rio+20 werden gebeten, die Umsetzung dieser Forderungen zu unterstützen.

Die Triodos Bank sagt Nein zu Streumunition

Montag, 26. März 2012

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Facing Finance und Profundo Rechercheergebnisse zu aktuellen Geschäftsbeziehungen deutscher Finanzdienstleister mit Herstellern von Streumunition in Höhe von nahezu 1,6 Milliarden Euro. Fast 90 Prozent dieser Geschäfte betreibt die Deutsche Bank Group, obwohl diese noch im Februar den Ausstieg aus dieser Tätigkeit öffentlich betont hatte.

Die Oppositionsparteien haben dann vergangenen Donnerstag, 22.3., einen Antrag zur Abstimmung im Deutschen Bundestag eingebracht, der ein gesetzliches Investitionsverbot von Streumunition als Ziel hatte. Die Regierungsfraktion hat diesen Antrag abgelehnt. Zeit online sowie ZDF berichteten hierüber.   

Ton Rennen leitet das Nachhaltigkeitsresearch-Team der Triodos Bank und ist u.a. Experte für Rüstungsfragen. Indem die Triodos Bank ein klares Ausschlusskriterium beim Thema Rüstung und Nulltoleranz bei Streumunition und Antipersonenminen hat, sind wir ein Vorreiter im Bankensektor.

Hier ein Beitrag (in Englisch) von Ton zum Thema kontroverse Waffen, zu denen auch Streumunition und Antipersonenminen zählen, und was Investoren hier Positives mit ihrem Geld bewegen können.

Pressure on controversial arms producers can create change

Can investors change the behaviour of controversial arms companies through the instrument of exclusion? Yes! The broad exclusion of arms-makers, and especially the production of controversial arms, has caused changes in that sector.

Triodos has a zero tolerance for arms producers and traders. Even if only a small part of a company’s activities relates to arms or tailor-made arms components, we will not invest in it.  Triodos takes it a step further by also excluding banks that provide loans to or invest in companies that are involved in controversial arms such as anti-personnel mines and cluster weapons. Triodos raises awareness in the investment community on our position and we are glad to see that there is a growth visible in the use of these types of exclusion criteria used by the investment community.

Ban on controversial weapons
The United Nations has adopted several legally binding conventions that ban specific weapons: among others, the Ottawa Convention (1999), which bans anti-personnel mines; and the Oslo Convention (2010), which bans cluster weapons. The legal scope extends to countries that have ratified the conventions, and many countries have done so. Unfortunately however there are several major countries, such as the US, Russia, China and Israel, which have so far refused to sign. But international pressure is mounting. Countries like Belgium, Ireland and New Zealand have even gone a step further by adopting legislation that forbids investment in producers of anti-personnel mines and cluster weapons. Other countries, for example The Netherlands, are also preparing comparable laws.

Triodos challenges other banks
One important aspect of our screening of banks for potential inclusion in our Sustainable Investment Universe is that of banks’ investment in controversial arms producers. Before a bank can be approved, Triodos requires that it has no investments in, or relations with, producers of anti-personnel mines and cluster weapons. As a result of our on-going dialogue with several banks and helped by the growing international awareness for the issue, a number of them have reviewed, or are starting to review policies, and are developing or refining blacklists. In a few cases we have even seen immediate sales of disputed investments as a result of our contact with the bank.

Arms producers are feeling it
The scale of investors’ restrictions seems to be limiting certain arms producers to attract (new) investors, which in turn can limit them in their activities. Recently, an arms producer approached Triodos because its occurrence on the Triodos blacklist of controversial arms producers was causing it problems with a series of investors that make use of our list. A growing number of arms producers issue statements that they are not involved in specified controversial arms. Some of them even explicitly state that they have stopped producing such arms, for example German company Rheinmetall, and Saab from Sweden. Although US arms producers are not bound by their government, they’re also feeling more and more uneasy because of investor criticism. Some major US arms producers, such as L3-Communications and General Dynamics, have also issued comparable statements.

Positive impact
On the one hand we see that banks are developing black lists of companies involved in controversial weapons and on the other hand we see that companies that used to be involved in the production of controversial weapons are suffering from these black lists and are stepping away from these activities. These examples show that exclusion criteria used in determining the sustainable investment can bring about lasting positive change.

Finanzspekulation mit Agrarrohstoffen hat katastrophale Konsequenzen für Entwicklungs- und Schwellenländer

Mittwoch, 01. Februar 2012

Unser Geschäftskunde foodwatch hatte zusammen mit dem Journalisten Harald Schumann im Oktober einen Bericht über Spekulation von Banken mit Rohstoffen wie Mais oder Weizen veröffentlicht. Das Thema ist brisant, denn die Autoren stellen fest: “Mit ihren Wetten treiben Banken die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe und machen sich mitschuldig am Hunger in der Welt.” Sie fordern daher von Finanzinstituten, die Spekulation mit Agrarrohstoffen einzustellen. Erst gestern haben die Medien erneut hierzu berichtet.

Wir wollen euch daher die Position der Triodos Bank zum Thema Spekulation mit Agrarrohstoffen mitteilen. Stellvertretend für unsere Bank schreibt hier (auf Englisch) unser niederländischer Kollege Koert Jansen, der als Fondsmanager in unserem Team für Emerging Markets (Schwellenländer) arbeitet und Experte im Bereich nachhaltiger Handel (Sustainable Trade)  ist. 

Durch seine Aufgabe bei der Triodos Bank arbeitet Koert unter anderem mit Fair Trade-Kaffeeproduzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen. Hierbei fiel ihm bereits 2009 etwas auf: Der Preis für Kaffee auf den Weltmärkten schien immer weniger von den Faktoren Wetter, Angebot und Nachfrage sowie Wechselkursen erklärbar zu sein. Die Triodos Bank bat daher die Universität Utrecht, genauere Analysen durchzuführen. Und das Ergebnis: Spekulationen hatten und haben einen signifikaten Einfluss auf die Kaffeepreise.

Und wer verliert dabei? Die Kaffeeproduzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie trifft es hart. Und was für Kaffee gilt, gilt in noch extremeren Maße für andere Agararrohstoffe, die ganz unmittelbar für die Grundernährung in Entwicklungs- und Schwellenländern eine Rolle spielen.

Aus diesem Grund wollen wir als Triodos Bank zu diesem Thema Position beziehen. Uns ist es wichtig, insbesondere große, institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen auf die negativen Auswirkungen von Investitionen in dem Bereich Agarrohstoffe aufmerksam zu machen und sie dadurch zu einem Umdenken zu bewegen.    

Speculation on food market spells disaster for developing countries (by Koert Jansen, first published in 2009)

Since their creation in the 19th century, the commodity futures market have always played a key role in the different commodity chains. This is where market players are hedging-off their price risks with each other. By doing so, they have created a transparent price setting platform for raw materials such as aluminium, gold and copper, but also those for agricultural products like corn, rice, maize, sugar and coffee. Peruvian coffee farmers, cocoa farmers from Ivory Coast, South African owners of gold mines and oil barons from the Middle East all keep a close eye on the commodity futures markets in New York and London. That is where the price on which they base their day-to-day decision-making emerges.

