Die aktuellen weltweiten zivilen Proteste gegen die Bankenbranche – u.a. in Form der Occupy-Bewegung – zeigen: die Bevölkerung fordert ein Umdenken in Bankenbranche und Politik. Seit Ausbruch der Finanzkrise ist aus ihrer Sicht nicht genug verändert worden. Sie wollen eine andere Form von Bank – ein neues Denken über Bank. Wir als Triodos Bankhaben sehr großes Verständnis für die zivilen Proteste und möchte in Deutschland den Dialog über ein Umdenken aktiv mitgestalten.
Was ist aus Sicht der Triodos Bank die „neue Bank“?
1. Die Bank konzentriert sich wieder auf ihre Kernaufgabe, für die sie durch die Gesellschaft beauftragt worden ist: Einlagen einsammeln und hiermit Kredite vergeben.
Alle weiteren Aufgaben, die viele Banken heute betreiben, speziell riskante Investments, müssen von diesem Kerngeschäft abgespalten werden. Selbst dann gilt jedoch: Keine Spekulation. Derivative Produkte sind aufzugeben, solange sie nicht unmittelbar der Finanzierung der Realwirtschaft dienen. Der Eigenhandel ist einzustellen.
2. Die Bank ist transparent. Dem Kunden und anderen Interessensgruppen ist zu jeder Zeit klar, was die Bank finanziert bzw. in was sie investiert, wie sie ihre Erträge und Rendite erwirtschaftet, welche Risiken sie hierbei eingeht und wie sie diese managt.
3. Die Bank ist mittelständisch. Dies geht einher mit einer thematischen (Bsp. Nachhaltigkeit) bzw. geographischen Spezialisierung.
Denn Größe ist kein Selbstzweck. Deshalb sollte gelten: Umso größer eine Bank, umso mehr Eigenkapital muss sie vorweisen. Mit Größe der Bilanzsumme sollten insgesamt die Eigenkapitalanforderungen steigen.
4. Die Bank handelt nicht nur im Interesse ihrer Anteilseigner, aber auch im Interesse anderer Anspruchsgruppen, insbesondere Kunden und Mitarbeiter.
Die Bank ist sich ihres gesellschaftlichen Auftrages bewusst. Ihr Ziel ist nicht die kurzfristige Profitmaximierung, sondern die Maximierung der Nachhaltigkeit als Einklang von Mensch, Umwelt und Wirtschaft.
5. Die Bank hat klare Ausschlusskriterien, was sie aus ethisch-ökologischen Gründen nicht finanziert. Diese werden veröffentlicht und die Bank lässt sich hieran messen. Die Bank sollte in ihrer Finanzierungs- und Investitionstätigkeit auch nachhaltige Unternehmen und Projekte einschließen.
Risiken müssen minimiert und kontrolliert werden. Denn es ist die oberste Pflicht der Bank, ihre kontinuierliche Rolle als Finanzierer der Realwirtschaft nicht unnötig zu gefährden.
6. Die Bank wird von Bankern geführt, die sich ihrer wichtigen gesellschaftlichen Rolle bewusst sind und diese auch erfüllen können. Sie denken in Beziehungen, nicht in Transaktionen. Sie denken langfristig, nicht kurzfristig und machen ihre Handlungen transparent.
Sie brauchen für die Erfüllung ihrer Aufgaben keine Anreizsysteme. Sie sind bereit, hierfür auch einen Eid zu schwören (wie dies in den Niederlanden bereits praktiziert wird).
Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank stehen für diese Forderungen. Sie liefern mit ihrem kontinuierlichen Wachstum von im Durchschnitt 20% p.a. den Beweis, dass ein solches Geschäftsmodell auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann, ohne Mensch(lichkeit) und Umwelt zu kompromittieren.
Ein anderes Bankwesen ist möglich. Politik und Bankenbranche müssen handeln. Sie müssen dies im Dialog mit der Bevölkerung machen – denn ihr sind sie verpflichtet, von ihr erhalten sie den gesellschaftlichen (Existenz-)auftrag. Die Zeit zu handeln ist jetzt.





Ich schließe mich Eurer Sichtweise in vollem Maße an.
Hallo,
das klingt gut. Ich würde aber ergänzen. Die Bank ist keine Bank mehr. Denn solange es den Begriff noch gibt wird ein anderer Weg desymbolisiert, weil er gar nicht erst gedacht werden kann.
Ansonsten sagt mir, wo ich unterschreiben muss
mfg
Boris Janek
Hallo Boris Janek,
danke für das Feedback – habe ich Sie richtig verstanden: Sie meinen, dass der Begriff der Bank einer Neuerfindung der Bank im Weg steht?
