Archiv für die Kategorie ‘Soziales’

Fair Trade Shopping – oder auch:“Weniger ist mehr!“

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Wieder einmal bewegen wir uns in Schwindel erregendem Tempo auf Weihnachten zu. Und wie jedes Jahr stellt sich die Frage, was wir unseren Lieben zu Weihnachten schenken wollen. Antwort geben auf diese Frage kann Heiko Harms, Mitbegründer des ersten Fair Trade Shops in München, im Interview mit der Triodos Bank. Außerdem spricht unser Kreditkunde über den Zusammenhang von Weihnachten und Fair Trade und zieht Bilanz für das erste Geschäftsjahr des Fair Trade Shops München.
Wer sich für fairen Konsum interessiert, sollte außerdem unseren Beitrag dazu in der aktuellen Ausgabe des Triodos Mehr.Wert-Newsletters lesen.
 

Herr Harms, gibt es in Ihren Augen eine Verbindung zwischen Fair Trade und Weihnachten?

Fair Trade und die Weihnachtszeit passen natürlich sehr gut zusammen. Geschenke aus Fairem Handel bringen sowohl den Produzent/innen in den Entwicklungsländern als auch den Beschenkten hier große Vorteile. Die Produzent/innen erhalten einen überdurchschnittlichen Lohn und Sozialleistungen. Auch werden im Fairen Handel Gesundheitsversorgung und (Aus-)Bildungsmöglichkeiten groß geschrieben. Und die Verbraucher/innen bzw. Beschenkten erhalten ein qualitativ hochwertiges Produkt. Übrigens haben die „Christkinder“, die bei uns einkaufen, ebenfalls etwas davon, denn sie können bei uns nach Herzenslust stöbern, eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, ganz nach dem Motto: Mit Genuss einkaufen und zukunftsfähig konsumieren.

Worauf sollte man beim Weihnachts-Shopping achten?

Weniger ist mehr! Ich finde, wenn man anderen mit Geschenken eine Freude bereiten möchte, sollte man auf Qualität achten: nicht nur auf die Qualität der Produkte an sich, sondern auch auf die ethische Qualität.

Welche Produkte aus dem Fair Trade Shop würden Sie zur Weihnachtszeit besonders empfehlen? 

Besonders geeignet finde ich unsere Bambus-Produkte aus Vietnam, ganz gleich, ob kleine Schalen, große Salatschüsseln oder der Messerblock Mikoto. Sie haben ein trendiges Design, sind ausgezeichnet verarbeitet und eignen sich je nach Modell für jeden Geldbeutel.

Ein anderes kleineres Geschenk sind die zotter-Schokoladen, alle bio und Fair Trade. Das ist handgeschöpfte Schokolade in ungewöhnlichen, manchmal gewagten Geschmacksrichtungen, immer in künstlerisch ansprechender Verpackung. Für etwas mehr als 3 Euro kann man sich die „Handgeschöpfte“ leisten.

Und zu guter Letzt möchte ich noch die kolumbianischen Pendeluhren aus Alteisen empfehlen. Es sind fast ausschließlich Tiermotive, die aus dem Eisen geschmiedet werden, z.B. eine Katze, unter der sich als Pendel eine kleine rosa Maus hin und her bewegt. Nicht nur kleine Uhren- bzw. Tier-Fans haben großen Spaß daran.

Wie feiern Sie persönlich Weihnachten? Was ist für Sie das Wichtige an Weihnachten?

Für mich ist es eine große Familienfeier, wobei ich Familie weit definiere, also auch gerne mit meinen Freunden feiere. Dabei gefällt mir ein bisschen Tradition, d.h. Kerzen am Weihnachtsbaum und Weihnachtslieder singen, sich Zeit nehmen beim Geschenke auspacken. Besonders wichtig ist es auch, das ganze Fest mit viel Humor zu würzen; das gelingt zum Glück eigentlich jedes Jahr.

Wie war das Jahr 2011 für Sie?

Wahnsinnig spannend. Wir haben mit großer Unterstützung von Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern, darunter maßgeblich der Triodos Bank, den ersten Fair Trade Shop Münchens eröffnet. Bis zur Eröffnung Ende Mai waren manche Hürden zu nehmen. Nur einige Stichpunkte: Mietvertrag aushandeln, Finanzierung sicherstellen, Personal einstellen, Umbau organisieren…

Und heute können wir sagen: Alle Mühen haben sich gelohnt. Der Fair Trade Shop ist ein „Magnet“ im Herzen Münchens geworden. Viele sagen uns: „Endlich gibt es ein schickes Fair Trade Fachgeschäft in City-Lage“. Die Momente, wenn wir diese Rückmeldungen von Kund/innen bekommen, sind die schönsten in unserem Alltag.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?

Erst mal Gesundheit und Gelassenheit für alle. Und dass der Vogel fliegt, d.h. der Fair Trade Shop sich weiter positiv entwickelt und noch viel mehr Münchner/innen und Touristen anzieht. Wir wollen unsere Bekanntheit erhöhen und eine Attraktion am Münchner Stachus werden.