Take the Peruvian coffee farmer. Should he sell his coffee today or wait a while? Plant new coffee bushes now or delay until next year? And will he be able to repay the loan he will have to take out to pay for them in time?

Until a few years ago, these prices came about on the basis of real market factors: rain and drought, yield per hectare, world stocks, exchange rates and consumer demand. Our coffee farmer could usually reason out why the price moved as it did. Frost in Brazil? That would seriously affect world coffee production – and so the price would rise.

But then, to his amazement (and that of other farmers and traders), coffee prices started to behave less and less according to the logic of supply and demand. To get to the bottom of what was causing this, Triodos Bank commissioned Utrecht University to conduct some research into price movements on the coffee market in the last twenty years. It revealed that, since 2004, price movements have increasingly been determined by financial speculation.

This relatively new form of speculation is a direct consequence of the arrival, through so-called index funds, of institutional investors such as pension funds and other major investors, onto the commodity futures market. Investing through index funds is popular: the volume of trade from index funds has risen in the last five years from 13 billion to over 300 billion dollars. Investors who use index funds buy a “basket” of different raw material futures contracts and speculate on a general price rise. The result is that the price movements of various raw materials go up as a group more often, without this having any foundation in actual economic factors. Besides this, due to their one-sided purchasing behaviour –geared to price rises– investors in index funds create an upwards price effect.

What does this mean for our Peruvian coffee farmer? The weather forecast in Brazil is less and less relevant to the price of his coffee. Instead, the price movement of other commodities such as oil has become more important. Added to that, the direction it takes is increasingly being determined by the total amount of speculative money investors are putting into raw materials in this way.

Such a development, in which prices of raw materials can largely be determined by players outside the production chain, produces significant social consequences. Just think of the impact it makes on 17 to 20 million coffee farmers and their cooperatives, all of whom have to make decisions every day based on the prices on the commodity future markets in New York and London. Coffee farmers who decide to start cultivating more hectares of coffee because prices are high now, more than ever run the risk that the price has fallen sharply by the time they can harvest their crop, because there is no actual corresponding increase in demand.

The greater role played by speculation is not limited to coffee. The conclusions of a recently-published report by the UN Special Rapporteur on the Right to Food, Olivier De Schutter, could not be clearer. In his report, De Schutter shows that the speculative bubble is driving up food prices, such as those of maize, rice, corn and cocoa. The consequences for developing countries, in particular those that have to import food to feed their population, are disastrous. Food is barely affordable, or not at all, for large numbers of the population. De Schutter warns of a new food crisis similar to the one in 2008, when food riots broke out all over the world.

Financial products that have no connection to the real economy lead sooner or later to major problems. That is the hard lesson of the crisis in the financial sector. Triodos Bank argues that major investors should stop investing in index funds. There is a need for a national and international debate on more transparency and balance in the commodity futures markets, because major speculative investors have no place in commodity futures markets.

NRW goes green – von der Energiewende einer Industrieregion

Donnerstag, 12. Januar 2012

In der Oktober-Ausgabe unseres Mehr.Wert-Newsletters berichteten wir von der Energiewende in Nordrhein-Westfalen. Ein wichtiges Thema: Denn mehr als ein Drittel aller deutschen Treibhausgas-Emissionen entsteht in NRW. Grund hierfür: In keinem anderen Bundesland gibt es so viel Schwerindustrie. Man denke nur an das Ruhrgebiet-Klischee von den Fördertürmen der Zechen und den Schornsteinen der Kokereien und der Eisen- und Stahlhütten.

Eine zentrale Rolle in der Energiewende von NRW spielt die EnergieAgentur.NRW. Was die Agentur und das Bundesland für eine nachhaltigere Zukunft im Sinne der Ökologie unternehmen, das wollten wir genauer wissen und haben bei Herrn Goedecke, Energieberater bei der EnergieAgentur, nachgefragt:

 

Herr Goedecke, was genau ist die EnergieAgentur NRW und was sind ihre Aufgaben?

 Die EnergieAgentur.NRW ist eine Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen, die im März 1990 gegründet wurde. Wir werden getragen vom NRW-Klimaschutzministerium. Das heißt, wir sind jetzt im 22. Geschäftsjahr. Seit der Anfangszeit bieten wir Beratung für kleine und mittlere Einrichtungen, als auch Vereine und Verbände in Nordrhein-Westfalen – also für Städte, Gemeinden und mittelständische Unternehmen – in den Bereichen Energieeffizienz und Nutzung unerschöpflicher Energiequellen. Der Erfolg liegt darin, dass wir als neutrale, nicht-kommerzielle Einrichtung fungieren. Natürlich haben sich die Dienstleistungen der EnergieAgentur.NRW im Laufe der Zeit gewandelt – und auch erweitert.

Drei Jahre nach unserer Gründung haben wir Aufgaben in der Energie-Weiterbildung übernommen. Zwar haben wir keine Weiterbildungsakademie, aber wir haben bestimmte Themen methodisch und didaktisch aufbereitet und bieten sie – nebst  geschulten Referenten – professionellen Weiterbildungsträgern an. Zielgruppen in diesem Bereich des Wissensmanagements – wie es heute auch genannt wird – gehen von Fachingenieuren über Handwerker wie Hausmeister bis zu Endverbrauchern – wie zum Beispiel Vermietern und Einfamilienhaus-Besitzern.

Unter anderem greift das Wissensmanagement auch das Nutzerverhalten in großen Einrichtungen, in Verwaltungen und in größeren Unternehmen im Einzelnen auf. Ein herausragendes Projekt, das wir lange Jahre betreuten, ist sicherlich die „Mission E“ bei der Bundeswehr. Dort wurde das Nutzerverhalten der Angestellten teils mit Energiesparinitiativen geschult. Das Projekt wird mittlerweile auf andere Bundesliegenschaften übertragen.

Zudem koordiniert die EnergieAgentur.NRW Netzwerke, das Cluster Energieforschung CEF.NRW und das Cluster EnergieRegion.NRW. In diesem Zusammenhang moderieren wir Foren zum Beispiel für Kraftwerkstechnik – unter anderem im regenerativen Bereich mit Wasserkraft und Windkraft.

Sie haben von Clustern gesprochen: Können Sie den Begriff näher erläutern?

 Cluster sind Netzwerke. Es bedeutet nichts anderes, als dass unterschiedliche Akteure, die in der gleichen Branche tätig sind, Kräfte und Know-how bündeln, um mit der Summe Aller mehr zu erreichen, als es alleine möglich wäre. Beginnt beispielsweise eine Gemeinde ein Biomasse-Projekt, spricht sie dabei mit den Landwirten vor Ort über die Errichtung von Biogas-Anlagen und zieht sie zudem Vertreter der örtlichen Hochschule zu Rate, so entsteht eine solche aktive Verbindung: die Landwirte besitzen Boden, um Substrate anbauen und später wieder ausbringen zu können. Die örtliche Hochschule steuert Forschungsergebnisse bei. Und die Gemeinde realisiert das Biomasse-Projekt.

Grundsätzlich gesprochen sind Cluster eine Antwort auf den globalisierten Wettbewerb, der nicht mehr zwischen Unternehmen, sondern in regionalen Netzwerken stattfindet. Unternehmen profitieren von den Clustern, indem sie auf die Kompetenzen anderer Mitglieder zugreifen und sich auf eigene Kernkompetenzen spezialisieren können.

