Über Quote, Topmanagerinnen und Männer in Elternzeit bei der Triodos Bank und anderswo

Alexander_Schwedeler

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Letzten Montag hatten wir bei Triodos im Team-Meeting (wie wir das jeden Montag haben) das Thema Gender Diversity auf der Agenda. Frei übersetzt: Die Vielfältigkeit der spezifisch weiblichen und männlichen Fähigkeiten. In einer McKinsey-Studie zu diesem Thema heißt es: Firmen, bei denen in der Top-Management-Ebene gleichermaßen Frauen wie Männer präsent sind, erwirtschaften eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite als Firmen, bei denen überwiegend oder ausschließlich Männer im Top-Management zu finden sind.

Wie ist das bei der Triodos Bank insgesamt? Die gute Nachricht zuerst: die Verteilung von Frauen und Männern bei den fast 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller fünf europäischen Filialen von Triodos ist annähernd 50/50, also ausgewogen. Dann die weniger gute Nachricht: im mittleren Management sind es nur noch 38 Prozent weibliche Mitarbeiter und im Top-Management gar nur noch acht Prozent.

Das muss also besser werden. Wir haben uns vorgenommen, die Anzahl von Frauen im Top- und im mittleren Management weiter zu erhöhen – auch weil das im Verständnis von Triodos zu einer Nachhaltigkeitsbank gehört. Quote oder nicht? Das wird bei uns gerade diskutiert. Auf jeden Fall gilt: Positionen sind immer mit dem dafür qualifizierten Menschen zu besetzen. Dabei aber ist verstärkt darauf zu achten, dass die Anzahl der Frauen in Führungspositionen zunimmt.

Die Führung der Triodos Bank in Deutschland stellen zur Zeit Georg Schürmann und ich. Das soll auch zunächst so bleiben, obwohl das hundert Prozent Männer bedeutet. Im mittleren Management jedoch beträgt bei uns die Frauenquote schon ein halbes Jahr nach der Eröffnung hier in Deutschland 75 Prozent. Im Zuge des geplanten Wachstums in den nächsten Jahren werden wir die Führung schrittweise erweitern und dann besonders darauf achten, dass Frauen diesen Schritt machen, die möchten und können.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass eine Ausgewogenheit zwischen Frauen und Männern notwendig ist, um zu besseren Entscheidungen zu kommen. Das kann man immer wieder am Verlauf von Diskussionen beobachten. Diese verlaufen einfach ideenreicher und vielfältiger, wenn Frauen und Männer gleichermaßen vertreten sind. Frauen gehen erfahrungsgemäß kooperativer vor, während Männer sich stärker wettbewerbsorientiert bewegen. Hier liegt ja auch einer der Gründe, warum immer noch viele Frauen zum Beispiel die Selbständigkeit bevorzugen, weil sie diese dem Konkurrenzkampf in einem mittleren oder größeren Unternehmen vorziehen.

Ganz zentral bei dem Thema Frauen in Führungspositionen ist ja auch das Thema flexible Arbeitszeiten: Bei der Triodos Bank haben wir schon relativ flexible Arbeitszeiten. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten entweder nur vier Tage, oder sind meist Freitags im Home-Office. Da sind auch Führungskräfte des Mittleren- und Top-Managements dabei. In vielen Fällen lassen sich so Kindererziehung und Beruf besser vereinbaren. Bei längerer Unterbrechung der Arbeitszeit durch Schwangerschaft garantieren wir den Arbeitsplatz. Das ist wichtig für werdende Mütter. Dann wissen sie, dass sie nach einem Jahr wieder zurück an ihren Arbeitsplatz können. Bei der Triodos Bank in den Niederlanden ist es bereits sehr verbreitet, dass beide Elternteile mit Kindern jeweils nur vier Tage arbeiten und diese so durch die Woche verteilen, dass die Kinder insgesamt nur drei Tage in der Kinderbetreuung sind.