Autor: Simon Opydo, bei der Triodos Bank im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig

Ethische Investments – es geht voran, aber noch keine kraftvolle Bewegung

Mittwoch, 21. September 2011

Auf der Fachtagung zum Thema „Ethisches Investment“ von „Brot für die Welt“ und der Evangelischen Akademie wurde ich eingeladen, Einblicke in die praktische Arbeit in diesem Bereich zu geben.

Die Teilnehmer kamen überwiegend aus kirchlichen Institutionen – wie z.B. Kirchenbanken. Auch Stiftungen und andere interessierte Privatpersonen waren vertreten. Die Triodos Bank war der einzige Vertreter aus dem Kreis der Nachhaltigkeitsbanken.

Auf der einen Seite war ersichtlich, dass sich immer mehr Menschen, denen Werte wichtig sind, mit nachhaltigem Investment befassen. Wie eine Studie der Investmentgesellschaft der Genossenschaftsbanken, Union-Investment, bestätigt, ist gerade bei dem dargestellten Teilnehmerkreis – Kirchen und Stiftungen – das Thema angekommen.

Auf der anderen Seite habe ich gespürt, mit welchen Widerständen diese Institutionen noch kämpfen. Nachhaltigkeit darf eben nicht weniger Rendite erzielen. Leider ist dieses Vorurteil noch immer nicht ausgestorben, obwohl viele wissenschaftliche Arbeiten nachgewiesen haben, dass die nachhaltige Geldanlage langfristig die gleiche finanzielle Rendite wie konventionelle Anlagen bringen. Auch scheint es ein Problem, dass durch die Einschränkung der Aktien und Anleihen, in die man investiert, ein Vergleich mit Indizes wie dem DAX schwerer fällt. Dies führt für die Institutionen, die investieren, zu Rechtfertigungsdruck gegenüber Kontrollgremien und anderen Stakeholdern. Nachhaltiges Investment ist noch keine Selbstverständlichkeit.

Außerdem fiel mir auf, dass die kleinen bestehenden Unterschiede in den Kriterien von Kirchenbanken und Nachhaltigkeitsbanken mehr diskutiert werden, als dass die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Die Ausschlusskriterien sind nun mal nicht bei allen überzeugten Teilnehmern identisch. Katholische Kirchenbanken schließen öfters Alkohol nicht aus, da es eben auch heute noch Klosterbrauereien gibt. Die große Übereinstimmung bei den angewendeten Ausschlusskriterien hat mich aber beeindruckt. Die Kriterien der Triodos Bank entsprechen in den meisten Punkten denen von Kirchenbanken. Aus meiner Sicht besteht hier ein Potential mit Betonung des Gemeinsamen auch eine gemeinsame Bewegung zu entfachen. Ein gutes Beispiel sind die “Entwicklungspolitischen Kriterien” von “Brot für die Welt”.

Ich hoffe, dass mit den entstandenen Kontakten auf der Fachtagung dieses Gemeinsame weiterentwickelt werden kann. Die Triodos Bank ist Mitbegründer der „Global Allicane for Banking on Values“. Auf der Konferenz war zu spüren wie groß die Basis des „Banking on Values“ in Deutschland ist. Wir wollen sie zum Leben bringen.

Spatenstich bei unserem Kreditkunden Parzivâl-Schule und Michael-Haus in München

Donnerstag, 07. Juli 2011

Am 10. Juni war es soweit: unser Kreditkunde, der Verein für Heilende Erziehung, Träger der Parzivâl-Schule und der Tagesstätte Michael-Haus in München, lud ein: gefeiert wurde der erste Spatenstich des Neubaus für die beiden Bildungseinrichtungen. Ort: der Münchner Stadtteil Schwabingen-West. Als Finanzierungspartner für dieses Vorhaben freuten wir uns sehr, gemeinsam mit unserem Kreditkunden diesen Tag zu würdigen.

Aber fangen wir die Geschichte von vorne an. Wer oder was sind die Parzivâl-Schule und das Michael-Haus?  

Die Parzivâl-Schule ist eine staatlich genehmigte, private Schule zur Lernförderung. Grundlage hierfür ist die Waldorfpädagogik. Es gibt 10 Klassen mit insgesamt 120 Schülern. Die Schule versteht sich als Bindeglied zwischen den Schulen für geistig behinderte Kinder und den Regelschulen und ist in dieser Form einzigartig in Bayern. Die Schüler der Parzivâl-Schule sind den Anforderungen der Regelschule aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gewachsen und als “lernbehindert” eingestuft. Gründe hierfür sind Störungen in der leiblichen, seelischen und geistigen Entwicklung, woraus sich besondere Erziehung- und Förderbedürfnisse ergeben.

Die Heilpädagogische Tagesstätte Michael-Haus betreut über 40 Kinder im Alter von 6-12 Jahren, die einer intensiven heilpädagogischen Förderunge bedürfen. Ziel ist es, in der heilpädagogischen Gruppenarbeit schöpferische Kräfte anzuregen und das soziale Miteinander zu fördern. Ergänzt wird dies durch individuell abgestimmte Therapien, die wesentlich zur Gesundung der einzelnen Kinder beitragen.

In beiden Einrichtungen werden Kinder verschiedener Nationalitäten und Religionen sowie unterschiedlicher sozialer Herkunft miteinander unterrichtet und gefördert. Diese Offenheit und soziale Durchmischung ist für uns als nachhaltige Bank wichtig und spielt im Kreditentscheidungsprozess für Bildungseinrichtungen immer eine Rolle. 