Sie koordinieren ganz gezielt Projekte, wie z. B. die „50 Solarsiedlungen NRW“: Können Sie ein Beispiel dafür nennen? Was sind die Herausforderungen?

 Die „50 Solarsiedlungen NRW“ in NRW sind ein Erfolgsprojekt, das heute kurz vor dem Abschluss steht und schon einen Nachfolger hat, nämlich „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“. Drei  Kriterien, von denen zwei erfüllt werden mussten, haben zur Aufnahme einer Siedlung in dieses Projekt geführt: erstens ein Mehr an solarthermischer Nutzung, zweitens ein Mehr an Wärmeschutz bis zu Passivhaustechnik und drittens ein Mehr an Solarstromerzeugung. Ebenfalls sind Gesichtspunkte wie Anbindungen an öffentliche Verkehrssysteme zu berücksichtigen. Diese Kriterien, die im Einzelnen von einer Auswahlkommission überprüft wurden, haben dazu geführt, dass die „50 Solarsiedlungen“ heute alle vergeben sind und 37 schon fertig gestellt worden sind.

Was bedeutet konkret „ein Mehr“ an erneuerbaren Energien?

 Ein Mehr an Energieeffizienzsteigerung. Das Unterschreiten der gesetzlichen Energieeffizienzgrenzen war eines der Hauptkriterien, um als Solarsiedlung anerkannt zu werden.

Ist es Zufall, dass eines der ersten Landesklimaschutzgesetze bundesweit  (binnen der nächsten neun Jahre sollen die Treibhausgase in NRW um ein Viertel sinken) in NRW – und damit in einer traditionellen Kohleabbauregion – in Kraft treten soll oder kann man sagen, dass die Menschen hier besonders aus den Folgen Klima belastender Energiequellen gelernt haben?

 Dass NRW ein Klimaschutzgesetz bekommt, ist sicherlich kein Zufall, sondern hängt eng mit der industriellen Geschichte das Landes und seiner Bedeutung als Energieproduzent und -verbraucher zusammen. In keinem anderen Bundesland wird mehr Energie erzeugt – aber auch verbraucht. Wenn hier also ein Klimaschutzgesetz umgesetzt wird, dann wird das Land damit vor allem seiner besonderen Verantwortung als Energieland Nummer eins gerecht. Zugleich gibt es in dieser Energieregion NRW eine Menge an Know-how, dass auch im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien nutzbar gemacht wird.

Das heißt, Ihrer Meinung nach ist ein Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Energiewende in der breiten Bevölkerung schon vorhanden?

 Ja! Also ich arbeite unter anderem im Projekt „EnergieDialog NRW“. Zudem bin ich seit Gründung der Agentur im Bereich Windkraftberatung tätig. Heute erreichen uns sehr viele Anfragen darüber, wie sich die Kommunen oder Kreise im Klimaschutz weiterentwickeln können – wie in der Anfangszeit Mitte der 90er Jahre. Vom öffentlichen Widerspruch zum Beispiel gegen Windkraft ist nur noch selten etwas zu spüren.

Wie sehr ist ein Energiewandel auch von einem gesellschaftlichen Wandel abhängig?

 Neben den Diskussionen über gesamtgesellschaftliche Aufgaben liegen wir im Augenblick in einer Diskussion darüber, inwieweit die Kreditwirtschaft auch von solchen Fragen betroffen ist. Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP in Nairobi, Prof. Töpfer, prognostiziert unter anderem, dass der Wettbewerb um Kapital auch von Anlagenbetreibern erneuerbarer Energien und Energieeffizienzprojekten erfolgreich bestanden werden muss. Ich glaube, dies beschreibt einen Teil der Hürden, die auch in Zukunft noch genommen werden müssen.   

Die Energiewende ist tatsächlich eine komplexe Herausforderung. Zum Beispiel: In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Energieeffizienz pro Quadratmeter und Jahr im Wohnungsbau zwar gestiegen, gleichzeitig die Fläche, die jeder einzelne von uns bewohnt, aber ebenso. Inzwischen steht jedem Deutschen durchschnittlich eine Wohnfläche von bald 45 Quadratmetern zur Verfügung. Vor 20 Jahren waren es noch weniger als 35 Quadratmeter. Unterm Strich steht aufgrund dieses Rebound-Effekts, dass trotz gestiegener Energieeffizienz der Energieverbrauch praktisch nicht gesunken ist. Ein Effekt übrigens, den wir auch aus dem Automobilbau kennen. Die Motoren werden zwar effizienter, der Verbrauch sinkt aber nicht, weil die Autos immer schwerer und leistungsstärker werden. Die Herausforderung ist also nicht nur eine ingenieurwissenschaftlich-technische, es ist mindestens genauso eine mentale Herausforderung. Wir müssen – gerade was unsere Wohn- und Lebensgewohnheiten betrifft – uns verabschieden vom „größer ist besser“ und zu einem „weniger ist mehr“ kommen.

Welche erneuerbare Energietechniken würden Sie als besonders zukunftsträchtig sehen?

 Auch wenn diese Frage im Detail diskussionswürdig ist, stimmt im Großen und Ganzen das Energiekonzept der Bundesregierung und der Landesregierung in NRW in zwei Bereichen, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz fördern: Zum einen ist dies die Nutzung regenerativer Energiequellen und zum anderen die Effizienzsteigerung. Diese beiden Bereiche sind im Kern überall wieder zu finden und machen auch unsere Zukunftsfähigkeit aus, wenn wir als Nation es schaffen, die politischen Beschlüsse umzusetzen und in Zukunft ein wesentliches Mehr an regenerativem Strom in Deutschland zu erzeugen, als das bislang der Fall ist.

Heißt das, unser Weg zu flächendeckender Versorgung durch erneuerbare Energien ist noch sehr weit?

 Laut den jüngsten Statistiken von 2010  liegt der Anteil regenerativen Stroms im Bundesdurchschnitt bei 16,8 %. Das Ziel ist eine Steigerung auf 35 % bis 2020. Das Land NRW hat sich die Aufgabe gestellt, den Anteil des Windstroms von 3% bis 2020 auf 15 % zu erhöhen. Der Anteil erneuerbarer Energien in NRW ist vergleichsweise niedrig, weil viel Strom aus Stein- und Braunkohle gewonnen wird. Wir sind eben „das Energieland NRW“.

Welche sind die langfristigen Ziele der EnergieAgentur.NRW des Landes Nordrhein-Westfalen?

 Das Klimaschutzstartprogramm und die eingeläutete Energiewende geben viele Ziele des Dienstleisters EnergieAgentur.NRW vor. Viele Projekte des Landes NRW sind in den am Anfang beschriebenen Bereichen schon in Auftrag gegeben worden. Diese Projekte wollen wir natürlich auch zum Erfolg führen. Der Weg zur Kosteneffizienz ist das eigentliche Erfolgsrezept.

Sobald eine neue Energieform bezahlbar ist und obendrein noch zusätzlichen Nutzen bringt, hat sie den Durchbruch auf dem Markt geschafft.

