Archiv für die Kategorie ‘Fair Trade’

Fair Trade Shopping – oder auch:“Weniger ist mehr!“

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Wieder einmal bewegen wir uns in Schwindel erregendem Tempo auf Weihnachten zu. Und wie jedes Jahr stellt sich die Frage, was wir unseren Lieben zu Weihnachten schenken wollen. Antwort geben auf diese Frage kann Heiko Harms, Mitbegründer des ersten Fair Trade Shops in München, im Interview mit der Triodos Bank. Außerdem spricht unser Kreditkunde über den Zusammenhang von Weihnachten und Fair Trade und zieht Bilanz für das erste Geschäftsjahr des Fair Trade Shops München.
Wer sich für fairen Konsum interessiert, sollte außerdem unseren Beitrag dazu in der aktuellen Ausgabe des Triodos Mehr.Wert-Newsletters lesen.
 

Herr Harms, gibt es in Ihren Augen eine Verbindung zwischen Fair Trade und Weihnachten?

Fair Trade und die Weihnachtszeit passen natürlich sehr gut zusammen. Geschenke aus Fairem Handel bringen sowohl den Produzent/innen in den Entwicklungsländern als auch den Beschenkten hier große Vorteile. Die Produzent/innen erhalten einen überdurchschnittlichen Lohn und Sozialleistungen. Auch werden im Fairen Handel Gesundheitsversorgung und (Aus-)Bildungsmöglichkeiten groß geschrieben. Und die Verbraucher/innen bzw. Beschenkten erhalten ein qualitativ hochwertiges Produkt. Übrigens haben die „Christkinder“, die bei uns einkaufen, ebenfalls etwas davon, denn sie können bei uns nach Herzenslust stöbern, eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, ganz nach dem Motto: Mit Genuss einkaufen und zukunftsfähig konsumieren.

Worauf sollte man beim Weihnachts-Shopping achten?

Weniger ist mehr! Ich finde, wenn man anderen mit Geschenken eine Freude bereiten möchte, sollte man auf Qualität achten: nicht nur auf die Qualität der Produkte an sich, sondern auch auf die ethische Qualität.

Welche Produkte aus dem Fair Trade Shop würden Sie zur Weihnachtszeit besonders empfehlen? 

Besonders geeignet finde ich unsere Bambus-Produkte aus Vietnam, ganz gleich, ob kleine Schalen, große Salatschüsseln oder der Messerblock Mikoto. Sie haben ein trendiges Design, sind ausgezeichnet verarbeitet und eignen sich je nach Modell für jeden Geldbeutel.

Ein anderes kleineres Geschenk sind die zotter-Schokoladen, alle bio und Fair Trade. Das ist handgeschöpfte Schokolade in ungewöhnlichen, manchmal gewagten Geschmacksrichtungen, immer in künstlerisch ansprechender Verpackung. Für etwas mehr als 3 Euro kann man sich die „Handgeschöpfte“ leisten.

Und zu guter Letzt möchte ich noch die kolumbianischen Pendeluhren aus Alteisen empfehlen. Es sind fast ausschließlich Tiermotive, die aus dem Eisen geschmiedet werden, z.B. eine Katze, unter der sich als Pendel eine kleine rosa Maus hin und her bewegt. Nicht nur kleine Uhren- bzw. Tier-Fans haben großen Spaß daran.

Wie feiern Sie persönlich Weihnachten? Was ist für Sie das Wichtige an Weihnachten?

Für mich ist es eine große Familienfeier, wobei ich Familie weit definiere, also auch gerne mit meinen Freunden feiere. Dabei gefällt mir ein bisschen Tradition, d.h. Kerzen am Weihnachtsbaum und Weihnachtslieder singen, sich Zeit nehmen beim Geschenke auspacken. Besonders wichtig ist es auch, das ganze Fest mit viel Humor zu würzen; das gelingt zum Glück eigentlich jedes Jahr.

Wie war das Jahr 2011 für Sie?