Viele Grüße aus Frankfurt
Anna Handschuh
Dieser Prinzipienkatalog (mehr als Ethik oder Verhaltenscodex) enthält wichtige und richtige und fast vollständig die Werte, auf die umgestellt werden sollte – und die auch möglich und keineswegs utopisch sind. Wer diese Punkte für utopisch, also nicht realisierbar hält, und das ist die grosse übliche Killerphrase, der hat Eigeninteressen die er nicht zugeben will oder kann.
Das Spannende ist ja, dass alle diese aufgeworfenen Fragen, die ich sehr unterstütze, eine Frage der Kultur, eine “Kulturfrage” sind. Alles “bankern” hat und braucht, wie alles Backen und Schreiben und Schränkeverkaufen und alles Autoreparieren seine kulturelle, oder geistige Seite.
Sage da noch einer, man möge ihm mit dem Geist gestohlen bleiben, hier ginge es nur ums Geld verdienen. Eben nicht. Und anders wär’s eben auch gar nicht denkbar.
Ähnliche statements finden sich in Mission Statements vieler großer Institute, Ethikkodices enthalten weitere der genannten Komponenten. So lange das aber nicht gelebt wird, sind das alles nur Muster ohne Wert und leere Phrasen. Dem müssen sich Manager stellen und auch ich würde eine Art neuen “Radikalenerlass” begrüßen – wer es einmal vermasselt hat, darf nicht mehr eine Bank leiten. Andere genannte Punkte sind (oder waren) längst Standard, z.B. Eigenkapitalunterlegung nach Bilanzsumme (wenn man es mal so vereinfacht ausdrückt). Ferner zahlen große Institute eine Bankenabgabe. Wir haben eine Bankaufsicht, teilweise durch die Politik vertreten (wer kontrolliert die?).
Ich halte die Zusammenstelung für relativ unspezifisch, effektheischerisch und auch in sich wenig stimmig, wenngleich man sie natürlich vertreten kann – ich hätte sie nicht im Internetauftritt einer Bank vermutet und frage mich wie viel der Autor von der Problematik versteht.
Zu guter letzt: Kunden sind ja nicht wehrlos, ihnen verbleibt ja auch die Abstimmung mit den Füßen, meint: Geld abziehen und zu einer anderen Bank gehen. Wo haben die Occupy Anhänger ihre Konten? Man müsste sie mal fragen…
(Der Beitrag spiegelt meine persönliche Meinung wieder)
Hallo Thorsten Schmidt, vielen Dank für die Meinungsäußerung. Es ist richtig, dass in Gesellschaft und Wirtschaft viel geredet, schriftlich festgehalten und dann doch nicht gelebt wird. Leider.
Die Punkte, die wir hier aufführen, sind für uns in der Bankenpraxis noch nicht (ausreichend) zu finden und stellen aus unserer Sicht wichtige Eckpunkte dar, um endlich einen dringend benötigten Wandel in der Branche herbeizuführen. Dass es so nicht weitergehend kann, sollten wir nicht erst durch die aktuellen Krisen fühlen oder wissen.
Zudem stehen wir als Triodos Bank für die aufgeführten Punkte. Wir reden also nicht nur, wir leben es auch. Wir zeigen z.B., dass Fokussierung auf das Kerngeschäft, Transparenz, klare Ausschlusskriterien, keine Boni und eine Ausrichtung auf Nachhaltigkeit möglich und auch ökonomisch erfolgreich sind.
Natürlich ist der Beitrag mit seinen Punkten kurz gehalten. Zu jedem einzelnen Punkt können Sie uns gerne ansprechen und einen kritischen, fachlichen Dialog mit uns führen. Wir freuen uns darauf! Beste Grüße, Stefanie Erhardt
[...] nachhaltige Triodos Bank stellt in Ihrem Blog-Beitrag “Wir fordern zu neuem Denken über Bankwesen auf” 6 Thesen und Forderungen für eine “neue Bank” auf. Hier die 6 Forderungen. 1. Die Bank [...]
Also die Punkte sind sicherlich absolut richtig und treffen meine Kernförderungen perfekt (auch wenn die ein oder andere Aussage doch diskussionswürdig ist).
Ich denke allerdings ein Punkt 7 fehlt:
7. Das Funktionieren des Bankwesens in der Volkswirtschaft ist elementar wichtig. Es liegt deshalb im vitalen Interesse des Staates, diesen Bereich stark zu reglementieren und stark zu kontrollieren. Es wird deshalb eine strenge Regulierung und eine strenge Kontrolle des Finanzsektors direkt durch den Staat eingeführt.
Etwas genauer bin ich noch hier darauf eingegangen: http://www.blog.gruenesgeld.net/2011/12/weiterer-wichtiger-punkt-fuer-die-neue-bank/
JA ENDLICH, MACHEN!
Dazu möchte ich folgende Richtlinien von 1973 (!) ergänzen, die damals von Vertretern der Wirtschaft aufgestellt wurden, und die leider auch in Vergessenheit geraten sind:
http://www.schaudel.de/consulting/loads/Davoser%20Manifest%201973.pdf