Auch interessant zu wissen: Beide Einrichtungen, sowohl die Parzivâl-Schule als auch das Michael-Haus, werden durch eine eigene Bio-zertifizierte Küche versorgt! Und es gibt eine eigene Imkerei, deren Honig Demeter-zertifiziert ist! Das ist wirklich vorbildlich und freut uns als nachhaltige Bank, denn die ökologische Landwirtschaft liegt auch uns am Herzen.

Und warum wird jetzt neu gebaut?

Die beiden Einrichtungen wurden im Jahr 1996 eröffnet und befanden sich in den ersten Jahren ihres Bestehens in einem Kasernengebäude auf dem Gelände, auf dem jetzt neu gebaut wird. Dieses Gelände gehörte der Stadt München, die es in Wohnbauland umwandeln wollte. Im Zuge der Abrissmaßnahmen mussten die Parzivâl-Schule und das Michael-Haus das Gelände verlassen. Eine provisorische Unterkunft fand man in einem anderen ehemaligen Kasernengebäude. Seitdem wurde, auch aufgrund von Wachstum der Einrichtungen, nach anderen, passenden Räumen zur Anmietung gesucht. Diese Suche war jedoch erfolglos, weshalb der Trägerverein, bestehend aus den Eltern der Kinder, die seit Gründung der Einrichtungen bestehende Idee eines Neubaus nun aufgegriffen und mit sehr viel Engagement weiterverfolgt haben. Als dann von der Stadt München ein passendes Grundstück für solch ein Projekt just auf dem Areal, welches der ursprüngliche Standort der Einrichtungen war, angeboten wurde, sagten man Ja! Und wir kamen als Finanzierungspartner an Bord.

Das Grundstück für den Neubau umfasst mehr als 7.000 qm und befindet sich um die Ecke vom Olympiastadion in München. Gebäude mit rund 4.600 qm und hohen ökologischen Standards sollen hierauf entstehen – die Schulgebäude selber, aber auch Küche, zusätzliche Fachräume, Turn- und Mehrzweckhalle und ein Allwetter-Sportplatz. Geplanter Einzugstermin ist August 2012. Lehrer, Erzieher, Kinder und Eltern freuen sich nun auf die Aussicht eines dauerhaften Zuhauses für die Parzivâl-Schule und das Michael-Haus.

Wir gratulieren zum Baubeginn und freuen uns sehr über die partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Unser Kreditkunde Heggelbach Hof feiert 25-jähriges Jubiläum

Mittwoch, 06. Juli 2011

Anfang Juni feierte unser Kreditkunde Heggelbach Hof sein 25-jähriges Jubiläum – wir waren vor Ort (nördlich vom Bodensee, nahe Herdwangen), um dem Geburtstagskind persönlich zu gratulieren.

Der Heggelbach Hof ist eine Hofgemeinschaft bestehend aus fünf Familien unterschiedlichster Generationen. Die Hofbewirtschaftung ist biologisch-dynamisch (Demeter), insgesamt umfasst der Hof 145 Hektar. Es gibt dort 45 Braunviehkühe (plus Nachzucht), aus deren Milch in der eigenen Hofkäserei wunderbarer Käse gemacht wird, der das Aroma des selbstangebauten Kleesgrases hat. Zudem suhlen sich rund 250 rosa Schweine kollektiv im Dreck. Außerdem gibt es eine kleine Schafherde, Hühner und Gänse.

Ebenfalls wird auf dem Heggelbach Hof viel Gemüse angebaut: Zwiebeln, Zuckermais, Rote Bete, verschiedene Selleriesorten, Kartoffeln, Pastinaken, Wurzelpetersilie. Und es gibt Getreidebau, Feldfutterbau und Ölfrüchteanbau. Mit letzterem soll eine möglichst umweltschonende und extensive Gewinnung von Pflanzenöl als Treibstoff für die Hof-eigenen Traktoren ermöglicht werden.

Und nicht zu vergessen: es gibt drei Ferienwohnungen auf dem Hofgelände (vielleicht noch ein Urlaubstipp für die Herbstferien!?).

Auf der 25-Jahr Feier konnte man sich als Gast von der Lebendigkeit und dem Zusammenhalt der Hofgemeinschaft sowie von der Qualität und der Natürlichkeit des Demeter-Betriebes überzeugen. Es gab köstliches Essen, hergestellt mit den Produkten des Hofes. Vorträge (u.a. auch zum Thema Finanzierung, an dem unser Geschäftsleiter Alexander Schwedeler teilnahm) sowie thematische Führungen durch den Hofbetrieb bildeten das Rahmenprogramm. Für Spiele für die vielen anwesenden Kinder war gesorgt und es gab verschiedene Stände von Geschäftspartnern des Hofes – so auch ein Stand der Triodos Bank, an dem wir viele schöne Gespräche mit Menschen führen konnten, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verbunden fühlen. Der neue grüne Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg war höchst persönlich angereist, um dem Heggelbach Hof zu gratulieren und zu betonen, dass er sich für den Ausbau der biologischen Landwirtschaft im Bundesland einsetzen wird.

