Banken der Zukunft

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Eine kürzlich veröffentlichte, von der Rockefeller-Stiftung unterstützte Studie hat deutlich gezeigt, dass nachhaltige Bankmodelle herkömmliche Banken auch hinsichtlich der Finanzkennzahlen überlegen sind. Auch aus diesem Grund versammelten sich am vergangenen am vergangenen Sonntag in Rio de Janeiro, Brasilien, im Vorfeld des Weltklimagipfels Rio+20 drei Vorreiterorganisationen in Sachen Nachhaltigkeit – die Green Economy Coalition, das norwegische Forum for Environment and Development und die Global Alliance for Banking on Values – um konkrete Vorschläge zu erarbeiten, eine nachhaltigere und damit stabilere und gerechtere Finanzindustrie zu etablieren. Die Ergebnisse ihres Treffens haben sie in dem folgenden (aus dem Englischen übersetzten) Positionspapier zusammengefasst:

Ein Finanzsystem schaffen, das grün, fair und inklusiv ist

Das Finanzsystem spielt eine tragende Rolle bei der Entwicklung und Funktionsfähigkeit aller Volkswirtschaften. Daher ist es wichtig, soziale und ökologische Verantwortung in die Geschäftsmodelle von Finanzinstituten aufzunehmen und eine Kultur der Partizipation der Bürger am Finanzsystem zu schaffen. Damit wir eine grüne, faire, und inklusive Finanzindustrie und letztendlich Wirtschaft aufbauen können.  

Die positive Vorbildfunktion in diesem Transformationsprozess, die speziell nachhaltige Banken einnehmen können, ist durch die ökologischen, sozialen und auch finanziellen Erträge dieser Finanzinstitute während der vergangenen Jahrzehnte erwiesen. Gleichzeitig unterstreichen die jüngsten Erfahrungen im Finanzsystem die Notwendigkeit eines fundamentalen Wandels, um sicherzustellen, dass wirklich alle Finanzinstitute eine proaktive Rolle bei der Errichtung einer grünen, fairen und inklusiven Finanzwirtschaft übernehmen.  

Um das gegenwärtige Finanzsystem zu reformieren, muss eine Reihe von Rahmenbedingungen geschaffen werden und zusätzliches Kapital wird zum Ausbau nachhaltiger Finanzinstitute benötigt. Während des im Vorfeld des Weltklimagipfels abgehaltenen öffentlichen Konsultationsprozesses, initiiert von der Green Economy Coalition, dem Norwegian Forum for Environment and Development und der Global Alliance for Banking on Values, wurden vier zentrale Forderungen an die Politik, konkret die  Entscheidungsträger des Weltklimagipfels Rio+20, gerichtet. Außerdem wurden entsprechende Vorschläge für spezifische Maßnahmen erarbeitet, die zu einer wesentlichen Transformation der gegenwärtigen Finanzbranche  führen werden.  

Grundsätzlich müssen wir uns von dem vorherrschenden Leitbild kurzfristiger Profitmaximierung lösen und auf eine langfristige Werteentwicklung setzen. Gängige Praktiken und Denkweisen von Ökonomie und Bankbranche erzeugen zu viele Anreize, sich auf kurzfristigen Erfolg auszurichten.

Die vier zentralen Forderungen an die Politik und entsprechende Vorschläge für spezifische Maßnahmen sind:

  1. Anreize für private Finanzinstitute zu schaffen sowie neue öffentliche Banken aufzubauen, damit mehr grüne, faire und inklusive Produkte und Dienstleistungen angeboten werden:
    1. Steueranreize für verantwortungsbewusste, längerfristige Investitionen schaffen
    2. Öffentliche Finanzinstitute aufbauen, die öffentliche Finanzierungen für grüne, faire und inklusive Projekte anbieten, welche (noch) nicht vom privaten Sektor übernommen werden können
    3. Pensionsfonds und anderen regulierten Investoren die Flexibilität ermöglichen, in grüne, faire und inklusive Projekte zu investieren,  einschließlich der Entwicklung und Anwendung von Kriterien, die ihnen eine Perspektive der langfristigen Wertschöpfung ermöglichen   
  2. Eine breitere Diversität von Finanzinstituten sicherstellen, um Innovationsmöglichkeiten zu schaffen:  
    1. Die Mindestkapitalanforderungen an (globale) systemrelevante Finanzinstitute erhöhen
    2. Eine Bankhaftungsgebühr einführen, die sich an der Größe der (globalen) systemrelevanten Banken orientiert, um so die Subventionskosten dieser Institute, welche zu groß sind, um zu scheitern („too big to fail“), auszugleichen  
    3. Den erweiterten Berechnungsansatz für risikogewichtete Aktiva (RWA) in den Eigenkapitalvorschriften für Banken abschaffen, um die Vorteile für große Kreditinstitute zu eliminieren  
  3. Reporting-Prozesse verbessern um Kosten und Nutzen über einen längeren Zeitraum relativ zu sozialen und ökologischen Auswirkungen der Finanzprodukte und -leistungen messen zu können: 
    1. Die Einbindung von langfristigen und derzeit nicht gemessenen ökologischen und sozialen Kosten und Nutzen in    Finanzbuchhaltungssysteme erforderlich machen
    2. Diesbezüglich volle Transparenz bei Kreditvergabe, Investmentfonds und Pensionsfonds fordern  
  4. Spekulationen im Finanzsystem, die keinen erkennbaren Nutzen für die Gesellschaft haben, unterbinden:  
    1. Verbot des Eigenhandels durch beaufsichtigte Finanzinstitute, die an Einlagensicherungssystemen angeschlossen sind  
    2. Eine Mindeststeuer erheben auf Finanztransaktionen mit Steuerrückerstattung basierend auf der Dauer, die ein Finanzprodukt gehalten wird
    3. Vorherige Zustimmung einschließlich einer Beurteilung des realwirtschaftlichen Mehrwerts von neuen sowie bestehenden derivativen Finanzprodukten durch die Aufsichtsbehörden

Ziel ist es, eine grüne, faire und inklusive Wirtschaft zu schaffen. Die Entscheidungsträger auf dem Weltumweltgipfel Rio+20 werden gebeten, die Umsetzung dieser Forderungen zu unterstützen.

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Die Triodos Bank sagt Nein zu Streumunition

Stefanie_Erhardt  |   1 Kommentar »

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Facing Finance und Profundo Rechercheergebnisse zu aktuellen Geschäftsbeziehungen deutscher Finanzdienstleister mit Herstellern von Streumunition in Höhe von nahezu 1,6 Milliarden Euro. Fast 90 Prozent dieser Geschäfte betreibt die Deutsche Bank Group, obwohl diese noch im Februar den Ausstieg aus dieser Tätigkeit öffentlich betont hatte.

Die Oppositionsparteien haben dann vergangenen Donnerstag, 22.3., einen Antrag zur Abstimmung im Deutschen Bundestag eingebracht, der ein gesetzliches Investitionsverbot von Streumunition als Ziel hatte. Die Regierungsfraktion hat diesen Antrag abgelehnt. Zeit online sowie ZDF berichteten hierüber.   

Ton Rennen leitet das Nachhaltigkeitsresearch-Team der Triodos Bank und ist u.a. Experte für Rüstungsfragen. Indem die Triodos Bank ein klares Ausschlusskriterium beim Thema Rüstung und Nulltoleranz bei Streumunition und Antipersonenminen hat, sind wir ein Vorreiter im Bankensektor.

Hier ein Beitrag (in Englisch) von Ton zum Thema kontroverse Waffen, zu denen auch Streumunition und Antipersonenminen zählen, und was Investoren hier Positives mit ihrem Geld bewegen können.

