Letzte Woche war ich auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn. Das diesjährige Thema der Veranstaltungsreihe, die sich an Medienvertreter aus aller Welt, Experten von zwischenstaatlichen und Nichtregierungsorganisationen, Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler richtet:
“The heat is on – Climate change and the media”.
Die Bilanz: Zweieinhalb Tage, 51 Diskussionsrunden, mehr als 1.500 Teilnehmer aus 95 Ländern, über 200 Referenten, u.a. von der UNFCCC (Yvo de Boer) und anderen UN-Organisationen, von Germanwatch, Wuppertal Institut, Potsdam Institut, Greenpeace, WWF, Kieler Institut für Weltwirtschaft, Asian Development Bank, DEG, GTZ, DIE, NABU etc.
Laut einer auf der Konferenz vorgestellten Studie von Deutsche Welle und Synovate empfinden Menschen (befragt wurden 13.000) in aller Welt den globalen Klimawandel mehrheitlich nach wie vor als Bedrohung. Von den Medien erwarten sie mehrheitlich, dass diese über Klimawandel und seine Folgen aufklären. Allerdings ist die Zahl derer, die sich keine Sorgen machen, in den vergangenen zwei Jahren gestiegen: von vier Prozent 2008 auf jetzt neun Prozent. Tendenz steigend???
Aber wie gut können die Medien die Aufgabe erfüllen, welche von ihnen verlangt wird, und verhindern, dass wir die “inconvenient truth” verdrängen? Auf der Konferenz wurden u.a. diese Probleme und Herausforderungen für die Medien genannt bzw. deutlich:
Klimawandel ist ein hoch komplexes Thema. Die Vielfalt der Dimensionen, die sich hinter dem Begriff verbergen und sich gegenseitig bedingen, ist groß. Klimawandel hat nicht nur eine ökologische Dimension, sondern auch eine soziale (Nord-Süd-Gerechtigkeit), politische, wirtschaftliche, finanzielle, rechtliche (Grundrechte, Menschenrechte) sowie religiöse und kulturelle Dimension (und dies ist nur eine grobe, unvollständige Aufzählung). Ein Journalist muss also ein weitreichendes, interdisziplinäres Verständnis über Klimawandel entwickeln - einen “Umweltjournalisten” wie Fiona Harvey von der Financial Times haben, meines Wissens, jedoch nicht viele Publikationen.
Zudem ist Klimawandel noch weitgehend ein wissenschaftliches Thema (auch wenn die Beweislage im Alltag immer deutlicher wird). Die wissenschaftlichen Studien sind für Nicht-Wissenschaftler oft nicht leicht zu verstehen, die Fachbegriffe bilden eine eigene Welt. Der Journalist muss also vereinfachen können, übersetzen können, ohne hierdurch die wissenschaftlichen Aussagen zu verwässern oder zu verfälschen. Auf der Konferenz wurde allerdings auch deutlich, dass die Wissenschaft lernen muss, besser, einfacher zu kommunizieren.
Medien sind von Neuigkeiten getrieben, Aufklärung über Klimawandel kann diesem Prinzip aber nicht (immer) folgen. 2050 ist zudem ein zu langer Zeithorizont für eine Tages-aktuelle Berichterstattung. Bereits heute sichtbare Folgen des Klimawandels in Afrika, Asien oder Lateinamerika sind zu weit weg, um den Leser hierzulande ausreichend zu motivieren. Und die Maxime der Neutralität der Berichterstattung führt dazu, dass denjenigen, die an den Mensch-gemachten Klimawandel glauben (Mehrheit), und denjenigen, die nicht an den Mensch-gemachten Klimawandel glauben (Minderheit) und dies nicht selten aus wirtschaftlichen Gründen heraus propagieren, der gleiche Platz im Artikel gegeben wird. Letztere Gruppe, die Gruppe der Klimaskeptiker, so Fiona Harvey von der FT, sind sehr gut organisiert, politisch und wirtschaftlich auf den höchsten Ebenen verankert und mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet. Und sie haben oft die einfachere argumentative Ausgangsbasis.
Grundsätzlich wurde auch wieder zwischen den Zeilen deutlich, dass Medien wirtschaftliche Einheiten sind, als solche nicht vollkommen frei agieren können und von der Finanzkrise nicht unberührt geblieben sind.
Was den anwesenden Journalisten immer wieder auf der Konferenz nahe gelegt worden ist: schreibt beim Thema Klimawandel nicht über Probleme und Kosten, sondern über Lösungen und Chancen. Und werdet euch eurer Bedeutung im Kampf gegen Klimawandel und für die gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Transformation bewusst. Medien müssen Verantwortung übernehmen. Aber eine einfache Aufgabe ist das sicherlich nicht – auch wenn die zahlreichen Journalisten, die auf der Konferenz waren und sich offensichtlich für das Thema Klimawandel interessieren, ein positives Zeichen waren.
Ich denke auch im Nachgang noch viel über die Konferenz nach…denkt doch mal mit! Was für Erwartungen habt ihr an die Medien beim Thema Klimawandel? Welche Herausforderungen und Chancen seht ihr?