Der Heggelbach Hof, der seit diesem Jahr Kreditkunde der Triodos Bank ist, spielt in seiner Region eine wichtige Rolle für die regionale Landwirtschaft. Diese Akzeptanz und diesen Erfolg haben sich die Heggelbacher über 25 Jahre hart erarbeitet. Was zunächst als Gruppe von “Hippies” von der lokalen Bevölkerung kritisch beäugt und belächelt wurde, gilt nun als Vorzeigebetrieb in der ganzen Bodenseeregion und unter den Demeter-Betrieben in Deutschland. Wir gratulieren herzlich zu dieser tollen Leistung.   

In unserer August-Ausgabe des TriodosNewsletters werden wir dem Heggelbach Hof ein größeres Porträt widmen – hier können Sie dann mehr über die spannende Geschichte des Hofes sowie über die Ziele und Visionen der Heggelbacher für den eigenen Betrieb, aber auch die Zukunft der biologischen Landwirtschaft lesen. Gleich hier den TriodosNewsletter abonnieren! 

Weltladen Reloaded – der Fair Trade Shop in München

Mittwoch, 08. Juni 2011

Fair Trade Shop Gründer Heiko Harms und Peter Eicher

Am 26. Mai 2011 war es soweit. Unser neuer Kreditkunde, der „Fair Trade Shop“, öffnete seine Türen im Herzen von München in den frisch sanierten Stachus-Passagen. Die Gründer Heiko Harms und Peter Eicher wagen damit eine Neudefinition des Weltladen-Konzepts. Und die Triodos Bank begleitet sie dabei als Finanzierungspartner. Unser Kollege Götz Feeser, als Relationship Manager für die Kreditvergabe an Unternehmen und Institutionen im Bereich Sozialwirtschaft und Kultur zuständig, berichtet:

Nachdem wir erste tolle Fotos des fertiggestellten Fair Trade Shops von der offiziellen Eröffnung am Freitag, 27. Mai gesehen hatten, waren mein Kollege Richard Günther und ich sehr gespannt, uns selber vor Ort ein Bild zu machen und hatten hierzu direkt am Samstag, 28. Mai Gelegenheit: Gemeinsam mit den Gründern sowie Geschäftspartnern und vielen weiteren Menschen feierten wir den Start des Ladens. Wir waren sehr beeindruckt, sowohl von dem gelungen Design des Ladens als auch von dem Kreis an unterschiedlichsten Menschen, die das Projekt mit begleiten und unterstützen.

Der Fair Trade Shop ist wirklich super zentral gelegen in München. Wenn man eintritt, wird man von einem modernen, ästhetischen, aber gleichzeitig einladenden Ambiente empfangen. Auf einer Verkaufsfläche von 60 Quadratmetern werden ausgewählte Artikel des gehobenen Segments aus Fairem Handel angeboten. Viele Artikel sind zudem zusätzlich aus ökologischer Herstellung. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Mir haben insbesondere die schönen  Bambusschalen aus Vietnam gefallen (sehen wirklich schick aus) und sehr überzeugend war die Rotweinempfehlung aus Südafrika. Ansonsten gibt es Mode aus Bio-Baumwolle, schöne Taschen und weitere Non-Food-Artikeln, aber auch Food-Artikel wie gute Schokolade (bis zu 85% Kakaoanteil) oder Hochlandkaffee aus Bolivien, beides schön zum Verschenken.

Der Fair Trade Shop setzt stark auf Transparenz. So wird man als Kunde auf Wunsch von den vier freundlichen Verkäuferinnen genau informiert, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt wurden und wie faire Handelskonditionen dazu beitragen, die Existenz der Hersteller sowie gerechte Löhne und soziale Arbeitsbedingungen zu sichern. Die Kombination aus Expertise im Fair-Handels-Bereich und Erfahrung im Einzelhandel zeichnet den Fair Trade Shop aus – zu dem neuen Team kann ich nur gratulieren. Ich habe mich als Kunde sehr gut beraten und wohl gefühlt.

Die Gründer des Fair Trade Shops, Heiko Harms und Peter Eicher, sind seit mehr als 20 Jahren in der Fair-Handels-Branche tätig. Sie beraten seit den 90er Jahren unter anderem die klassischen Weltläden in Marketingfragen. Hierbei machen sie immer wieder die Erfahrung: Der wirtschaftliche Erfolg der Weltläden hängt stark von der Standortfrage ab: je besser die Lage, desto höher die Umsätze. Dennoch scheuen die Weltläden in der Regel das finanzielle Risiko, in Zentrumsnähe zu eröffnen. Anders der Fair Trade Shop, der mit den Stachus-Passagen bewusst eine der belebtesten Einkaufspassagen Münchens, die täglich von bis zu 160.000 Besuchern frequentiert wird, als Standort gewählt hat.

Und Fairer Handel boomt. Immer mehr Verbraucher achten darauf, dass Produkte nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gerecht hergestellt werden. Laut einer aktuellen Studie vom Mai 2011 gaben deutsche Verbraucher im vergangenen Jahr 340 Millionen Euro für Transfair-gesiegelte Produkte aus – eine Steigerung von 27 Prozent gegenüber 2009. Beste Voraussetzungen also für den Erfolg des Fair Trade Shop.