Pressure on controversial arms producers can create change

Can investors change the behaviour of controversial arms companies through the instrument of exclusion? Yes! The broad exclusion of arms-makers, and especially the production of controversial arms, has caused changes in that sector.

Triodos has a zero tolerance for arms producers and traders. Even if only a small part of a company’s activities relates to arms or tailor-made arms components, we will not invest in it.  Triodos takes it a step further by also excluding banks that provide loans to or invest in companies that are involved in controversial arms such as anti-personnel mines and cluster weapons. Triodos raises awareness in the investment community on our position and we are glad to see that there is a growth visible in the use of these types of exclusion criteria used by the investment community.

Ban on controversial weapons
The United Nations has adopted several legally binding conventions that ban specific weapons: among others, the Ottawa Convention (1999), which bans anti-personnel mines; and the Oslo Convention (2010), which bans cluster weapons. The legal scope extends to countries that have ratified the conventions, and many countries have done so. Unfortunately however there are several major countries, such as the US, Russia, China and Israel, which have so far refused to sign. But international pressure is mounting. Countries like Belgium, Ireland and New Zealand have even gone a step further by adopting legislation that forbids investment in producers of anti-personnel mines and cluster weapons. Other countries, for example The Netherlands, are also preparing comparable laws.

Triodos challenges other banks
One important aspect of our screening of banks for potential inclusion in our Sustainable Investment Universe is that of banks’ investment in controversial arms producers. Before a bank can be approved, Triodos requires that it has no investments in, or relations with, producers of anti-personnel mines and cluster weapons. As a result of our on-going dialogue with several banks and helped by the growing international awareness for the issue, a number of them have reviewed, or are starting to review policies, and are developing or refining blacklists. In a few cases we have even seen immediate sales of disputed investments as a result of our contact with the bank.

Arms producers are feeling it
The scale of investors’ restrictions seems to be limiting certain arms producers to attract (new) investors, which in turn can limit them in their activities. Recently, an arms producer approached Triodos because its occurrence on the Triodos blacklist of controversial arms producers was causing it problems with a series of investors that make use of our list. A growing number of arms producers issue statements that they are not involved in specified controversial arms. Some of them even explicitly state that they have stopped producing such arms, for example German company Rheinmetall, and Saab from Sweden. Although US arms producers are not bound by their government, they’re also feeling more and more uneasy because of investor criticism. Some major US arms producers, such as L3-Communications and General Dynamics, have also issued comparable statements.

Positive impact
On the one hand we see that banks are developing black lists of companies involved in controversial weapons and on the other hand we see that companies that used to be involved in the production of controversial weapons are suffering from these black lists and are stepping away from these activities. These examples show that exclusion criteria used in determining the sustainable investment can bring about lasting positive change.

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Finanzspekulation mit Agrarrohstoffen hat katastrophale Konsequenzen für Entwicklungs- und Schwellenländer

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Unser Geschäftskunde foodwatch hatte zusammen mit dem Journalisten Harald Schumann im Oktober einen Bericht über Spekulation von Banken mit Rohstoffen wie Mais oder Weizen veröffentlicht. Das Thema ist brisant, denn die Autoren stellen fest: “Mit ihren Wetten treiben Banken die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe und machen sich mitschuldig am Hunger in der Welt.” Sie fordern daher von Finanzinstituten, die Spekulation mit Agrarrohstoffen einzustellen. Erst gestern haben die Medien erneut hierzu berichtet.

Wir wollen euch daher die Position der Triodos Bank zum Thema Spekulation mit Agrarrohstoffen mitteilen. Stellvertretend für unsere Bank schreibt hier (auf Englisch) unser niederländischer Kollege Koert Jansen, der als Fondsmanager in unserem Team für Emerging Markets (Schwellenländer) arbeitet und Experte im Bereich nachhaltiger Handel (Sustainable Trade)  ist. 

Durch seine Aufgabe bei der Triodos Bank arbeitet Koert unter anderem mit Fair Trade-Kaffeeproduzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen. Hierbei fiel ihm bereits 2009 etwas auf: Der Preis für Kaffee auf den Weltmärkten schien immer weniger von den Faktoren Wetter, Angebot und Nachfrage sowie Wechselkursen erklärbar zu sein. Die Triodos Bank bat daher die Universität Utrecht, genauere Analysen durchzuführen. Und das Ergebnis: Spekulationen hatten und haben einen signifikaten Einfluss auf die Kaffeepreise.

Und wer verliert dabei? Die Kaffeeproduzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie trifft es hart. Und was für Kaffee gilt, gilt in noch extremeren Maße für andere Agararrohstoffe, die ganz unmittelbar für die Grundernährung in Entwicklungs- und Schwellenländern eine Rolle spielen.

Aus diesem Grund wollen wir als Triodos Bank zu diesem Thema Position beziehen. Uns ist es wichtig, insbesondere große, institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen auf die negativen Auswirkungen von Investitionen in dem Bereich Agarrohstoffe aufmerksam zu machen und sie dadurch zu einem Umdenken zu bewegen.    

Speculation on food market spells disaster for developing countries (by Koert Jansen, first published in 2009)

Since their creation in the 19th century, the commodity futures market have always played a key role in the different commodity chains. This is where market players are hedging-off their price risks with each other. By doing so, they have created a transparent price setting platform for raw materials such as aluminium, gold and copper, but also those for agricultural products like corn, rice, maize, sugar and coffee. Peruvian coffee farmers, cocoa farmers from Ivory Coast, South African owners of gold mines and oil barons from the Middle East all keep a close eye on the commodity futures markets in New York and London. That is where the price on which they base their day-to-day decision-making emerges.

Take the Peruvian coffee farmer. Should he sell his coffee today or wait a while? Plant new coffee bushes now or delay until next year? And will he be able to repay the loan he will have to take out to pay for them in time?

Until a few years ago, these prices came about on the basis of real market factors: rain and drought, yield per hectare, world stocks, exchange rates and consumer demand. Our coffee farmer could usually reason out why the price moved as it did. Frost in Brazil? That would seriously affect world coffee production – and so the price would rise.

But then, to his amazement (and that of other farmers and traders), coffee prices started to behave less and less according to the logic of supply and demand. To get to the bottom of what was causing this, Triodos Bank commissioned Utrecht University to conduct some research into price movements on the coffee market in the last twenty years. It revealed that, since 2004, price movements have increasingly been determined by financial speculation.

This relatively new form of speculation is a direct consequence of the arrival, through so-called index funds, of institutional investors such as pension funds and other major investors, onto the commodity futures market. Investing through index funds is popular: the volume of trade from index funds has risen in the last five years from 13 billion to over 300 billion dollars. Investors who use index funds buy a “basket” of different raw material futures contracts and speculate on a general price rise. The result is that the price movements of various raw materials go up as a group more often, without this having any foundation in actual economic factors. Besides this, due to their one-sided purchasing behaviour –geared to price rises– investors in index funds create an upwards price effect.

What does this mean for our Peruvian coffee farmer? The weather forecast in Brazil is less and less relevant to the price of his coffee. Instead, the price movement of other commodities such as oil has become more important. Added to that, the direction it takes is increasingly being determined by the total amount of speculative money investors are putting into raw materials in this way.

Such a development, in which prices of raw materials can largely be determined by players outside the production chain, produces significant social consequences. Just think of the impact it makes on 17 to 20 million coffee farmers and their cooperatives, all of whom have to make decisions every day based on the prices on the commodity future markets in New York and London. Coffee farmers who decide to start cultivating more hectares of coffee because prices are high now, more than ever run the risk that the price has fallen sharply by the time they can harvest their crop, because there is no actual corresponding increase in demand.