Wahnsinnig spannend. Wir haben mit großer Unterstützung von Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern, darunter maßgeblich der Triodos Bank, den ersten Fair Trade Shop Münchens eröffnet. Bis zur Eröffnung Ende Mai waren manche Hürden zu nehmen. Nur einige Stichpunkte: Mietvertrag aushandeln, Finanzierung sicherstellen, Personal einstellen, Umbau organisieren…

Und heute können wir sagen: Alle Mühen haben sich gelohnt. Der Fair Trade Shop ist ein „Magnet“ im Herzen Münchens geworden. Viele sagen uns: „Endlich gibt es ein schickes Fair Trade Fachgeschäft in City-Lage“. Die Momente, wenn wir diese Rückmeldungen von Kund/innen bekommen, sind die schönsten in unserem Alltag.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?

Erst mal Gesundheit und Gelassenheit für alle. Und dass der Vogel fliegt, d.h. der Fair Trade Shop sich weiter positiv entwickelt und noch viel mehr Münchner/innen und Touristen anzieht. Wir wollen unsere Bekanntheit erhöhen und eine Attraktion am Münchner Stachus werden.

Autor: Simon Opydo, bei der Triodos Bank im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig

Ethische Investments – es geht voran, aber noch keine kraftvolle Bewegung

Mittwoch, 21. September 2011

Auf der Fachtagung zum Thema „Ethisches Investment“ von „Brot für die Welt“ und der Evangelischen Akademie wurde ich eingeladen, Einblicke in die praktische Arbeit in diesem Bereich zu geben.

Die Teilnehmer kamen überwiegend aus kirchlichen Institutionen – wie z.B. Kirchenbanken. Auch Stiftungen und andere interessierte Privatpersonen waren vertreten. Die Triodos Bank war der einzige Vertreter aus dem Kreis der Nachhaltigkeitsbanken.

Auf der einen Seite war ersichtlich, dass sich immer mehr Menschen, denen Werte wichtig sind, mit nachhaltigem Investment befassen. Wie eine Studie der Investmentgesellschaft der Genossenschaftsbanken, Union-Investment, bestätigt, ist gerade bei dem dargestellten Teilnehmerkreis – Kirchen und Stiftungen – das Thema angekommen.

Auf der anderen Seite habe ich gespürt, mit welchen Widerständen diese Institutionen noch kämpfen. Nachhaltigkeit darf eben nicht weniger Rendite erzielen. Leider ist dieses Vorurteil noch immer nicht ausgestorben, obwohl viele wissenschaftliche Arbeiten nachgewiesen haben, dass die nachhaltige Geldanlage langfristig die gleiche finanzielle Rendite wie konventionelle Anlagen bringen. Auch scheint es ein Problem, dass durch die Einschränkung der Aktien und Anleihen, in die man investiert, ein Vergleich mit Indizes wie dem DAX schwerer fällt. Dies führt für die Institutionen, die investieren, zu Rechtfertigungsdruck gegenüber Kontrollgremien und anderen Stakeholdern. Nachhaltiges Investment ist noch keine Selbstverständlichkeit.

Außerdem fiel mir auf, dass die kleinen bestehenden Unterschiede in den Kriterien von Kirchenbanken und Nachhaltigkeitsbanken mehr diskutiert werden, als dass die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Die Ausschlusskriterien sind nun mal nicht bei allen überzeugten Teilnehmern identisch. Katholische Kirchenbanken schließen öfters Alkohol nicht aus, da es eben auch heute noch Klosterbrauereien gibt. Die große Übereinstimmung bei den angewendeten Ausschlusskriterien hat mich aber beeindruckt. Die Kriterien der Triodos Bank entsprechen in den meisten Punkten denen von Kirchenbanken. Aus meiner Sicht besteht hier ein Potential mit Betonung des Gemeinsamen auch eine gemeinsame Bewegung zu entfachen. Ein gutes Beispiel sind die “Entwicklungspolitischen Kriterien” von “Brot für die Welt”.

Ich hoffe, dass mit den entstandenen Kontakten auf der Fachtagung dieses Gemeinsame weiterentwickelt werden kann. Die Triodos Bank ist Mitbegründer der „Global Allicane for Banking on Values“. Auf der Konferenz war zu spüren wie groß die Basis des „Banking on Values“ in Deutschland ist. Wir wollen sie zum Leben bringen.

Fairer Handel = nachhaltig = zukunftsfähig … = kompliziert?!