Deshalb haben wir uns auch als Triodos Bank entschieden, dem Fair Trade Shop einen Kredit zu geben. Dieser ist Teil eines innovativen Gesamtfinanzierungskonzepts, das wir gemeinsam mit den Gründern des Fair Trade Shop entwickelt haben. Denn neben uns als Kreditgeber haben sich Freunde und Bekannte mit Kapital in Form von Genussrechten an der Shop-Gründung beteiligt. Wir sehen als Bank die Genussrechte als Erweiterung des Eigenkapitals an und in der Bürgengemeinschaft von Menschen aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld der Gründer eine zusätzliche Sicherheit.

Für wen München zu weit weg ist, dem kann ich dennoch einen positiven Ausblick geben. Denn langfristig sollen in größeren Städten bundesweit weitere Filialen des Fair Trade Shops entstehen.

Vision Summit -Weitere Eindrücke

Dienstag, 26. April 2011

Auf dem Vision Summit beeindrucken und motivieren mich immer die vielen Gespräche und die Vorstellung der tollen Projekten von Social Enterpreneurs. Auf diesem Weg möchte ich auf einige dieser faszienierenden Intivativen hinweisen.

- Das Ökosoziale Klimaschutzprojekt von Soil&Energy. Unser Kunde handelt nach dem Motto von Konfuzius “Wer Bäume plfanzt, wird den Himmel gewinnen”. Hier wird man zum “Treepreneur”.

-  Das Projekt Arche Metropolis. Ein Kunstprojekt zu den Chancen und der Entwicklung der urbanen Gesellschaft im 21. Jahrhundert des Nama Rupa Kunst für Geist & Körper e.V. Dieses Projekt in Berlin Tempelhof wird von Tarik Mustafa und Martin Wittau betrieben.

- Die Plattform für soziale Investoren: Phineo gAG. Phineo baut eine Brücke für alle, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. Diese Brücke verbindet Soziale Investoren und gemeinnützige Organisationen.

- Natürlich das Magazin enorm. Das Magazin enorm ist ein unabhängiges Wirtschaftsmagazin, das an die Überwindung ökosozialer Missstände über Social Business, Social Entrepreneurship und soziales Unternehmertum glaubt.

- doonited inspiriert Menschen, in ihrem Alltag Gutes zu tun und dadurch einen nachhaltigen Wandel zu bewirken.

Dies ist natürlich nur ein Ausschnitt von den vielen inspirienden Intivativen, die man auf dem Vision Summit kennenlernen konnte.

Finanzierungsfragen auf dem Vision Summit

Freitag, 15. April 2011

Die Sozialunternehmer in Deutschland wollen nicht mehr warten, sondern hier und jetzt ihre Geschäftsideen umsetzen und mit ihren Unternehmen wachsen – für mehr soziale Gerechtigkeit. Motivation und Tatendrang lagen in der Luft, als sich vergangene Woche ca. 1.000 Sozialunternehmer und Interessierte rund um die Social Business Szene zum Vision Summit in Potsdam auf dem Universitätscampus trafen. An drei Tagen wurden von früh bis spät Erfahrungen ausgetauscht und genetzwerkt was das Zeug hielt – frei nach dem Motto der Veranstaltung „Don’t wait. Innovate!“.

Der Mensch mit seiner sozialen Unternehmung oder Idee stand klar im Mittelpunkt. Tipps und Know How wurde in zahlreichen Workshops vermittelt – von den geladenen Sprechern wie auch im Dialog mit dem oft sehr fachkundigen Publikum. Im Design Thinking Workshop unter der Leitung des Hasso-Plattner-Instituts erarbeiteten Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zu einer Fragestellung neue Lösungsansätze. Zum Beispiel wurden bürokratische Hürden für Sozialunternehmer diskutiert und wie man „die träge Masse“ für nachhaltiges Verhalten gewinnen kann.

Da für die meisten Sozialunternehmer sowohl in der Gründungsphase als auch in der Wachstumsphase die Frage der Finanzierung eine große Rolle spielt, gab es zu dem Thema viele Workshop- und Informationsangebote. So wurden mögliche Eigenkapitalgeber vorgestellt: z.B. Fonds wie der Good Growth Fund, der LGT Venture Philanthropy Fund und MAMA. Auch Möglichkeiten der Fremdfinanzierung wurden präsentiert. Unser Geschäftsleiter Georg Schürmann stellte die Triodos Bank in einem Workshop vor. Das bewährte Modell, bei dem sich mehrere Eltern in einer Bürgengemeinschaft zusammenschließen um für einen Schulbau o.ä. einen Kredit aufzunehmen, interessierte den einen oder die andere Sozialunternehmerin. Außerdem sehen wir einen weiteren Bedarf und arbeiten an Lösungen insbesondere für Gründer mit kleinem Finanzierungsvolumen von € 10.000 bis € 15.000.

An anderer Stelle wurde der Vorteil einer Genossenschaft betont, Eigenkapital einsammeln zu können ohne eine Zulassung für einen Unternehmensprospekt der BaFin einholen zu müssen. Dies ist der Fall, da Wirtschaftsprüfer bei Genossenschaften nicht nur die richtige Aufstellung der Zahlen testieren, sondern gleichzeitig auch die Wirtschaftsfähigkeit.