The greater role played by speculation is not limited to coffee. The conclusions of a recently-published report by the UN Special Rapporteur on the Right to Food, Olivier De Schutter, could not be clearer. In his report, De Schutter shows that the speculative bubble is driving up food prices, such as those of maize, rice, corn and cocoa. The consequences for developing countries, in particular those that have to import food to feed their population, are disastrous. Food is barely affordable, or not at all, for large numbers of the population. De Schutter warns of a new food crisis similar to the one in 2008, when food riots broke out all over the world.

Financial products that have no connection to the real economy lead sooner or later to major problems. That is the hard lesson of the crisis in the financial sector. Triodos Bank argues that major investors should stop investing in index funds. There is a need for a national and international debate on more transparency and balance in the commodity futures markets, because major speculative investors have no place in commodity futures markets.

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Spielend Bank erleben

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Am 5. Januar 2012 war es soweit: Wir veranstalteten den ersten Triodos Kids Day. Eingeladen waren die Kinder unserer Mitarbeiter, die in Begleitung ihrer Eltern auch zahlreich erschienen. Organisiert wurde die Veranstaltung von Marion Buley, Relationship Managerin im Bereich ökologische Landwirtschaft bei der Triodos Bank. „Ziel ist es, unseren Kunden von morgen nachhaltiges Banking nahe zu bringen“, so die Relationship Managerin.

Morgens um 10 Uhr ging es los: Die Kinder machten es sich in unserem sogenannten White Room – dem Kreativ- und Ruheraum der Bank – bequem und erprobten in einem kleinen Rollenspiel die Aufgaben von Banken im Allgemeinen und die Besonderheiten einer Nachhaltigkeitsbank. Im Anschluss besuchten sie die einzelnen Abteilungen, wo verschiedene Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz vorstellten. Natürlich blieb auch genug Raum für Spaß und Spiel. Schnell hatten die Kinder unsere Räumlichkeiten erobert, tollten herum und beobachteten aus den Büros fasziniert die Züge am Frankfurter Hauptbahnhof. Als sich alle ausgetobt hatten, stand eine kleine Quizrunde zur Triodos Bank auf dem Programm. Gefragt wurde beispielsweise, was glückliche Kühe mit nachhaltigem Banking zu tun haben oder auch, aus welchen Quellen erneuerbare Energie gewonnen wird. Selbstverständlich gab es dabei keine Verlierer, aber viele schöne Preise.

Schnell war es Mittag und Zeit, sich mit Pizza ausgiebig zu stärken. Denn zum Abschluss machten sich die älteren Kinder auf den Weg zur Tutanchamun-Ausstellung, die zeitgleich in Frankfurt stattfand.
“Den Kindern machte der Tag riesigen Spaß und sie möchten uns unbedingt so schnell wie möglich wieder besuchen. Nicht zuletzt wegen der tollen Spielmöglichkeiten und der leckeren Pizza“, so das Resümee Marion Buley nach einem besonderen Tag.

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NRW goes green – von der Energiewende einer Industrieregion

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In der Oktober-Ausgabe unseres Mehr.Wert-Newsletters berichteten wir von der Energiewende in Nordrhein-Westfalen. Ein wichtiges Thema: Denn mehr als ein Drittel aller deutschen Treibhausgas-Emissionen entsteht in NRW. Grund hierfür: In keinem anderen Bundesland gibt es so viel Schwerindustrie. Man denke nur an das Ruhrgebiet-Klischee von den Fördertürmen der Zechen und den Schornsteinen der Kokereien und der Eisen- und Stahlhütten.

Eine zentrale Rolle in der Energiewende von NRW spielt die EnergieAgentur.NRW. Was die Agentur und das Bundesland für eine nachhaltigere Zukunft im Sinne der Ökologie unternehmen, das wollten wir genauer wissen und haben bei Herrn Goedecke, Energieberater bei der EnergieAgentur, nachgefragt:

 

Herr Goedecke, was genau ist die EnergieAgentur NRW und was sind ihre Aufgaben?

 Die EnergieAgentur.NRW ist eine Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen, die im März 1990 gegründet wurde. Wir werden getragen vom NRW-Klimaschutzministerium. Das heißt, wir sind jetzt im 22. Geschäftsjahr. Seit der Anfangszeit bieten wir Beratung für kleine und mittlere Einrichtungen, als auch Vereine und Verbände in Nordrhein-Westfalen – also für Städte, Gemeinden und mittelständische Unternehmen – in den Bereichen Energieeffizienz und Nutzung unerschöpflicher Energiequellen. Der Erfolg liegt darin, dass wir als neutrale, nicht-kommerzielle Einrichtung fungieren. Natürlich haben sich die Dienstleistungen der EnergieAgentur.NRW im Laufe der Zeit gewandelt – und auch erweitert.

Drei Jahre nach unserer Gründung haben wir Aufgaben in der Energie-Weiterbildung übernommen. Zwar haben wir keine Weiterbildungsakademie, aber wir haben bestimmte Themen methodisch und didaktisch aufbereitet und bieten sie – nebst  geschulten Referenten – professionellen Weiterbildungsträgern an. Zielgruppen in diesem Bereich des Wissensmanagements – wie es heute auch genannt wird – gehen von Fachingenieuren über Handwerker wie Hausmeister bis zu Endverbrauchern – wie zum Beispiel Vermietern und Einfamilienhaus-Besitzern.

Unter anderem greift das Wissensmanagement auch das Nutzerverhalten in großen Einrichtungen, in Verwaltungen und in größeren Unternehmen im Einzelnen auf. Ein herausragendes Projekt, das wir lange Jahre betreuten, ist sicherlich die „Mission E“ bei der Bundeswehr. Dort wurde das Nutzerverhalten der Angestellten teils mit Energiesparinitiativen geschult. Das Projekt wird mittlerweile auf andere Bundesliegenschaften übertragen.

Zudem koordiniert die EnergieAgentur.NRW Netzwerke, das Cluster Energieforschung CEF.NRW und das Cluster EnergieRegion.NRW. In diesem Zusammenhang moderieren wir Foren zum Beispiel für Kraftwerkstechnik – unter anderem im regenerativen Bereich mit Wasserkraft und Windkraft.

Sie haben von Clustern gesprochen: Können Sie den Begriff näher erläutern?

 Cluster sind Netzwerke. Es bedeutet nichts anderes, als dass unterschiedliche Akteure, die in der gleichen Branche tätig sind, Kräfte und Know-how bündeln, um mit der Summe Aller mehr zu erreichen, als es alleine möglich wäre. Beginnt beispielsweise eine Gemeinde ein Biomasse-Projekt, spricht sie dabei mit den Landwirten vor Ort über die Errichtung von Biogas-Anlagen und zieht sie zudem Vertreter der örtlichen Hochschule zu Rate, so entsteht eine solche aktive Verbindung: die Landwirte besitzen Boden, um Substrate anbauen und später wieder ausbringen zu können. Die örtliche Hochschule steuert Forschungsergebnisse bei. Und die Gemeinde realisiert das Biomasse-Projekt.

Grundsätzlich gesprochen sind Cluster eine Antwort auf den globalisierten Wettbewerb, der nicht mehr zwischen Unternehmen, sondern in regionalen Netzwerken stattfindet. Unternehmen profitieren von den Clustern, indem sie auf die Kompetenzen anderer Mitglieder zugreifen und sich auf eigene Kernkompetenzen spezialisieren können.

Sie koordinieren ganz gezielt Projekte, wie z. B. die „50 Solarsiedlungen NRW“: Können Sie ein Beispiel dafür nennen? Was sind die Herausforderungen?