Glauben Sie, dass ein Übergang zu 100 % erneuerbaren Energien realistisch ist?

 Viele Wissenschaftler sagen, dass die Vollversorgung aus regenerativen Quellen realistisch ist. Bislang haben wir noch alle Karten in der Hand, das heißt wir haben noch die Gestaltungsmöglichkeiten. Das Ziel zu formulieren, ist also statthaft. Die aktuelle Herausforderung lautet: Soviel wie möglich erneuerbare Energien nutzen. Wenn wir als EnergieAgentur.NRW unseren Beitrag dazu leisten können, dass der Anteil an regenerativen Energien und Energieeffizienz steigt, dann haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.

Autor: Simon Opydo, bei der Triodos Bank im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig

„Zukunft finanzieren“ – im Gespräch mit Thomas Gutberlet von tegut…

Mittwoch, 05. Oktober 2011

In unserer vorletzten Ausgabe des Mehr.Wert-Newsletters hatten wir ein Interview mit Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von tegut… veröffentlicht. Aufgrund der vielen positiven Ressonanz, die uns daraufhin erreicht hat, gibt es nun auch eine Langversion des Interviews mit weiteren sehr spannenden Aussagen von Herrn Gutberlet. Viel Spaß beim Lesen!

„Zukunft finanzieren“
Gespräch mit Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von tegut…

In den 1970er Jahren hat Ihr Vater, Wolfgang Gutberlet, erste Akzente in Richtung Nachhaltigkeit gesetzt. Was hat er damals anders im Vergleich zum Wettbewerb gemacht?

Als mein Vater in das Unternehmen gekommen ist, hat er sich zuerst die Frage gestellt: Wie arbeiten wir bei tegut… zusammen? Er hat das Unternehmen von seinem Vater, Theo Gutberlet, übernommen, der es im Sinne einer christlich-kaufmännischen Tradition aufgebaut hatte, stark verwurzelt in der Region. Sein Vater war ein Pionier, das Unternehmen ganz auf seine Person fokussiert. Auf diese Weise wollte und konnte mein Vater das mittlerweile stark gewachsene Unternehmen tegut… nicht leiten. Er führte gruppendynamische Seminare ein, in denen es um eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit ging.

Das geschah in den 1970er Jahren. Er stellte sich damals zudem die Frage: Was verkaufen wir eigentlich? Gibt es auch eine Definition für die Qualität von Lebensmitteln? Im Zuge dessen ist mein Vater auf Bio-Lebensmittel gestoßen, indem er die „Lebensgemeinschaft Sassen“ kennen lernte. Diese Einrichtung kümmert sich um Behinderte in der Region und betreibt eine biologisch-dynamische Landwirtschaft. Meine Familie lebte damals bereits auf einem Bauernhof, mit Schafen und Rindern – und da hat sich mein Vater gefragt: Wie lässt sich vernünftig Landwirtschaft betreiben? Wie kann man Grundlagen für gesunde Lebensmittel legen? Ich selbst kam 1977 auf eine Waldorfschule und hatte auch dort die Möglichkeit, Bio-Landwirtschaft mitzuerleben.

1982 kamen Bioprodukte bei tegut… in die Regale der Märkte – in einer Zeit, in der Biolebensmittel noch ein Nischenthema waren.

Das erste Bio-Produkt in unseren Märkten war ein Bio-Brot von der Lebensgemeinschaft in Sassen. Was ins Sortiment kam, wurde vorher in der Familie getestet. Es gab einen ersten Bioladen in Fulda, da wurde eingekauft. Unsere Überlegung war: Diese Produkte muss es auch bei tegut… geben! Denn im Grunde muss Bio für jeden zugänglich sein. Wir haben versucht, Landwirte zu finden, die für uns Biomilch produzieren. Bald kam ein Kontakt mit Götz Werner und Götz Rehn zustande, wodurch im Dreierteam das Unternehmen „Alnatura“ aus der Taufe gehoben wurde. Alle waren auf der Suche, man hat sich getroffen – und daraus ist etwas Neues entstanden. Schließlich haben wir gesagt: Wir nehmen alle Produkte ins Sortiment, die „Alnatura“ entwickelt.

Heute gibt es bei tegut… über 3.000 Bioprodukte, was rund 20 Prozent des Sortiments entspricht. Warum haben Sie nicht vollständig umgesattelt und zu 100 Prozent Biowaren in Ihre Regale gestellt?

Wir sind ein Unternehmen, das seit 1947 existiert – entstanden aus einem Tante- Emma-Laden und hineingewachsen in die Rolle des Vollversorgers. Wir versuchen, das Unternehmen schrittweise zu verwandeln. Genauso wie wir unsere Kultur weiterentwickeln, verändern wir auch unser Sortiment. Die meisten Menschen ernähren sich nicht zu 100 Prozent von Biolebensmitteln. Da gibt es eine Gruppe, die sich zwar biologisch ernährt, aber keine Biotextilien trägt oder keine Naturkosmetik verwendet. Es bezieht auch nicht jeder Ökostrom. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie weit er in dieser Frage geht. Wir wollen unsere Kunden nicht erziehen, sondern sehen Sie als mündige Verbraucher, die ihre eigenen Entscheidungen treffen, denn jeder hat seine Präferenzen – und das versuchen wir abzubilden. Ich kann immer nur Angebote machen und die Menschen informieren, ich kann sie nicht dazu zwingen, Biolebensmittel zu kaufen. Somit sind wir ein Lebensmittelfachmarkt, der mit einem Bioanteil von 20 Prozent einmalig im deutschen Einzelhandel ist. Wir sind also kein reiner Bioladen. Diese Rolle hat das Unternehmen „Alnatura“ übernommen, das damit auch diese Nische bedient. Denn Bioläden sind immer in einer Nische zu Hause, in kleineren Orten findet man sie fast gar nicht. Da brauchen Sie mindestens 100.000 Einwohner. Wir können aber sogar auf die Dörfer gehen, wir haben Läden in Dörfern mit 1.000 Einwohnern und bieten dort 30 bis 40 Prozent Biowaren an. Wir schaffen es, Biowaren bis in die entlegensten Winkel zu bringen, wozu ein reiner Bioladen nicht in der Lage ist.

In diesem Zusammenhang liegt uns ein besonderes Projekt am Herzen: die Nahversorgung des ländlichen Raums. Es gibt zunehmend Gemeinden mit 1.000 oder 2.000 Bürgern, die keinerlei Lebensmittelversorgung mehr haben und denen auch weitere Dienstleistungen fehlen. Es gibt dort viele ältere Menschen, diese wollen oder können nicht mehr mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Wir haben jetzt eine Initiative gestartet, die sich „tegut… Lädchen für alles“ nennt. Wir arbeiten da teils mit Wohltätigkeitsorganisationen und eng mit den Gemeinden zusammen, um kleine Läden mit bis höchstens 300 Quadratmetern zu betreiben.

Was steckt hinter der Initiative „tegut… FAIRbindet“?