An unserem Stand von der Triodos Bank führten wir viele interessante Gespräche. Auch die Plätzchen unseres Kreditnehmers Gutshof Hauteroda, auf dem behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen leben und bio-dynamische Landwirtschaft betreiben, kamen gut an. Den Gutshof sehen wir als gutes Beispiel für ein Unternehmen, das die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit Umwelt, Soziales und Wirtschaft miteinander in Einklang bringt.

Nach knapp drei Tagen Vision Summit, traten wir etwas müde, aber glücklich und mit motivierenden Eindrücken im Gepäck den Heimweg nach Frankfurt an. Und nehmen das Motto des Vision Summit 2011 mit nach Hause: Don’t wait, but innovate.

Japan macht betroffen

Freitag, 01. April 2011

 

Die Ereignisse in Japan machen mich betroffen. Die Naturkatastrophe mit Erdbeben und Tsunami hat Tausende von Leben gefordert, viele Menschen sind verletzt worden. Diese Verletzungen sind nicht nur körperlicher sondern auch seelischer Natur. Menschen haben ihre Liebsten verloren und viele haben ihr Hab und Gut oder auch ihre Heimat verloren.

Neben dieser sehr schlimmen Naturkatastrophe erleben wir täglich das Fortschreiten der Nuklear-Katastrophe. Diese ist von Mensch gemacht. Hierfür tragen Menschen Verantwortung. Auch durch diese Katastrophe hat es Verletzte gegeben. Arbeiter riskieren ihre Gesundheit, um noch Schlimmeres zu verhindern. Ihnen muss auch unsere Hochachtung und unser Mitgefühl gelten. Wahrscheinlich werden viele Menschen nicht mehr in Ihre Häuser zurück kehren können. Auch dies ist eine schlimme Erfahrung.

Japan ist eine sehr leidvolle Erfahrung.

Mich macht es sehr betroffen, dass Menschen oft nur durch solche schlimmen Erfahrungen lernen. Einsicht führt leider nur selten zu Veränderungen. Mich bewegt die Frage, was auch wir als Triodos Bank tun können, um Prozesse zu fördern, die zu einer Einsicht führen.
Auch in Sachen Atomenergie hat die Triodos Bank schon immer klar Stellung bezogen. In den letzten Tagen haben wir auf Facebook sowohl auf Demonstrationen hingewiesen als auch auf die Studie von urgewald.
Ich sehe die überall entstehenden Stromwechselparties, die noch mehr Menschen zu Ökostrom bringen sollen. Ich sehe auch mehr Veröffentlichungen, die im Zusammenhang mit dem aktueller Atomkatastrophe auf die Möglichkeit der Nachhaltigen Geldanlage hinweisen.
Ich stelle mir die Frage, wie man noch mehr Mitmenschen zu bewussten Verhalten und Konsum motivieren kann. Über jedes Feedback bin ich dankbar.

Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Mittwoch, 23. Februar 2011

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat zu einer Debatte über den neu entwickelten Nachhaltigkeitskodex aufgerufen. Hier kann der Entwurf eingesehen werden. An dieser Debatte haben wir uns beteiligt. Ich würde mich freuen, wenn sich aus dem Kreis unserer Kunden und Freunde viele ebenfalls an der Debatte beteiligen würden.

An den
Rat für Nachhaltige Entwicklung

Betreff: Beitrag zur Initiative „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates für Nachhaltige Entwicklung,

als Europas führende Nachhaltigkeitsbank begrüßen wir, die Triodos Bank, die Initiative zur Schaffung eines Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Der Bedarf, zu mehr Transparenz und durch eine gewisse Form der Standardisierung auch zu mehr Verständnis hinsichtlich Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu kommen, ist in Deutschland zweifelsfrei vorhanden. Hierbei sei angemerkt, dass es eine große Herausforderung ist, einen Zustand zu definieren, ab dem ein Unternehmen als nachhaltig bezeichnet werden  kann. In der heutigen Praxis ist das Bemühen bei Unternehmen, nachhaltig zu handeln, unterschiedlich intensiv ausgeprägt. Wir verweisen hier auf die umfassenden Erfahrungen und Ergebnisse einschlägiger Nachhaltigkeits-Ratingagenturen.

Aus diesem Grund muss es aus Sicht der Triodos Bank das Ziel sein, diese Unterschiedlichkeit in der Praxis in die Gestaltung des Kodex mit einfließen zu lassen. Ansonsten besteht das Risiko, dass der Kodex Nachhaltigkeit auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner definiert wird – und ein Nachhaltigkeitskodex so am Ende in vielen Teilen der Gesellschaft keine Akzeptanz findet.

Vor diesem Hintergrund eine Anmerkung zu:

A.   Ziele des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Ergänzung um den Punkt: Unterschiede hinsichtlich des Grades der Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung unternehmerischer Nachhaltigkeit werden berücksichtigt und deutlich gemacht. Das erreichte Niveau wird explizit dargestellt.