 Die „50 Solarsiedlungen NRW“ in NRW sind ein Erfolgsprojekt, das heute kurz vor dem Abschluss steht und schon einen Nachfolger hat, nämlich „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“. Drei  Kriterien, von denen zwei erfüllt werden mussten, haben zur Aufnahme einer Siedlung in dieses Projekt geführt: erstens ein Mehr an solarthermischer Nutzung, zweitens ein Mehr an Wärmeschutz bis zu Passivhaustechnik und drittens ein Mehr an Solarstromerzeugung. Ebenfalls sind Gesichtspunkte wie Anbindungen an öffentliche Verkehrssysteme zu berücksichtigen. Diese Kriterien, die im Einzelnen von einer Auswahlkommission überprüft wurden, haben dazu geführt, dass die „50 Solarsiedlungen“ heute alle vergeben sind und 37 schon fertig gestellt worden sind.

Was bedeutet konkret „ein Mehr“ an erneuerbaren Energien?

 Ein Mehr an Energieeffizienzsteigerung. Das Unterschreiten der gesetzlichen Energieeffizienzgrenzen war eines der Hauptkriterien, um als Solarsiedlung anerkannt zu werden.

Ist es Zufall, dass eines der ersten Landesklimaschutzgesetze bundesweit  (binnen der nächsten neun Jahre sollen die Treibhausgase in NRW um ein Viertel sinken) in NRW – und damit in einer traditionellen Kohleabbauregion – in Kraft treten soll oder kann man sagen, dass die Menschen hier besonders aus den Folgen Klima belastender Energiequellen gelernt haben?

 Dass NRW ein Klimaschutzgesetz bekommt, ist sicherlich kein Zufall, sondern hängt eng mit der industriellen Geschichte das Landes und seiner Bedeutung als Energieproduzent und -verbraucher zusammen. In keinem anderen Bundesland wird mehr Energie erzeugt – aber auch verbraucht. Wenn hier also ein Klimaschutzgesetz umgesetzt wird, dann wird das Land damit vor allem seiner besonderen Verantwortung als Energieland Nummer eins gerecht. Zugleich gibt es in dieser Energieregion NRW eine Menge an Know-how, dass auch im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien nutzbar gemacht wird.

Das heißt, Ihrer Meinung nach ist ein Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Energiewende in der breiten Bevölkerung schon vorhanden?

 Ja! Also ich arbeite unter anderem im Projekt „EnergieDialog NRW“. Zudem bin ich seit Gründung der Agentur im Bereich Windkraftberatung tätig. Heute erreichen uns sehr viele Anfragen darüber, wie sich die Kommunen oder Kreise im Klimaschutz weiterentwickeln können – wie in der Anfangszeit Mitte der 90er Jahre. Vom öffentlichen Widerspruch zum Beispiel gegen Windkraft ist nur noch selten etwas zu spüren.

Wie sehr ist ein Energiewandel auch von einem gesellschaftlichen Wandel abhängig?

 Neben den Diskussionen über gesamtgesellschaftliche Aufgaben liegen wir im Augenblick in einer Diskussion darüber, inwieweit die Kreditwirtschaft auch von solchen Fragen betroffen ist. Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP in Nairobi, Prof. Töpfer, prognostiziert unter anderem, dass der Wettbewerb um Kapital auch von Anlagenbetreibern erneuerbarer Energien und Energieeffizienzprojekten erfolgreich bestanden werden muss. Ich glaube, dies beschreibt einen Teil der Hürden, die auch in Zukunft noch genommen werden müssen.   

Die Energiewende ist tatsächlich eine komplexe Herausforderung. Zum Beispiel: In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Energieeffizienz pro Quadratmeter und Jahr im Wohnungsbau zwar gestiegen, gleichzeitig die Fläche, die jeder einzelne von uns bewohnt, aber ebenso. Inzwischen steht jedem Deutschen durchschnittlich eine Wohnfläche von bald 45 Quadratmetern zur Verfügung. Vor 20 Jahren waren es noch weniger als 35 Quadratmeter. Unterm Strich steht aufgrund dieses Rebound-Effekts, dass trotz gestiegener Energieeffizienz der Energieverbrauch praktisch nicht gesunken ist. Ein Effekt übrigens, den wir auch aus dem Automobilbau kennen. Die Motoren werden zwar effizienter, der Verbrauch sinkt aber nicht, weil die Autos immer schwerer und leistungsstärker werden. Die Herausforderung ist also nicht nur eine ingenieurwissenschaftlich-technische, es ist mindestens genauso eine mentale Herausforderung. Wir müssen – gerade was unsere Wohn- und Lebensgewohnheiten betrifft – uns verabschieden vom „größer ist besser“ und zu einem „weniger ist mehr“ kommen.

Welche erneuerbare Energietechniken würden Sie als besonders zukunftsträchtig sehen?

 Auch wenn diese Frage im Detail diskussionswürdig ist, stimmt im Großen und Ganzen das Energiekonzept der Bundesregierung und der Landesregierung in NRW in zwei Bereichen, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz fördern: Zum einen ist dies die Nutzung regenerativer Energiequellen und zum anderen die Effizienzsteigerung. Diese beiden Bereiche sind im Kern überall wieder zu finden und machen auch unsere Zukunftsfähigkeit aus, wenn wir als Nation es schaffen, die politischen Beschlüsse umzusetzen und in Zukunft ein wesentliches Mehr an regenerativem Strom in Deutschland zu erzeugen, als das bislang der Fall ist.

Heißt das, unser Weg zu flächendeckender Versorgung durch erneuerbare Energien ist noch sehr weit?

 Laut den jüngsten Statistiken von 2010  liegt der Anteil regenerativen Stroms im Bundesdurchschnitt bei 16,8 %. Das Ziel ist eine Steigerung auf 35 % bis 2020. Das Land NRW hat sich die Aufgabe gestellt, den Anteil des Windstroms von 3% bis 2020 auf 15 % zu erhöhen. Der Anteil erneuerbarer Energien in NRW ist vergleichsweise niedrig, weil viel Strom aus Stein- und Braunkohle gewonnen wird. Wir sind eben „das Energieland NRW“.

Welche sind die langfristigen Ziele der EnergieAgentur.NRW des Landes Nordrhein-Westfalen?

 Das Klimaschutzstartprogramm und die eingeläutete Energiewende geben viele Ziele des Dienstleisters EnergieAgentur.NRW vor. Viele Projekte des Landes NRW sind in den am Anfang beschriebenen Bereichen schon in Auftrag gegeben worden. Diese Projekte wollen wir natürlich auch zum Erfolg führen. Der Weg zur Kosteneffizienz ist das eigentliche Erfolgsrezept.

Sobald eine neue Energieform bezahlbar ist und obendrein noch zusätzlichen Nutzen bringt, hat sie den Durchbruch auf dem Markt geschafft.

Glauben Sie, dass ein Übergang zu 100 % erneuerbaren Energien realistisch ist?

 Viele Wissenschaftler sagen, dass die Vollversorgung aus regenerativen Quellen realistisch ist. Bislang haben wir noch alle Karten in der Hand, das heißt wir haben noch die Gestaltungsmöglichkeiten. Das Ziel zu formulieren, ist also statthaft. Die aktuelle Herausforderung lautet: Soviel wie möglich erneuerbare Energien nutzen. Wenn wir als EnergieAgentur.NRW unseren Beitrag dazu leisten können, dass der Anteil an regenerativen Energien und Energieeffizienz steigt, dann haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.