Es gibt Organisationen, die sich mit fairem Handel beschäftigen. Wir wollten aber nicht alle Beziehungen an Fremde auslagern, weil wir gerne im persönlichen Kontakt mit den Landwirten stehen. Die sind manchmal sehr weit weg, zum Beispiel die Bananenbauern in der Dominikanischen Republik. Den Kontakt nehmen wir trotzdem selbst in die Hand: Wir reisen dorthin und prüfen vor Ort, ob unsere Vorstellungen von Biolandwirtschaft verwirklicht werden. Vor Ort haben wir die Menschen überzeugt, Bananen-Plantagen anders anzulegen und Zwischenpflanzen anzubauen. Sie sollen anfangen, sich wieder selbst zu versorgen, wodurch sie unabhängiger vom Bananenpreis sind. Wenn ich ausschließlich für den Export produziere, bin ich nur von meinem Einkommen abhängig, um meine Familie zu ernähren. Baue ich aber Nutzpflanzen wie Maniok an, ändert sich meine Situation.

Unsere Kleinanbauer in der Dominikanischen Republik sind selbständig. Sie haben in ihrer Plantage zunehmend in jeder 3. Reihe ein Alternativprodukt und bauen auf der neuen, freien Fläche Produkte für den Eigenbedarf an. Der Effekt ist erstaunlich: Insgesamt haben sie auf ihrer Plantage so viele Bananen wir vorher, weil die übrigen Stauden mehr tragen, und sie sichern ihre Existenz zusätzlich durch Eigenanbau. Durch die Sorten-Differenzierung und Artenvielfalt wachsen die Bananen viel besser. Da zeigt sich wieder, dass Monokulturen keine Anbauvariante mit guten Ergebnissen sind. Sie führen eben nicht zu mehr Ertrag pro Hektar. Wir finden, diese Form von fairem Handel, die zudem die Eigenständigkeit der Anbauer sichert, besser, als einfach eine anonyme Banane mit einem höheren Preis anzubieten.

Fairer Handel spielt bei Ihnen aber auch in Deutschland eine Rolle, ein Beispiel ist der „Milchfonds“, den Sie ins Leben gerufen haben.

Wir haben am Milchpreis gearbeitet und einen „Milchfonds“ gegründet. Die Frage war: Was ist eigentlich ein fairer Milchpreis für den Landwirt? Der Auszahlungspreis für die Landwirte war deutlich gesunken. Diese Preissenkung um sieben Cent machte sich auch bei unserem Einkaufspreis bemerkbar. Doch wir haben sie nicht an den Verbraucher weitergegeben, sondern nutzen die Preisdifferenz seitdem, um Projekte zu finanzieren, die den Landwirten eine Veränderung ihrer Systeme möglich machen. Es geht nicht darum, einfach sieben Cent an die Landwirte auszuzahlen. Vielmehr versuchen wir Projekte zu realisieren, bei denen Landwirte ihre Milchproduktion in die eigene Hand nehmen oder neuartige Genossenschaften bilden. Wir wollen die Kunden dabei mitnehmen. So unterstützen wir Schulmilch-Projekte. Eine andere Initiative ist die Einführung von Vorzugsmilch; Der Landwirt liefert wieder direkt an die Filiale. Kann nicht ein Landwirt wieder selbst den Vertrieb seiner Produkte übernehmen? Auf neue, moderne Art und Weise? So sinkt auch der Ressourcen-Verbrauch auf dem Weg zum Kunden. Das alles läuft unter unserer Initiative: „tegut… FAIRbindet“.

Wie engagieren Sie sich für Lebensmittel ohne Gentechnik?

Wir halten Gentechnik auf Äckern nicht für tragfähig, ob bei uns in Deutschland oder in der ganzen Welt. Als Lebensmittel-Unternehmen engagieren wir uns für gentechnikfreie Produkte, weil wir als Teil dieser Branche eine große Verantwortung für die Lebensmittelversorgung zukünftiger Generationen haben. Bei unseren Eigenmarken haben wir sehr früh auf den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen verzichtet; da war es nur konsequent dies auch auf Futtermittel auszudehnen. So haben wir auch als erste unser gesamtes Frischei-Sortiment auf „Ohne Gentechnik“ umgestellt und haben es ebenso bei unserer Eigenmarken-Milch und unseren Eigenmarken-Milchprodukten geschafft, wie bei unserem Eigenmarken-Schweinefleisch- und unseren TK-Geflügelprodukten.

Sie verkaufen bei tegut… nur Fisch aus nachhaltiger Fischerei?
 
Wir führen in unseren Theken nur noch Fisch, der entweder biozertifiziert ist oder aus nachhaltiger Fischerei kommt. Das gilt auch für alle Eigenmarken, aber noch nicht für die letzte Konserve im Sortiment. Das ist immer verbunden mit einer Verzichtsübung; auch für den Kunden, denn an unserer Fischtheke haben wir eine ganze Reihe von Sorten aus dem Angebot genommen. Bei Konserven arbeiten wir noch daran: Wir sind nicht so mutig gewesen, auf einen Schlag das gesamte Sortiment umzustellen, da müssen wir schrittweise vorgehen, um unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, sich dem Weg anschließen zu können.

Warum fordern Sie ein Bewusstsein für die gesamte Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft?

Faire Landwirtschaft heißt: Alle Mitspieler müssen sie als fair empfinden. Oft wird gedacht, Fairness bedeutet, der Landwirt bekommt mehr Geld für seine Produkte. Wenn damit aber der Kunde nicht einverstanden ist, wird daraus kein fairer Handel. Das geht nur über ein entsprechendes Bewusstsein: Was passiert eigentlich in der Wertschöpfungskette? Den Kunden sollte man erklären: Passt auf, Ihr zahlt nicht für die Vergangenheit; Ihr habt falsche Zahlungsvorstellungen. In Wirklichkeit finanziert Ihr Zukunft. Wenn die Kunden uns heute für Waren Geld geben, bezahlen wir ja nicht die Ware, die sie gekauft haben. Vielmehr erwerben wir damit neue Waren, die der nächste Kunde kaufen kann, oder geben finanzielle Mittel, mit denen zukünftig Produkte erzeugt werden können.

Es geht also um die Gestaltung der Zukunft?

Ja, denn das bedeutet: Wenn wir jetzt auf den Milchpreis schauen, lautet die Frage nicht, ob das Geld dem Bauern heute reicht. Wenn er zurückhaltend lebt und nicht viel Geld ausgibt, kann er vielleicht ein Jahr durchstehen. Aber er kann keine Zukunft gestalten, keinen neuen Stall bauen, ihn nicht erhalten oder renovieren. Er kann auch keine neuen Zäune bauen. Wir finanzieren seine Zukunft, das ist die eine Seite der Medaille. Die andere sieht so aus: Wir müssen bei den Landwirten um Verständnis werben, dass es in Deutschland wirklich Menschen gibt, die arm sind. Das sind sicher 10 Prozent der Bevölkerung. Dieser Teil der Gesellschaft will sich trotzdem gesund ernähren. Also müssen wir aufpassen, dass wir bei den Preisen nicht überziehen. Es kommt auf Ausgewogenheit an, wir brauchen Produkte, die nachhaltig und gesund sind – und trotzdem von armen Familien erworben werden können.