Desweiteren sollte auf die Besonderheit von Finanzdienstleistern wie Banken und Versicherungen eingegangen werden. Hierzu folgender Ergänzungsvorschlag:

B.   Geltung, Anwendung und Wirkung

Zeile 29 bis 35: Bei Unternehmen, die als Geschäftszweck oder als wesentlichem Bestandteil dieses Geschäftszweckes Finanzinvestitionen tätigen, wird Bezug auf die UN PRI (United Nations Principles for Responsible Investment, www.unpri.org) genommen.

Die weiteren Anmerkungen sollen dazu dienen, dass Maßnahmen konkretisiert werden  und damit eine stärker bindende Wirkung erzielen. Desweiteren sollen diese Ergänzungen dazu führen, dass transparent wird, wenn keine konkreten Zeitpläne zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen wie z.B. CO2-Neutralität; 100% Einsatz von erneuerbaren Energien oder anderen entsprechenden Zielen vorliegen. Dies knüpft an den oben dargestellten Gedanken an, die unterschiedliche Zielerreichung darzustellen:

C.   Inhaltliche Anforderungen eines Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Zeile 3 neu: Das Unternehmen soll die wesentlichen Chancen aus der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitskriterien und die Risiken auf sein Kerngeschäft, die durch Nichtanwendung von Nachhaltigkeitskriterien entstehen, im Hinblick auf langfristige Auswirkungen analysiert haben.

Zeile 26: Die Risiken, die aus der Nichtanwendung von Nachhaltigkeitskriterien entstehen, müssen beschrieben und bewertet werden.

Zeile 44: Einfügen eines Absatzes zu Kapitalanlagepolitik vor dem Kapitel „Umwelt“: Die Kapitalanlagepolitik muss sich an den UN PRI orientieren. Falls diese noch nicht berücksichtigt werden, muss ein Zeitplan kommuniziert werden, bis wann dies erreicht werden sollen, bzw. begründet werden, warum ein solcher Plan nicht entwickelt werden kann.

Zeile 46: Das Unternehmen muss definieren, bis wann in welchen Unternehmensbereichen 100% erneuerbare Energie eingesetzt wird. Falls ein solcher Zeitplan nicht vorliegt, muss dies begründet werden.

Zeile 52: Das Nachhaltigkeitsmanagement muss darüber hinaus auch den gesamten Produktlebenszyklus in die Analyse einbeziehen.

Zeile 58: Es muss dargelegt werden, wann das Unternehmen CO2-neutral gestellt ist. Falls ein solcher Zeitplan nicht vorliegt, muss dies begründet werden.

Zeile 69: In den weltweiten Wertschöpfungsketten muss die Einhaltung der einschlägigen Standards (ILO, UN, SA 8000) sichergestellt werden. Falls dies nicht kurzfristig erreicht werden kann, muss ein Zeitplan kommuniziert werden.

Zeile 78: … muss unterbunden werden.

Wir begrüßen ausdrücklich den offenen Dialog zur Initiative des Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Ziel muss es sein, auch in den Bereichen der Wirtschaft, die bereits heute für Nachhaltigkeit stehen, Akzeptanz hierfür zu finden.

Wir freuen uns auf weitere Diskussionen.

Mit freundlichen Grüßen

Georg Schürmann und Alexander Schwedeler
Geschäftsleitung Triodos Bank N.V. Deutschland

“Mit Essen spielt man nicht”: Banken und Rohstoffe

Montag, 03. Januar 2011

Die Pleite von Lehman Brothers liegt jetzt gerade ein wenig mehr als 2 Jahre zurück. Und wenn man sich die Finanzbranche heute anschaut, so entsteht der Eindruck, als wären aus dieser Krise keine Lehren gezogen worden. Banken und andere Finanzinstitute wenden sich wieder der Spekulation zu.

Besonders Rohstoffe stehen derzeit im Fokus der Spekulation. Das Interesse der Banken an diesem Geschäft wurde beispielsweise beim Verkauf der Rohstoffhandels-Sparte der Royal Bank of Scotland (RBS) im Februar 2010 deutlich. Die RBS war zu diesem Schritt verpflichtet worden als Bedingung für die staatliche Rettung der Bank. Es gab eine Vielzahl von Bietern, u.a. auch die Deutsche Bank. Käufer war letztendlich die amerikanische Bank JP Morgan, die die Sparte zum Preis von $ 1,7 Mrd. erwarb.

Auf der Produktseite gibt es bei dem Thema Rohstoffe ein sehr vielfältiges Angebot, sowohl für institutionelle Investoren als auch Privatpersonen. So sind hier Hedge Fonds von Investmentgesellschaften wie Schroders oder Invesco zu nennen, die sich an institutionelle Investoren richten. Häuser wie Allianz, Deutsche Bank und ausländische Anbieter wie die UBS empfehlen auch ihren Privatkunden, in den Rohstoffsektor im Rahmen von Fonds oder Zertifikaten zu investieren. Das Volumen von  Publikumsfonds im Bereich Rohstoffe wird in Deutschland auf ca. € 5 Mrd. und global auf ca. € 60 Mrd. geschätzt.