Autor: Simon Opydo, bei der Triodos Bank im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig

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Anna_Handschuh  |   Kommentare geschlossen
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Liebe (noch nicht)-Kundinnen, liebe (noch nicht)-Kunden, liebe WegbegleiterInnen und WeltbewegerInnen,

Mit Geld etwas zu bewegen – das ist es, was wir bei der Triodos Bank erreichen wollen. Und das können wir nur durch die Menschen, die sich entschließen, unsere Kundinnen und Kunden zu werden. Kurz: Ganz einfach Menschen – wie wir selbst – die auch mit Ihrem Bankkonto einen Unterschied machen möchten,  um einen positiven Wandel zu ermöglichen.

2011 war ein Jahr mit viel Umbruch und Aufbruch:  Wir mussten furchtbares Leid in Fukushima sehen, das viele so tief bewegt hat, dass Ökostromanbieter eine wahre Flut an Neukunden erlebt haben.
Wir hatten viele Jahrzehnte für den Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert – nun wurde dieser nicht nur durch erneuten friedlichen Protest endlich durchgesetzt, sondern der Ausstieg wurde auch gewählt. Und dabei wollen es viele Menschen nicht belassen.
Wir erleben weltweite Demonstrationen gegen das bestehende Finanzsystem. Man hat das Gefühl „Nach der Krise ist vor der Krise“ – oder war es umgekehrt?

Und doch: Wohin man sieht geht etwas zu Ende, aber zugleich entsteht viel Neues:
Regionen erfinden funktionierende Regionalwährungen, Menschen schließen sich in Öko-Landbau Kooperativen zusammen, neue Formen der Nachbarschaftshilfe entstehen, Elterngemeinschaften gründen Schulen und so viel mehr, das Mut macht.
Mut der uns darin bestärkt,  dass wir alle, jede und jeder einzelne von uns, gemeinsam „das Gesicht der Welt verändern können.“

Lassen Sie uns auch dieses Jahr gemeinsam viel bewegen! Es ist an uns allen, endlich zu handeln.
Die Zeit dafür ist jetzt!

Alles Gute für ein bewegtes und bewegendes Jahr 2012!

Anna Handschuh, für das ganze Team der Triodos Bank

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Fair Trade Shopping – oder auch:“Weniger ist mehr!“

Stefanie_Erhardt  |   Kommentare geschlossen

Wieder einmal bewegen wir uns in Schwindel erregendem Tempo auf Weihnachten zu. Und wie jedes Jahr stellt sich die Frage, was wir unseren Lieben zu Weihnachten schenken wollen. Antwort geben auf diese Frage kann Heiko Harms, Mitbegründer des ersten Fair Trade Shops in München, im Interview mit der Triodos Bank. Außerdem spricht unser Kreditkunde über den Zusammenhang von Weihnachten und Fair Trade und zieht Bilanz für das erste Geschäftsjahr des Fair Trade Shops München.
Wer sich für fairen Konsum interessiert, sollte außerdem unseren Beitrag dazu in der aktuellen Ausgabe des Triodos Mehr.Wert-Newsletters lesen.
 

Herr Harms, gibt es in Ihren Augen eine Verbindung zwischen Fair Trade und Weihnachten?

Fair Trade und die Weihnachtszeit passen natürlich sehr gut zusammen. Geschenke aus Fairem Handel bringen sowohl den Produzent/innen in den Entwicklungsländern als auch den Beschenkten hier große Vorteile. Die Produzent/innen erhalten einen überdurchschnittlichen Lohn und Sozialleistungen. Auch werden im Fairen Handel Gesundheitsversorgung und (Aus-)Bildungsmöglichkeiten groß geschrieben. Und die Verbraucher/innen bzw. Beschenkten erhalten ein qualitativ hochwertiges Produkt. Übrigens haben die „Christkinder“, die bei uns einkaufen, ebenfalls etwas davon, denn sie können bei uns nach Herzenslust stöbern, eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, ganz nach dem Motto: Mit Genuss einkaufen und zukunftsfähig konsumieren.

Worauf sollte man beim Weihnachts-Shopping achten?

Weniger ist mehr! Ich finde, wenn man anderen mit Geschenken eine Freude bereiten möchte, sollte man auf Qualität achten: nicht nur auf die Qualität der Produkte an sich, sondern auch auf die ethische Qualität.

Welche Produkte aus dem Fair Trade Shop würden Sie zur Weihnachtszeit besonders empfehlen? 

Besonders geeignet finde ich unsere Bambus-Produkte aus Vietnam, ganz gleich, ob kleine Schalen, große Salatschüsseln oder der Messerblock Mikoto. Sie haben ein trendiges Design, sind ausgezeichnet verarbeitet und eignen sich je nach Modell für jeden Geldbeutel.

Ein anderes kleineres Geschenk sind die zotter-Schokoladen, alle bio und Fair Trade. Das ist handgeschöpfte Schokolade in ungewöhnlichen, manchmal gewagten Geschmacksrichtungen, immer in künstlerisch ansprechender Verpackung. Für etwas mehr als 3 Euro kann man sich die „Handgeschöpfte“ leisten.

Und zu guter Letzt möchte ich noch die kolumbianischen Pendeluhren aus Alteisen empfehlen. Es sind fast ausschließlich Tiermotive, die aus dem Eisen geschmiedet werden, z.B. eine Katze, unter der sich als Pendel eine kleine rosa Maus hin und her bewegt. Nicht nur kleine Uhren- bzw. Tier-Fans haben großen Spaß daran.

Wie feiern Sie persönlich Weihnachten? Was ist für Sie das Wichtige an Weihnachten?

Für mich ist es eine große Familienfeier, wobei ich Familie weit definiere, also auch gerne mit meinen Freunden feiere. Dabei gefällt mir ein bisschen Tradition, d.h. Kerzen am Weihnachtsbaum und Weihnachtslieder singen, sich Zeit nehmen beim Geschenke auspacken. Besonders wichtig ist es auch, das ganze Fest mit viel Humor zu würzen; das gelingt zum Glück eigentlich jedes Jahr.

Wie war das Jahr 2011 für Sie?

Wahnsinnig spannend. Wir haben mit großer Unterstützung von Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern, darunter maßgeblich der Triodos Bank, den ersten Fair Trade Shop Münchens eröffnet. Bis zur Eröffnung Ende Mai waren manche Hürden zu nehmen. Nur einige Stichpunkte: Mietvertrag aushandeln, Finanzierung sicherstellen, Personal einstellen, Umbau organisieren…

Und heute können wir sagen: Alle Mühen haben sich gelohnt. Der Fair Trade Shop ist ein „Magnet“ im Herzen Münchens geworden. Viele sagen uns: „Endlich gibt es ein schickes Fair Trade Fachgeschäft in City-Lage“. Die Momente, wenn wir diese Rückmeldungen von Kund/innen bekommen, sind die schönsten in unserem Alltag.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?

Erst mal Gesundheit und Gelassenheit für alle. Und dass der Vogel fliegt, d.h. der Fair Trade Shop sich weiter positiv entwickelt und noch viel mehr Münchner/innen und Touristen anzieht. Wir wollen unsere Bekanntheit erhöhen und eine Attraktion am Münchner Stachus werden.

Autor: Simon Opydo, bei der Triodos Bank im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig

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1. Global Forum am MIT-Presencing Institute, Boston, 24.-25. Oktober 2011

Alexander_Schwedeler  |   2 Kommentare »

Bei klarem, hellem Herbstwetter trafen sich ca. 270 Menschen in Boston zum 1. Global Forum des Presencing Institute am Massachusetts Institut of Technology (MIT).  Daneben waren über 300 weitere Menschen via live stream aus aller Welt zugeschaltet. Worum ging es? Um die Stärkung der gegenseitigen globalen Wahrnehmung und Achtsamkeit und was dies für Veränderungen bewirken kann hinsichtlich der großen Krisen unserer Zeit.