Landwirte sollte man fragen: Haben Sie sich beim Kauf Ihres letzten Traktors Gedanken gemacht, wie viel Geld der Felgen-Produzent bekommen hat? Wir verlangen heute vom Kunden, dass er sich beim Milchkauf überlegt, was der Landwirt dafür erhalten hat. Dann muss sich aber auch der Landwirt klar machen: Was hat eigentlich der Motorfabrikant bekommen, was der Traktor- oder Saatgutverkäufer? Wenn ich von anderen verlange, dass sie an mich denken, muss ich in derselben Weise an sie denken. Man muss einen Wertschöpfungsstrom erleben – und erkennen: Ich selber bin ein Teil davon.

Das ist für uns Händler wichtig, weil wir immer eine Mittlerrolle einnehmen. Bei uns sagen die Kunden: „Ihr seid zu teuer!“ Und die Landwirte sagen: „Ihr gebt uns zu wenig Geld!“. Wir können den Landwirten nur mehr bezahlen, wenn die Kunden bereit sind, für Qualität angemessene Preise zu akzeptieren. Und den Kunden können wir bessere Preise machen, wenn wir die Prozesse mit unseren Lieferanten möglichst effizient gestalten.

Die Fragen stellte Ingo Leipner (Textagentur EcoWords).

Nachhaltig unterwegs – mit der Triodos Bank in Amsterdam

Mittwoch, 28. September 2011

 

Tulpen uit Amsterdam“ – Tulpen aus Amsterdam. So lautet ein weithin bekanntes niederländisches Lied. Aber Amsterdam ist mehr als Tulpen. Amsterdam, das sind auch die Grachten, das ist insbesondere Kultur – und nicht nur das Van-Gogh-Museum. Die Stadt, die nur einen Katzensprung entfernt liegt vom Triodos Ursprungsort Zeist, hat so manche Sehenswürdigkeit zu bieten. Und die Triodos Bank war und ist nicht immer ganz unbeteiligt. Deshalb wollen wir einige nachhaltige Projekte aus den Bereichen Kultur, Soziales und Umwelt vorstellen, welche die Triodos Bank in Amsterdam finanziert hat und die durchaus eine Reise wert sind.   

Das verlängerte Wochenende steht vor der Tür. Liebe Triodos Kunden, wie wär´s mit einem Abstecher zu unserem holländischen Nachbarn? Schaut euch an, was ihr in Amsterdam mit eurem Geld Nachhaltiges bewegen könnt. Folgend eine Auswahl der von der Triodos Bank finanzierten Projekte. Wer alle Projekte einsehen will, die wir in Amsterdam finanzieren, und die einen Besuch lohnen, schaut auch auf unsere google.maps Seite ”Mit meinem Geld beweg ich was“.

Tipps zur Unterkunft

Amsterdam-Reisende sollten einmal im 4-Sterne Eden Amsterdam Manor Hotel residieren. Das monumentale, 1891 errichtete Bauwerk liegt im Osten des Amsterdamer Zentrums, wenige Fußminuten entfernt vom „Centraal“ Bahnhof. Früher diente das nachhaltig renovierte Gebäude als Spital, in dem nicht nur „Fußball-König“ Johan Cruyff (sozusagen der holländische Franz Beckenbauer) geboren wurde, sondern in dem auch die niederländische Königsfamilie ihre Wunden kurierte. Das komfortabel eingerichtete Hotel lässt keine Wünsche offen. Seine lichtdurchfluteten und weitläufigen Räume wirken heute genauso einladend wie zu royalen Zeiten. Das Eden Amsterdam Manor erfreut sich großer Beliebtheit und sollte deshalb weit im Voraus gebucht werden (für dieses Wochenende leider etwas zu knapp).

Für den sparsamen Touristen lautet das Alternativangebot „Stayokay Zeeburg“. Die Erfinder dieses mit der Euroblume (dem EU-Umweltzeichen) ausgezeichneten Hostels setzen innen auf: modern, gesellig, bunt. Von außen mutet das östlich des Zentrums gelegene Gebäude an wie eine Mischung aus Burg und Fabrikgebäude. 

Tipps für Kulinarisches  

Brasserie Harkema. Das Restaurant in der Straße Nes im Zentrum Amsterdams ist den klassischen Pariser Brasserien nachempfunden und bietet so ziemlich alles, was das Schlemmerherz begehrt: Fisch und Fleischspezialitäten, Gemüse und Obst, allerlei hochwertige Weinsorten und leckere Desserts. Natürlich weitestgehend aus biologischen Zutaten. Das Konzept: In einem ehemaligen Fabrikgebäude entstanden mehrere Säle, in denen heute in vornehmem und modernem Stil gespeist werden darf. Beim Interieur wurde viel Wert auf natürliche Materialien gelegt. Im Außenbereich winkt bei schönem Wetter eine Terrasse als Ruheoase inmitten des Amsterdamer Zentrums.   

 Jamie Oliver: Dieser Name ist seit Langem auch mit sozialem Engagement eng verbunden. Der britische (TV-)Koch hat mit den „Fifteen“ Restaurants ein Projekt aufgebaut, das jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen die Chance eröffnet, eine Berufsausbildung zu machen. Das Fifteen Amsterdam tischt „modern mediterran mit italienischen Einflüssen“ auf. Dabei greift das Küchenteam ausschließlich auf nachhaltige und saisonale Produkte zurück. Hungrige und Neugierige finden das Lokal an der Straße Piet Heinkade – im Jollemanhof 9.

 Kulturelle Tipps

Amsterdam und Umgebung offerieren ein reichhaltiges kulturelles Angebot. Da gibt es Theater, Opern, Museen und Architektur zu bewundern. Und es gibt Carina Riezebos: Alle, die sich gern ins Glashaus wagen, sind bei ihr genau richtig aufgehoben. Carina arbeitet mit Glas und wandelt dabei auf dem schmalen Grad zwischen Kunst und Anwendungsgegenständen. Ihre Arbeiten sind mal Vasen mal Schalen, mal schlicht mal aufwendig verarbeitet. Immer jedoch sind sie edel und höchst elegant. Carinas Studio befindet sich etwa 20 km von Amsterdam entfernt im Ort Velsen-Noord.

 Zeitgenössische Kunst in W139: Für ideenreiche und innovative Köpfe ein Volltreffer. Das W139 ist Produktions- und Ausstellungshaus zugleich. In der Straße Warmoesstraat 139 (daher der Name „W139“) im Amsterdamer Zentrum gelegen, beheimatet es die Kreativen der Stadt, die dort für Neugierige sichtbar „ihr Handwerk“ ausüben. Jeder kann kostenlos hin – und sogar mitmachen. Viele haben das schon getan: Seit seiner Eröffnung 1979 erlebte das W139 bereits über 425 Ausstellungen und gewann im Jahre 2004 den Amsterdam Prize for the Arts. 

Ausflugstipp

Wer es gerne rustikal mag, sollte einen Abstecher zum Segelschiff Maria Antonia machen. Die Maria Antonia durchkreuzt im Sommer das IJssel- und das Wattenmeer unter Skipperin Josje Cuperus, die ihre Gäste dabei an der Magie des Segelns teilhaben lässt. Im Winter wird das Schiff zu einem Hotel umfunktioniert. Dann liegt es im Zentrum von Groningen vor Anker und lädt mit sechs Zweierkabinen zu preiswerten und kuschelig warmen Übernachtungen, auf Wunsch auch mit Frühstück.Die Maria Antonia wurde 1910 erbaut und 2004 renoviert. Das Segelschiff bietet nun einen gemütlichen und modernen Innenraum, während an Deck die Segel wie vor 100 Jahren mit Winde und Tau gehisst werden.