Beim Kauf von Finanzprodukten, die in Rohstoffe investieren, oder auch bei der Direktanlage wie Goldmünzen oder Goldbarren ist das Ziel immer, einen Spekulationsertrag zu erzielen. Es geht stets um die Hoffnung auf Ausnutzung von Preisdifferenzen (Anmerkung: Die klassische Anlage stellt dagegen der Realwirtschaft Kapital zur Verfügung. Dies kann Eigenkapital z.B. in Form von Aktien oder Fremdkapital in Form von Anleihen sein). Wohin Spekulation führt, haben wir in den Zeiten der Finanzkrise gesehen. Liquidität strömt zu Spekulationszwecken in Märkte und führt dort zu steigenden Preisen. Dies kann dann zu „Preisblasen“ führen. Insbesondere bei Rohstoffen ist diese Spekulation sehr kritisch zu sehen. Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais und Soja dienen der Ernährung von Menschen und aus ethischen Gründen dürfen sie keine Spekulationsobjekte sein. Wir erinnern uns alle noch an die Proteste in Ägypten und anderen Ländern im April 2008 aufgrund der steigenden Brotpreise. Diese steigenden Preise wurden auch verursacht bzw. verstärkt durch spekulative Käufe. In diesen Wochen erleben wir wieder eine ähnliche Situation wie im Frühjahr 2008. Die Finanical Times Deutschland berichtet im Dezember über Rekordpreise beim Kautschuk und Palmöl. Das Handelsblatt schreibt Ende Dezember über Rekordpreisanstiege seit Mitte des Jahres: Kaffee + 30%; Mais + 44% und Zucker + 80%.

Man muss allerdings bei anderen Rohstoffen differenzieren: so ist die Bedeutung von Edelmetallen für die Realwirtschaft geringer als Metalle, die beispielsweise in der industriellen Produktion und im Bau verwendet werden. Allerdings rechtfertigt dies weiterhin keine Spekulation – denn gerade bei Edelmetallen sind die Abbaubedingungen sowohl aus sozialen als auch ökologischen Gründen in der Regel als schlecht zu bezeichnen. Hier sollten Banken auch bei der Eigen- und Fremdfinanzierung von Minen sehr genau hinschauen – ausreichende nachhaltige Standards sind nur selten zu finden.

Neben den genannten ethischen Gründen: warum beteiligen sich manche Banken und insbesondere die Nachhaltigkeitsbanken nicht an dem Rohstoffgeschäft und warum sollten sich auch anderen Banken nicht beteiligen? Dies ist sicherlich auch im grundsätzlichen Verständnis der Aufgabe einer Bank begründet. Wir sind der Meinung: Eine Bank sollte sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren, d.h. Einlagen- und Kreditgeschäft sowie Zahlungsverkehr und Anlageberatung in nachhaltige (!) Finanzprodukte. Für diejenigen Banken und Bankvertreter, die weder die ethischen Motive noch das Argument der Kernaufgabe einer Bank gelten lassen wollen, sollten Risikoüberlegungen ausreichen, um keine Rohstoffspekulationen oder auch andere Spekulationen zu betreiben. Dies meint nicht nur Risiken, die immer Teil des Handels sind,  sondern auch Reputationsrisiken. Wenn bestimmte Geschäfte einer Bank von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden, kann dies negative Auswirkungen auf andere Geschäftsfelder haben. Dies macht auch deutlich, welche Macht die Kunden haben: Durch ihr Verhalten können sie die Geschäftspolitik einer Bank beeinflussen.

Regulierung kann natürlich auch das Rohstoffgeschäft einer Bank einschränken oder unmöglich machen. Regierungen und Aufsichtsbehörden haben die Notwendigkeit von Regulierung von Finanzinstituten durch die Finanzkrise gesehen und gehandelt. In den USA wurden der Eigenhandel der Bank und die Möglichkeit, in Hedge Fonds zu investieren,  eingeschränkt. Damit sollen die Banken zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückkehren. Ob diese bisherigen Regulierungen ausreichen, um das Rohstoffgeschäft in die richtigen Bahnen zu lenken, kann kritisch diskutiert werden. Gerade in diesem Segment könnte die Einführung einer Transaktions- oder Tobinsteuer hilfreich sein. Diese würden den Handel unattraktiver machen. Eine Regulierung müsste Hedge Fonds miteinschließen und sicherstellen, dass die Preisbildung an den Rohstoffmärkten nicht von Finanzdienstleistern bestimmt wird. Natürlich müssten Termingeschäfte zur Absicherung von Grundgeschäften – wie z.B. der Verkauf einer Weizenernte per Termin zur Sicherung des Verkaufspreises – möglich bleiben, da sie der Realwirtschaft dienen.

Das Investment in Rohstoffe wird oft mit der Möglichkeit der weiteren Diversifikation einer Vermögensanlage begründet. Es stellt sich somit die Frage, inwieweit dieses Ziel auch mit nachhaltigen Vermögensanlagen in vergleichbaren Asset-Klassen erreicht werden kann. Hier möchte ich auf eines unserer Produkte, welches wir in Deutschland allerdings noch nicht anbieten, hinweisen: Der Triodos Sustainable Trade Fund stellt Kreditfinanzierung für Exporteure aus Entwicklungsländern, die sich auf Bio- und Fairtrade-Produkte fokussieren, zur Verfügung. Bei diesem Finanzprodukt, das sich mit dem Thema Rohstoffe beschäftigt, sind soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte in Balance.