Das Presencing Institute hat inzwischen mehr als 5500 Mitglieder in über 100 Ländern. Es steht für soziale Innovationen und Zusammenarbeit in den Feldern Wirtschaft, Soziales, Politik, Kultur, Forschung und Wissenschaft.

Otto Scharmer, der Leiter des Presencing Institute, präsentierte in seiner Einleitung zu der Veranstaltung drei Zahlen, mit deren Hilfe er auf die heute drängenden Probleme in der Welt aufmerksam machte.

  • Die Zahl „1,5“ steht für unseren ökologischen Fußabdruck, unseren Ressourcenverbrauch, der 1,5 Mal höher ist als die tatsächlich vorhandenen Ressourcen auf der Erde.
  • Die zweite Zahl ist „2,5 Milliarden“. So viele Menschen auf dieser Welt leben heute unter der Armutsgrenze.
  • Die dritte Zahl, die Otto Scharmer nannte, war die „3“. Weltweit nehmen 3 Mal so viele Menschen sich selbst das Leben wie Menschen andere, zum Beispiel in Kriegen oder durch Kriminalität, töten. Dazu kommen 15-20 Selbstmordversuche auf einen Selbstmord.

Diese drei Zahlen machen deutlich, dass wir uns eine Welt geschaffen haben und weiterhin schaffen, die wir nicht wollen.

Auf der anderen Seite gibt es außerordentlich ermutigende Entwicklungen. Otto Scharmer nannte hier ebenfalls drei.

  • Zuerst die weltweiten Aktivitäten der Zivilgesellschaft: den Arabischen Frühling, 99%, Occupy und viele andere. Der Ökologe, Unternehmer, Journalist und Schriftsteller Paul Hawken umschreibt diese in seinem wunderbaren Buch „Blessed Unrest“ (dt: “Wir sind der Wandel”) mit dem Satz “Wie die größte soziale Bewegung in der Menschheitsgeschichte der Welt heute zu neuer Anmut, Gerechtigkeit und Schönheit verhilft”.
  • Als zweites nannte Otto Scharmer die überall neu entstehenden innovativen Unternehmen und Projekte, die Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit liefern. Auf dem Global Forum wurden davon sieben ausgewählte Projekte und Unternehmen beispielhaft vorgestellt. U.a. durfte ich die Triodos Bank vorstellen. Andere Unternehmen und Projekte, die vorgestellt wurden, waren u.a. die Naturkosmetikfirma Natura aus Brasilien und die Stadtentwicklung in dem New Yorker-Stadtteil Bronx. Otto Scharmer zitierte in diesem Kontext den Sozialwissenschaftler Kurt Lewin: „Wir verstehen ein System erst dann, wenn wir es ändern.“
  • Und als dritten hoffnungspendenden Aspekt nannte Otto Scharmer die großen Weisheitslehren der Welt. Stellvertretend nannte er Buddha, Konfuzius und Rudolf Steiner.

Während der zwei Tage des Global Forum wurde viel gearbeitet: im Forum, an Fünfertischen, zu zweit, und in Arbeitsgruppen. So entstanden viele Ideen und Inspirationen. Denn das ist auch das Ziel des Global Forum: Es ist der Versuch, die vielen weltweit bestehenden und neuen Innovationen und Initiativen zusammenzubringen. „Connecting the dots“ – die Punkte miteinander verbinden – ist das Ziel.

Sehr treffend hat dies für mich wiederum Paul Hawken  zusammengefasst in seinem Buch „Wir sind der Wandel“:
Wenn wir davon ausgehen, dass die Menschheit ein einziger Organismus ist, können wir uns eine kollektive Bewegung vorstellen, die diesen Organismus schützt und in die Lage versetzt, mit Bedrohungen fertig zu werden. Diese Fähigkeit zur Reaktion würde wie ein Immunsystem funktionieren, das unabhängig vom Willen des Einzelnen agiert. Die gemeinsame Aktivität von Hunderttausenden gemeinnütziger Organisationen [Anmerkung: ich würde hier auch Unternehmen und allgemein jeden Menschen ergänzen] kann als das Immunsystem der Menschheit betrachtet werden, das uns vor schädlichen Einflüssen wie Korruption, wirtschaftlicher Fehlentwicklung und ökologischem Zerfall schützt.

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Wir fordern zu neuem Denken über Bankwesen auf

Stefanie_Erhardt  |   12 Kommentare »

Die aktuellen weltweiten zivilen Proteste gegen die Bankenbranche – u.a. in Form der Occupy-Bewegung – zeigen: die Bevölkerung fordert ein Umdenken in Bankenbranche und Politik. Seit Ausbruch der Finanzkrise ist aus ihrer Sicht nicht genug verändert worden. Sie wollen eine andere Form von Bank – ein neues Denken über Bank. Wir als Triodos Bankhaben sehr großes Verständnis für die zivilen Proteste und möchte in Deutschland den Dialog über ein Umdenken aktiv mitgestalten.

Was ist aus Sicht der Triodos Bank die „neue Bank“?

1. Die Bank konzentriert sich wieder auf ihre Kernaufgabe, für die sie durch die Gesellschaft beauftragt worden ist: Einlagen einsammeln und hiermit Kredite vergeben.

Alle weiteren Aufgaben, die viele Banken heute betreiben, speziell riskante Investments, müssen von diesem Kerngeschäft abgespalten werden. Selbst dann gilt jedoch: Keine Spekulation. Derivative Produkte sind aufzugeben, solange sie nicht unmittelbar der Finanzierung der Realwirtschaft dienen. Der Eigenhandel ist einzustellen

2. Die Bank ist transparent. Dem Kunden und anderen Interessensgruppen ist zu jeder Zeit klar, was die Bank finanziert bzw. in was sie investiert, wie sie ihre Erträge und Rendite erwirtschaftet, welche Risiken sie hierbei eingeht und wie sie diese managt.

3. Die Bank ist mittelständisch. Dies geht einher mit einer thematischen (Bsp. Nachhaltigkeit)  bzw. geographischen Spezialisierung.

Denn Größe ist kein Selbstzweck. Deshalb sollte gelten: Umso größer eine Bank, umso mehr Eigenkapital muss sie vorweisen. Mit Größe der Bilanzsumme sollten insgesamt die Eigenkapitalanforderungen steigen.

4. Die Bank handelt nicht nur im Interesse ihrer Anteilseigner, aber auch im Interesse anderer Anspruchsgruppen, insbesondere Kunden und Mitarbeiter. 

Die Bank ist sich ihres gesellschaftlichen Auftrages bewusst. Ihr Ziel ist nicht die kurzfristige Profitmaximierung, sondern die Maximierung der Nachhaltigkeit als Einklang von Mensch, Umwelt und Wirtschaft.

5. Die Bank hat klare Ausschlusskriterien, was sie aus ethisch-ökologischen Gründen nicht finanziert. Diese werden veröffentlicht und die Bank lässt sich hieran messen. Die Bank sollte in ihrer Finanzierungs- und Investitionstätigkeit auch nachhaltige Unternehmen und Projekte einschließen.

Risiken müssen minimiert und kontrolliert werden. Denn es ist die oberste Pflicht der Bank, ihre kontinuierliche Rolle als Finanzierer der Realwirtschaft nicht unnötig zu gefährden. 

6. Die Bank wird von Bankern geführt, die sich ihrer wichtigen gesellschaftlichen Rolle bewusst sind und diese auch erfüllen können. Sie denken in Beziehungen, nicht in Transaktionen. Sie denken langfristig, nicht kurzfristig und machen ihre Handlungen transparent.

Sie brauchen für die Erfüllung ihrer Aufgaben keine Anreizsysteme. Sie sind bereit, hierfür auch einen Eid zu schwören (wie dies in den Niederlanden bereits praktiziert wird).

Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank stehen für diese Forderungen. Sie liefern mit ihrem kontinuierlichen Wachstum von im Durchschnitt 20% p.a. den Beweis, dass ein solches Geschäftsmodell auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann, ohne Mensch(lichkeit) und Umwelt zu kompromittieren.

Ein anderes Bankwesen ist möglich. Politik und Bankenbranche müssen handeln. Sie müssen dies im Dialog mit der Bevölkerung machen – denn ihr sind sie verpflichtet, von ihr erhalten sie den gesellschaftlichen (Existenz-)auftrag. Die Zeit zu handeln ist jetzt.

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„Zukunft finanzieren“ – im Gespräch mit Thomas Gutberlet von tegut…

Stefanie_Erhardt  |   Kommentare geschlossen

In unserer vorletzten Ausgabe des Mehr.Wert-Newsletters hatten wir ein Interview mit Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von tegut… veröffentlicht. Aufgrund der vielen positiven Ressonanz, die uns daraufhin erreicht hat, gibt es nun auch eine Langversion des Interviews mit weiteren sehr spannenden Aussagen von Herrn Gutberlet. Viel Spaß beim Lesen!

„Zukunft finanzieren“
Gespräch mit Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von tegut…

In den 1970er Jahren hat Ihr Vater, Wolfgang Gutberlet, erste Akzente in Richtung Nachhaltigkeit gesetzt. Was hat er damals anders im Vergleich zum Wettbewerb gemacht?

Als mein Vater in das Unternehmen gekommen ist, hat er sich zuerst die Frage gestellt: Wie arbeiten wir bei tegut… zusammen? Er hat das Unternehmen von seinem Vater, Theo Gutberlet, übernommen, der es im Sinne einer christlich-kaufmännischen Tradition aufgebaut hatte, stark verwurzelt in der Region. Sein Vater war ein Pionier, das Unternehmen ganz auf seine Person fokussiert. Auf diese Weise wollte und konnte mein Vater das mittlerweile stark gewachsene Unternehmen tegut… nicht leiten. Er führte gruppendynamische Seminare ein, in denen es um eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit ging.

Das geschah in den 1970er Jahren. Er stellte sich damals zudem die Frage: Was verkaufen wir eigentlich? Gibt es auch eine Definition für die Qualität von Lebensmitteln? Im Zuge dessen ist mein Vater auf Bio-Lebensmittel gestoßen, indem er die „Lebensgemeinschaft Sassen“ kennen lernte. Diese Einrichtung kümmert sich um Behinderte in der Region und betreibt eine biologisch-dynamische Landwirtschaft. Meine Familie lebte damals bereits auf einem Bauernhof, mit Schafen und Rindern – und da hat sich mein Vater gefragt: Wie lässt sich vernünftig Landwirtschaft betreiben? Wie kann man Grundlagen für gesunde Lebensmittel legen? Ich selbst kam 1977 auf eine Waldorfschule und hatte auch dort die Möglichkeit, Bio-Landwirtschaft mitzuerleben.

1982 kamen Bioprodukte bei tegut… in die Regale der Märkte – in einer Zeit, in der Biolebensmittel noch ein Nischenthema waren.

Das erste Bio-Produkt in unseren Märkten war ein Bio-Brot von der Lebensgemeinschaft in Sassen. Was ins Sortiment kam, wurde vorher in der Familie getestet. Es gab einen ersten Bioladen in Fulda, da wurde eingekauft. Unsere Überlegung war: Diese Produkte muss es auch bei tegut… geben! Denn im Grunde muss Bio für jeden zugänglich sein. Wir haben versucht, Landwirte zu finden, die für uns Biomilch produzieren. Bald kam ein Kontakt mit Götz Werner und Götz Rehn zustande, wodurch im Dreierteam das Unternehmen „Alnatura“ aus der Taufe gehoben wurde. Alle waren auf der Suche, man hat sich getroffen – und daraus ist etwas Neues entstanden. Schließlich haben wir gesagt: Wir nehmen alle Produkte ins Sortiment, die „Alnatura“ entwickelt.

Heute gibt es bei tegut… über 3.000 Bioprodukte, was rund 20 Prozent des Sortiments entspricht. Warum haben Sie nicht vollständig umgesattelt und zu 100 Prozent Biowaren in Ihre Regale gestellt?

Wir sind ein Unternehmen, das seit 1947 existiert – entstanden aus einem Tante- Emma-Laden und hineingewachsen in die Rolle des Vollversorgers. Wir versuchen, das Unternehmen schrittweise zu verwandeln. Genauso wie wir unsere Kultur weiterentwickeln, verändern wir auch unser Sortiment. Die meisten Menschen ernähren sich nicht zu 100 Prozent von Biolebensmitteln. Da gibt es eine Gruppe, die sich zwar biologisch ernährt, aber keine Biotextilien trägt oder keine Naturkosmetik verwendet. Es bezieht auch nicht jeder Ökostrom. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie weit er in dieser Frage geht. Wir wollen unsere Kunden nicht erziehen, sondern sehen Sie als mündige Verbraucher, die ihre eigenen Entscheidungen treffen, denn jeder hat seine Präferenzen – und das versuchen wir abzubilden. Ich kann immer nur Angebote machen und die Menschen informieren, ich kann sie nicht dazu zwingen, Biolebensmittel zu kaufen. Somit sind wir ein Lebensmittelfachmarkt, der mit einem Bioanteil von 20 Prozent einmalig im deutschen Einzelhandel ist. Wir sind also kein reiner Bioladen. Diese Rolle hat das Unternehmen „Alnatura“ übernommen, das damit auch diese Nische bedient. Denn Bioläden sind immer in einer Nische zu Hause, in kleineren Orten findet man sie fast gar nicht. Da brauchen Sie mindestens 100.000 Einwohner. Wir können aber sogar auf die Dörfer gehen, wir haben Läden in Dörfern mit 1.000 Einwohnern und bieten dort 30 bis 40 Prozent Biowaren an. Wir schaffen es, Biowaren bis in die entlegensten Winkel zu bringen, wozu ein reiner Bioladen nicht in der Lage ist.

In diesem Zusammenhang liegt uns ein besonderes Projekt am Herzen: die Nahversorgung des ländlichen Raums. Es gibt zunehmend Gemeinden mit 1.000 oder 2.000 Bürgern, die keinerlei Lebensmittelversorgung mehr haben und denen auch weitere Dienstleistungen fehlen. Es gibt dort viele ältere Menschen, diese wollen oder können nicht mehr mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Wir haben jetzt eine Initiative gestartet, die sich „tegut… Lädchen für alles“ nennt. Wir arbeiten da teils mit Wohltätigkeitsorganisationen und eng mit den Gemeinden zusammen, um kleine Läden mit bis höchstens 300 Quadratmetern zu betreiben.

Was steckt hinter der Initiative „tegut… FAIRbindet“?

Es gibt Organisationen, die sich mit fairem Handel beschäftigen. Wir wollten aber nicht alle Beziehungen an Fremde auslagern, weil wir gerne im persönlichen Kontakt mit den Landwirten stehen. Die sind manchmal sehr weit weg, zum Beispiel die Bananenbauern in der Dominikanischen Republik. Den Kontakt nehmen wir trotzdem selbst in die Hand: Wir reisen dorthin und prüfen vor Ort, ob unsere Vorstellungen von Biolandwirtschaft verwirklicht werden. Vor Ort haben wir die Menschen überzeugt, Bananen-Plantagen anders anzulegen und Zwischenpflanzen anzubauen. Sie sollen anfangen, sich wieder selbst zu versorgen, wodurch sie unabhängiger vom Bananenpreis sind. Wenn ich ausschließlich für den Export produziere, bin ich nur von meinem Einkommen abhängig, um meine Familie zu ernähren. Baue ich aber Nutzpflanzen wie Maniok an, ändert sich meine Situation.