Freitag, 12. August 2011

Der faire Handel ermöglicht einen nachhaltigen Lebensstil – sowohl hier in unserem „entwickelten Deutschland“ als auch in den Entwicklungsländern, in denen produziert wird.
Da stellen sich vielleicht manche die Frage: Wie funktioniert das?
Hersteller von guten – und oft umweltfreundlichen – Produkten in Entwicklungsländern erhalten angemessene Löhne. Das wird transparent gemacht und wir können uns beim Einkauf für solche Produkte entscheiden.
Ist doch einfach, oder?
Könnte man denken. Was aber ist ein angemessener Lohn? Und wie kann ich beim Einkauf sicher gehen, dass dem Produzenten am anderen Ende der Welt dieser faire Lohn wirklich gezahlt wurde? Und wer bestimmt, was überhaupt ein „gutes und umweltfreundliches“ Produkt ist?
Nun, entweder können wir auf Experten von Fair Handels Organisationen vertrauen, die sich mit diesen komplizierten Fragen auseinander setzen, sie beantworten und dann die Lösung umsetzen. Eine einfache Orientierungshilfe sind dann die Label und Marken der Fair Handels Organisationen (s.u.).

Oder wollen wir uns eine eigene Meinung bilden? Dies könnte sich als schwierig erweisen, denn:
- Zum Einen bräuchten wir auf jeden Fall mehr Informationen als Bewertungsbasis. Zum Beispiel wäre es interessant, wie viel Prozent des Verkaufspreises der Produzent als Lohn erhält. Und was er damit vor Ort kaufen kann. Dann könnte jeder von uns selber entscheiden, ob sie oder er diesen Lohn angemessen findet. Noch besser wäre es, wenn diese Information für alle Produkte auf dem Markt verfügbar wäre – so könnten wir bestenfalls „nicht faire“ mit fairen Produkten vergleichen.
- Zum Anderen bräuchten wir auch ein größeres Wissen, um bestimmte Sachverhalte überhaupt bewerten zu können. Oder wissen Sie zum Beispiel, welche Mittel beim Gerben von Leder besonders umweltfreundlich sind und welche nicht?

Wie einfach oder kompliziert wollen wir es also?

Die meisten von uns Konsumenten freuen sich, wenn uns ein nachhaltiger Lebensstil leicht gemacht wird. Und Label oder Marken reduzieren die Komplexität beim Einkauf. Dazu müssen wir aber diesen Labeln und Marken vertrauen.

Was müssen uns aber Label und Marken bieten, damit wir ihnen vertrauen?
Reicht es aus, wenn sie auf ihrer Website über ihre Vorgehensweise informieren? Oder auch im Geschäft direkt beim Einkauf? Wie viele Informationen empfinden wir als wünschenswert? Wollen wir auch mehr Wissensvermittlung? Oder wäre das einfach zu viel oder gar belehrend?
Jeder hat hier seine eigenen Ansichten. Wie einfach oder kompliziert hätten Sie ihren Einkauf gerne?

Daher hier nun eine kleine Hintergrundinformation zum fairen Handel:
Die Prinzipien des fairen Handels integrieren soziales Leben, Wirtschaft und Umweltschutz. Das bekannte Fairtrade Label von FLO International wird für einzelne Produkte – meist Lebensmittel – vergeben, deren Produktionskette komplett zertifiziert wurde. 80% der fairen Produkte in Deutschland sind darüber hinaus bio. Sie werden in vielen – auch konventionellen – Supermärkten verkauft.
In Weltläden sind ausschließlich faire Produkte zu bekommen – meist sind das handwerkliche Produkte, manchmal Kleidungsstücke und Leckereien. Viele Produkte stammen von Mitgliedern der World Fair Trade Organisation (WFTO), die ihr komplettes Wirtschaftskonzept fair gestalten. In Indien habe ich einige solcher Fair Handels Produzenten besucht und porträtiert. Dabei habe ich gesehen, was für tolle NGOs sie oft sind – meistens ist die Produktion eher ein „Nebenprodukt“ ihrer sozialen Arbeit mit verstoßenen Müttern, arbeitslosen Jugendlichen oder der perspektivlosen Dorfbevölkerung. Das Netzwerk der WFTO funktioniert über gegenseitige Kontrolle und stichprobenartige Überprüfung.

Daneben gründen sich zunehmend neue Fair Handels Label, wie im Bereich Blumen oder Kleidung. Außerdem erweitern sich Bio-Label zu Bio&Fair-Labeln, z.B. Naturland.
Insgesamt erfreut sich der faire Handel steigender Nachfrage in den „entwickelten Ländern“.