 Wir hoffen, wir konnten durch unsere Anregungen im ein oder anderen die Reiselust wecken. Wenn ja, wünschen wir eine schöne und erlebnisreiche Zeit in Amsterdam! “Tot ziens!” – (“Tschüss” auf Holländisch)

 P.S. Reiseerfahrungen dürfen gerne an dieser Stelle ausgetauscht werden.

Unser Kreditkunde Heggelbach Hof feiert 25-jähriges Jubiläum

Mittwoch, 06. Juli 2011

Anfang Juni feierte unser Kreditkunde Heggelbach Hof sein 25-jähriges Jubiläum – wir waren vor Ort (nördlich vom Bodensee, nahe Herdwangen), um dem Geburtstagskind persönlich zu gratulieren.

Der Heggelbach Hof ist eine Hofgemeinschaft bestehend aus fünf Familien unterschiedlichster Generationen. Die Hofbewirtschaftung ist biologisch-dynamisch (Demeter), insgesamt umfasst der Hof 145 Hektar. Es gibt dort 45 Braunviehkühe (plus Nachzucht), aus deren Milch in der eigenen Hofkäserei wunderbarer Käse gemacht wird, der das Aroma des selbstangebauten Kleesgrases hat. Zudem suhlen sich rund 250 rosa Schweine kollektiv im Dreck. Außerdem gibt es eine kleine Schafherde, Hühner und Gänse.

Ebenfalls wird auf dem Heggelbach Hof viel Gemüse angebaut: Zwiebeln, Zuckermais, Rote Bete, verschiedene Selleriesorten, Kartoffeln, Pastinaken, Wurzelpetersilie. Und es gibt Getreidebau, Feldfutterbau und Ölfrüchteanbau. Mit letzterem soll eine möglichst umweltschonende und extensive Gewinnung von Pflanzenöl als Treibstoff für die Hof-eigenen Traktoren ermöglicht werden.

Und nicht zu vergessen: es gibt drei Ferienwohnungen auf dem Hofgelände (vielleicht noch ein Urlaubstipp für die Herbstferien!?).

Auf der 25-Jahr Feier konnte man sich als Gast von der Lebendigkeit und dem Zusammenhalt der Hofgemeinschaft sowie von der Qualität und der Natürlichkeit des Demeter-Betriebes überzeugen. Es gab köstliches Essen, hergestellt mit den Produkten des Hofes. Vorträge (u.a. auch zum Thema Finanzierung, an dem unser Geschäftsleiter Alexander Schwedeler teilnahm) sowie thematische Führungen durch den Hofbetrieb bildeten das Rahmenprogramm. Für Spiele für die vielen anwesenden Kinder war gesorgt und es gab verschiedene Stände von Geschäftspartnern des Hofes – so auch ein Stand der Triodos Bank, an dem wir viele schöne Gespräche mit Menschen führen konnten, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verbunden fühlen. Der neue grüne Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg war höchst persönlich angereist, um dem Heggelbach Hof zu gratulieren und zu betonen, dass er sich für den Ausbau der biologischen Landwirtschaft im Bundesland einsetzen wird.

Der Heggelbach Hof, der seit diesem Jahr Kreditkunde der Triodos Bank ist, spielt in seiner Region eine wichtige Rolle für die regionale Landwirtschaft. Diese Akzeptanz und diesen Erfolg haben sich die Heggelbacher über 25 Jahre hart erarbeitet. Was zunächst als Gruppe von “Hippies” von der lokalen Bevölkerung kritisch beäugt und belächelt wurde, gilt nun als Vorzeigebetrieb in der ganzen Bodenseeregion und unter den Demeter-Betrieben in Deutschland. Wir gratulieren herzlich zu dieser tollen Leistung.   

In unserer August-Ausgabe des TriodosNewsletters werden wir dem Heggelbach Hof ein größeres Porträt widmen – hier können Sie dann mehr über die spannende Geschichte des Hofes sowie über die Ziele und Visionen der Heggelbacher für den eigenen Betrieb, aber auch die Zukunft der biologischen Landwirtschaft lesen. Gleich hier den TriodosNewsletter abonnieren! 

Weltladen Reloaded – der Fair Trade Shop in München

Mittwoch, 08. Juni 2011

Fair Trade Shop Gründer Heiko Harms und Peter Eicher

Am 26. Mai 2011 war es soweit. Unser neuer Kreditkunde, der „Fair Trade Shop“, öffnete seine Türen im Herzen von München in den frisch sanierten Stachus-Passagen. Die Gründer Heiko Harms und Peter Eicher wagen damit eine Neudefinition des Weltladen-Konzepts. Und die Triodos Bank begleitet sie dabei als Finanzierungspartner. Unser Kollege Götz Feeser, als Relationship Manager für die Kreditvergabe an Unternehmen und Institutionen im Bereich Sozialwirtschaft und Kultur zuständig, berichtet:

Nachdem wir erste tolle Fotos des fertiggestellten Fair Trade Shops von der offiziellen Eröffnung am Freitag, 27. Mai gesehen hatten, waren mein Kollege Richard Günther und ich sehr gespannt, uns selber vor Ort ein Bild zu machen und hatten hierzu direkt am Samstag, 28. Mai Gelegenheit: Gemeinsam mit den Gründern sowie Geschäftspartnern und vielen weiteren Menschen feierten wir den Start des Ladens. Wir waren sehr beeindruckt, sowohl von dem gelungen Design des Ladens als auch von dem Kreis an unterschiedlichsten Menschen, die das Projekt mit begleiten und unterstützen.

Der Fair Trade Shop ist wirklich super zentral gelegen in München. Wenn man eintritt, wird man von einem modernen, ästhetischen, aber gleichzeitig einladenden Ambiente empfangen. Auf einer Verkaufsfläche von 60 Quadratmetern werden ausgewählte Artikel des gehobenen Segments aus Fairem Handel angeboten. Viele Artikel sind zudem zusätzlich aus ökologischer Herstellung. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Mir haben insbesondere die schönen  Bambusschalen aus Vietnam gefallen (sehen wirklich schick aus) und sehr überzeugend war die Rotweinempfehlung aus Südafrika. Ansonsten gibt es Mode aus Bio-Baumwolle, schöne Taschen und weitere Non-Food-Artikeln, aber auch Food-Artikel wie gute Schokolade (bis zu 85% Kakaoanteil) oder Hochlandkaffee aus Bolivien, beides schön zum Verschenken.

Der Fair Trade Shop setzt stark auf Transparenz. So wird man als Kunde auf Wunsch von den vier freundlichen Verkäuferinnen genau informiert, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt wurden und wie faire Handelskonditionen dazu beitragen, die Existenz der Hersteller sowie gerechte Löhne und soziale Arbeitsbedingungen zu sichern. Die Kombination aus Expertise im Fair-Handels-Bereich und Erfahrung im Einzelhandel zeichnet den Fair Trade Shop aus – zu dem neuen Team kann ich nur gratulieren. Ich habe mich als Kunde sehr gut beraten und wohl gefühlt.