Unsere Kleinanbauer in der Dominikanischen Republik sind selbständig. Sie haben in ihrer Plantage zunehmend in jeder 3. Reihe ein Alternativprodukt und bauen auf der neuen, freien Fläche Produkte für den Eigenbedarf an. Der Effekt ist erstaunlich: Insgesamt haben sie auf ihrer Plantage so viele Bananen wir vorher, weil die übrigen Stauden mehr tragen, und sie sichern ihre Existenz zusätzlich durch Eigenanbau. Durch die Sorten-Differenzierung und Artenvielfalt wachsen die Bananen viel besser. Da zeigt sich wieder, dass Monokulturen keine Anbauvariante mit guten Ergebnissen sind. Sie führen eben nicht zu mehr Ertrag pro Hektar. Wir finden, diese Form von fairem Handel, die zudem die Eigenständigkeit der Anbauer sichert, besser, als einfach eine anonyme Banane mit einem höheren Preis anzubieten.

Fairer Handel spielt bei Ihnen aber auch in Deutschland eine Rolle, ein Beispiel ist der „Milchfonds“, den Sie ins Leben gerufen haben.

Wir haben am Milchpreis gearbeitet und einen „Milchfonds“ gegründet. Die Frage war: Was ist eigentlich ein fairer Milchpreis für den Landwirt? Der Auszahlungspreis für die Landwirte war deutlich gesunken. Diese Preissenkung um sieben Cent machte sich auch bei unserem Einkaufspreis bemerkbar. Doch wir haben sie nicht an den Verbraucher weitergegeben, sondern nutzen die Preisdifferenz seitdem, um Projekte zu finanzieren, die den Landwirten eine Veränderung ihrer Systeme möglich machen. Es geht nicht darum, einfach sieben Cent an die Landwirte auszuzahlen. Vielmehr versuchen wir Projekte zu realisieren, bei denen Landwirte ihre Milchproduktion in die eigene Hand nehmen oder neuartige Genossenschaften bilden. Wir wollen die Kunden dabei mitnehmen. So unterstützen wir Schulmilch-Projekte. Eine andere Initiative ist die Einführung von Vorzugsmilch; Der Landwirt liefert wieder direkt an die Filiale. Kann nicht ein Landwirt wieder selbst den Vertrieb seiner Produkte übernehmen? Auf neue, moderne Art und Weise? So sinkt auch der Ressourcen-Verbrauch auf dem Weg zum Kunden. Das alles läuft unter unserer Initiative: „tegut… FAIRbindet“.

Wie engagieren Sie sich für Lebensmittel ohne Gentechnik?

Wir halten Gentechnik auf Äckern nicht für tragfähig, ob bei uns in Deutschland oder in der ganzen Welt. Als Lebensmittel-Unternehmen engagieren wir uns für gentechnikfreie Produkte, weil wir als Teil dieser Branche eine große Verantwortung für die Lebensmittelversorgung zukünftiger Generationen haben. Bei unseren Eigenmarken haben wir sehr früh auf den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen verzichtet; da war es nur konsequent dies auch auf Futtermittel auszudehnen. So haben wir auch als erste unser gesamtes Frischei-Sortiment auf „Ohne Gentechnik“ umgestellt und haben es ebenso bei unserer Eigenmarken-Milch und unseren Eigenmarken-Milchprodukten geschafft, wie bei unserem Eigenmarken-Schweinefleisch- und unseren TK-Geflügelprodukten.

Sie verkaufen bei tegut… nur Fisch aus nachhaltiger Fischerei?
 
Wir führen in unseren Theken nur noch Fisch, der entweder biozertifiziert ist oder aus nachhaltiger Fischerei kommt. Das gilt auch für alle Eigenmarken, aber noch nicht für die letzte Konserve im Sortiment. Das ist immer verbunden mit einer Verzichtsübung; auch für den Kunden, denn an unserer Fischtheke haben wir eine ganze Reihe von Sorten aus dem Angebot genommen. Bei Konserven arbeiten wir noch daran: Wir sind nicht so mutig gewesen, auf einen Schlag das gesamte Sortiment umzustellen, da müssen wir schrittweise vorgehen, um unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, sich dem Weg anschließen zu können.

Warum fordern Sie ein Bewusstsein für die gesamte Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft?

Faire Landwirtschaft heißt: Alle Mitspieler müssen sie als fair empfinden. Oft wird gedacht, Fairness bedeutet, der Landwirt bekommt mehr Geld für seine Produkte. Wenn damit aber der Kunde nicht einverstanden ist, wird daraus kein fairer Handel. Das geht nur über ein entsprechendes Bewusstsein: Was passiert eigentlich in der Wertschöpfungskette? Den Kunden sollte man erklären: Passt auf, Ihr zahlt nicht für die Vergangenheit; Ihr habt falsche Zahlungsvorstellungen. In Wirklichkeit finanziert Ihr Zukunft. Wenn die Kunden uns heute für Waren Geld geben, bezahlen wir ja nicht die Ware, die sie gekauft haben. Vielmehr erwerben wir damit neue Waren, die der nächste Kunde kaufen kann, oder geben finanzielle Mittel, mit denen zukünftig Produkte erzeugt werden können.

Es geht also um die Gestaltung der Zukunft?

Ja, denn das bedeutet: Wenn wir jetzt auf den Milchpreis schauen, lautet die Frage nicht, ob das Geld dem Bauern heute reicht. Wenn er zurückhaltend lebt und nicht viel Geld ausgibt, kann er vielleicht ein Jahr durchstehen. Aber er kann keine Zukunft gestalten, keinen neuen Stall bauen, ihn nicht erhalten oder renovieren. Er kann auch keine neuen Zäune bauen. Wir finanzieren seine Zukunft, das ist die eine Seite der Medaille. Die andere sieht so aus: Wir müssen bei den Landwirten um Verständnis werben, dass es in Deutschland wirklich Menschen gibt, die arm sind. Das sind sicher 10 Prozent der Bevölkerung. Dieser Teil der Gesellschaft will sich trotzdem gesund ernähren. Also müssen wir aufpassen, dass wir bei den Preisen nicht überziehen. Es kommt auf Ausgewogenheit an, wir brauchen Produkte, die nachhaltig und gesund sind – und trotzdem von armen Familien erworben werden können.

Landwirte sollte man fragen: Haben Sie sich beim Kauf Ihres letzten Traktors Gedanken gemacht, wie viel Geld der Felgen-Produzent bekommen hat? Wir verlangen heute vom Kunden, dass er sich beim Milchkauf überlegt, was der Landwirt dafür erhalten hat. Dann muss sich aber auch der Landwirt klar machen: Was hat eigentlich der Motorfabrikant bekommen, was der Traktor- oder Saatgutverkäufer? Wenn ich von anderen verlange, dass sie an mich denken, muss ich in derselben Weise an sie denken. Man muss einen Wertschöpfungsstrom erleben – und erkennen: Ich selber bin ein Teil davon.

Das ist für uns Händler wichtig, weil wir immer eine Mittlerrolle einnehmen. Bei uns sagen die Kunden: „Ihr seid zu teuer!“ Und die Landwirte sagen: „Ihr gebt uns zu wenig Geld!“. Wir können den Landwirten nur mehr bezahlen, wenn die Kunden bereit sind, für Qualität angemessene Preise zu akzeptieren. Und den Kunden können wir bessere Preise machen, wenn wir die Prozesse mit unseren Lieferanten möglichst effizient gestalten.

Die Fragen stellte Ingo Leipner (Textagentur EcoWords).

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