Eine ähnliche Unterbrechung für Väter, zum Beispiel für ein Jahr Kindererziehung, sollten wir ermöglichen und fördern. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schön es ist, als junger Vater einmal ganz allein die Verantwortung für die Kinder zu haben – und das über längere Zeit. Ich habe damals das Fernstudium gewählt, damit meine Frau ihr Medizinstudium absolvieren konnte. Während ihrer Prüfungszeit habe ich dann die Kinder – damals waren es noch zwei – zu hundert Prozent ein halbes Jahr lang betreut. Erst dann kommt man so richtig ins Vater-Sein rein und merkt auch mal, wie anstrengend das ist. Im Ergebnis habe ich damit eine richtig gute Beziehung zu meinen Kindern aufbauen können. Das hält dann das ganze Leben.

Das Thema Gender Diversity ist also ein weites Feld, auf dem viele Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigen Einflussfaktoren? Warum sind immer noch so wenig Frauen im mittleren, aber vor allem Top-Management? Wie denken Sie darüber, lieber Leser?

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6 Antworten zu “Über Quote, Topmanagerinnen und Männer in Elternzeit bei der Triodos Bank und anderswo”

  1. Lieber Alexander,

    das ist ein wirklich sehr sehr guter Blogbeitrag. Danke für das Teilen solcher Internas und Deiner persönlichen Erfahrungen.

    LG
    Christoph

  2. Rosa sagt:

    Vielen Dank für für den offenen und selbstkritischen Umgang mit diesem heißen Eisen. So stelle ich mir eine transparente Kommunikation vor, die nicht nur dann Dinge thematisiert, wenn im eigenen Unternehmen alles “wasserdicht” und tadellos ist. Ich finde, das mutig und authentisch.

    Nun zum Thema “Frauenquote”: Eigentlich beschämt es mich “als Frau”, dass ich es nötig haben soll, nicht um meiner Qualifikation und Kompetenz wegen für Aufgaben gewählt zu werden. Persönlich wollte ich diesen Vorteil nicht in Anspruch nehmen. Meine generelle Ablehnung gegenüber Quotenvorgaben habe ich revidieren müssen. Es ist offensichtlich, dass wir – und ich meine Männer UND Frauen – es nicht anders schaffen. Es war Zeit genug, seit der sogenannten sozialen Revolution und Frauenbewegung die Ideale eines gleichberechtigten miteinander Arbeiten von Männern und Frauen umzusetzen. Daran sind übrigens aus meiner Sicht Frauen ursächlich beteiligt: Wir müssen Verantwortung übernehmen, schwierige Aufgaben annehmen und nach den entsprechenden Positionen greifen, statt zu kneifen… Ich selbst will mein Bestes versuchen und danke allen Männern, die sich gerade heutzutage diesem Diskurs stellen.

  3. Sanda Thomas sagt:

    Hallo Herr Schwedeler,

    richtig und wichtig aus meiner Sicht – Positionen in einem Unternehmen mit qualifiziertem Personal besetzen. Wenn die Ausgewogenheit der Geschlechter dabei noch berücksichtigt wird, ist das perfekt.

    Danke für diesen schönen Beitrag und Ihre “Sicht der Dinge”.

    Und als Mutter zweier Kinder wünsche ich jedem Vater eine “Vaterzeit” :-) .

  4. Alexander Schwedeler sagt:

    Lieber Christoph, vielen Dank für deine netten Worte. Welche Erfahrungen machst Du mit dem Vater-Sein?

  5. Alexander Schwedeler sagt:

    Liebe Rosa, herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Ich selber tue mich noch schwer mit der Quote, weil ich glaube, dass für eine Aufgabe immer der dafür qualifizierte Mensch gefunden werden sollte, egal ob Frau oder Mann. Ich sehe natürlich auch, dass für ein gleichberechtigtes Miteinander im Führungsbereich noch viel getan werden muss. Mich interessiert auch die Frage, was sind eigentlich weibliche, was sind männliche Qualitäten? Das kann man ja auch losgelöst vom Geschlecht sehen. Ich meine, Frauen können sehr männliche Qualitäten haben, und Männer vice versa.

  6. Alexander Schwedeler sagt:

    Hallo Frau Thomas, ja, ich finde auch, dass jeder Vater seine “Vaterzeit” haben sollte. Die sollte aber meiner Meinung nach mindestens 3 Monate 100% sein, also komplett allein verantwortlich für alles. Erst dann merkt man was das für eine Aufgabe ist mit allen schönen und eben auch teils sehr anstrengenden Seiten.

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