Die Gründer des Fair Trade Shops, Heiko Harms und Peter Eicher, sind seit mehr als 20 Jahren in der Fair-Handels-Branche tätig. Sie beraten seit den 90er Jahren unter anderem die klassischen Weltläden in Marketingfragen. Hierbei machen sie immer wieder die Erfahrung: Der wirtschaftliche Erfolg der Weltläden hängt stark von der Standortfrage ab: je besser die Lage, desto höher die Umsätze. Dennoch scheuen die Weltläden in der Regel das finanzielle Risiko, in Zentrumsnähe zu eröffnen. Anders der Fair Trade Shop, der mit den Stachus-Passagen bewusst eine der belebtesten Einkaufspassagen Münchens, die täglich von bis zu 160.000 Besuchern frequentiert wird, als Standort gewählt hat.

Und Fairer Handel boomt. Immer mehr Verbraucher achten darauf, dass Produkte nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gerecht hergestellt werden. Laut einer aktuellen Studie vom Mai 2011 gaben deutsche Verbraucher im vergangenen Jahr 340 Millionen Euro für Transfair-gesiegelte Produkte aus – eine Steigerung von 27 Prozent gegenüber 2009. Beste Voraussetzungen also für den Erfolg des Fair Trade Shop.

Deshalb haben wir uns auch als Triodos Bank entschieden, dem Fair Trade Shop einen Kredit zu geben. Dieser ist Teil eines innovativen Gesamtfinanzierungskonzepts, das wir gemeinsam mit den Gründern des Fair Trade Shop entwickelt haben. Denn neben uns als Kreditgeber haben sich Freunde und Bekannte mit Kapital in Form von Genussrechten an der Shop-Gründung beteiligt. Wir sehen als Bank die Genussrechte als Erweiterung des Eigenkapitals an und in der Bürgengemeinschaft von Menschen aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld der Gründer eine zusätzliche Sicherheit.

Für wen München zu weit weg ist, dem kann ich dennoch einen positiven Ausblick geben. Denn langfristig sollen in größeren Städten bundesweit weitere Filialen des Fair Trade Shops entstehen.

„Gute Güter“ auf der goodgoods

Mittwoch, 01. Juni 2011

Faire Limonaden schlürfen, umweltfreundliche Autos von Tesla Probe sitzen, ökofaire Mode und innovative Produktdesigns bewundern – all das taten am vergangenen Wochenende rund 10.000 Messebesucher auf der goodgoods. Die Hamburger Messegesellschaft lud erstmalig zu der neuen Messe für nachhaltigen Konsum in die diesjährige Umwelthauptstadt Europas ein.

Per Bahn Angereiste wurden direkt vom Bahnhof mit Fahrradrikschas zur Messe  chauffiert. Hier war die Atmosphäre klasse: 90 größere und kleinere Unternehmen und Organisationen informierten über ihre Nachhaltigkeit und die ihrer Produkte und Dienstleistungen. Verschiedenste Lebensbereiche  wie „goodfood“, „goodmobility“, „goodhome“ oder „goodmedia“ waren vertreten. Das gefiel den Besuchern. Sie schauten sich im Fashion Cube Kollektionen von glore, Maygreen und Otto an, lernten im Fachforum von Michael Braungart und Ernst Ulrich von Weizsäcker über verschiedene Ansätze zur Lösung unseres Müllproblems und kreierten in der „Do it yourself-Welt“ eigene Gebrauchsgegenstände aus „nutzlosen Wertstoffen“ (ungleich Müll!) – so wurden zum Beispiel Lampen aus alten Schallplatten designt.

Auch an unserem Triodos Bank Stand war es spannend: Gerne beantworteten wir alle Fragen von „Was hat denn eine Bank mit Umweltschutz oder Bildung zu tun?“ bis „Wie viele Haushalte werden heute mit den erneuerbaren Energien versorgt, die ihr finanziert habt?“ (das sind übrigens europaweit weit über eine Million Haushalte). Es hat uns große Freude bereitet, uns mit den an Nachhaltigkeit hoch interessierten Besuchern auszutauschen – und zudem einige unserer Kunden zu treffen.

Darüber hinaus wurde im Fachforum des Vereins für ethische Investoren (CRIC) zum Thema „Möglichkeiten und Effekte nachhaltiger Geldanlagen“ diskutiert, wie Menschen mit ihrer Geldanlage etwas bewirken. Wenn Menschen ihr Geld einer Nachhaltigkeitsbank anvertrauen, können damit Kredite an Unternehmen und Organisationen vergeben werden, die für eine lebenswerte Zukunft arbeiten. Wir von der Triodos Bank finanzieren Akteure u.a. in den Bereichen ökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energien, Sozialwirtschaft und Bildung. Unser Kollege Eike Zimbehl, Mitglied der Geschäftsleitung, gab in dem Fachforum von CRIC einen Einblick in die Gründungsmotivation unserer Bank. Schon 1980 wollten die vier Gründer in den Niederlanden durch den bewussten Umgang mit Geld zu einer nachhaltigen Gesellschaft und einer besseren Lebensqualität beitragen.

Die goodgoods war aus unserer Sicht eine tolle Messe, auf der sich interessierte Menschen persönlich die Nachhaltigkeit verschiedener Produkte und ihrer Produzenten unter die Lupe nehmen können. Wir würden uns freuen, wenn die Messe so weiter macht!

Vision Summit -Weitere Eindrücke

Dienstag, 26. April 2011

Auf dem Vision Summit beeindrucken und motivieren mich immer die vielen Gespräche und die Vorstellung der tollen Projekten von Social Enterpreneurs. Auf diesem Weg möchte ich auf einige dieser faszienierenden Intivativen hinweisen.

- Das Ökosoziale Klimaschutzprojekt von Soil&Energy. Unser Kunde handelt nach dem Motto von Konfuzius “Wer Bäume plfanzt, wird den Himmel gewinnen”. Hier wird man zum “Treepreneur”.

-  Das Projekt Arche Metropolis. Ein Kunstprojekt zu den Chancen und der Entwicklung der urbanen Gesellschaft im 21. Jahrhundert des Nama Rupa Kunst für Geist & Körper e.V. Dieses Projekt in Berlin Tempelhof wird von Tarik Mustafa und Martin Wittau betrieben.

- Die Plattform für soziale Investoren: Phineo gAG. Phineo baut eine Brücke für alle, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. Diese Brücke verbindet Soziale Investoren und gemeinnützige Organisationen.

- Natürlich das Magazin enorm. Das Magazin enorm ist ein unabhängiges Wirtschaftsmagazin, das an die Überwindung ökosozialer Missstände über Social Business, Social Entrepreneurship und soziales Unternehmertum glaubt.

- doonited inspiriert Menschen, in ihrem Alltag Gutes zu tun und dadurch einen nachhaltigen Wandel zu bewirken.

Dies ist natürlich nur ein Ausschnitt von den vielen inspirienden Intivativen, die man auf dem Vision Summit kennenlernen konnte.